Berlinale 2008
Berlinale Tag 5

Berlinale Tag 5

Die Weltreise geht weiter: diesmal von Deutschland über Brasilien nach Japan und retour.
Nachdem wir gestern Sonntag mal einen Vormittag frei genommen hatten, hieß es heute wieder raus aus den Federn um 07:00 Uhr, denn schon um 9 Uhr gab es die erste Pressevorführung. Auf dem Programm stand der brasilianische Skandalfilm „Trope De Elite“ über eine gnadenlos brutale Eliteeinheit der Polizei in Rio de Janeiro und ihre Ausbildungs- und Arbeitsmethoden. Noch bevor sich die versammelte Journalistenschar den nicht unproblematischen Film zu Gemüte führen konnte, gab es wieder technische Probleme und die Vorführung verzögerte sich um fast eine halbe Stunde. Irgendetwas war mit der gelieferten Kopie nicht in Ordnung und erst kurz vor 9 Uhr hatten die Verantwortlichen bemerkt, dass wir wohl nicht pünktlich anfangen würden können. Noch dazu konnten die eigentlich vorgesehenen englischen Untertitel nicht geliefert werden, was bei den Journalisten für geteilte Freude sorgte, denn das bedeutete für viele, dass sie sich den live eingesprochenen englischen Text über Kopfhörer antun müssen, den es bei fast allen Vorführungen gibt. Da sitzt in einer kleinen Kabine im Kinosaal eine Sprecherin oder ein Sprecher und liest die Dialoge zum Film einfach dazu, und zwar alle Personen, die im Film vorkommen. Ihr könnt Euch sicher vorstellen wie umwerfend ein solches Filmerlebnis ist. Auch wenn es mich nicht betraf, denn ich hatte ja die deutschen Untertitel zum brasilianischen Original, aber wer kein Deutsch kann (und hier gilt ja Englisch gleichwertig mit Deutsch als Festivalsprache), der tat sich sicher schwer. Immer wieder passiert es in diesem Jahr außerdem auch, dass Pressevorführungen in zu kleinen Kinosälen angesetzt sind und man dann einen zweiten Kinosaal dazu öffnen muss, um alle Leute unterzubringen. Dort beginnt der Film natürlich dann gut 20 Minuten später, weil es ja keine zweite Kopie gibt und die Vorführer warten müssen, bis die erste Aktrolle durch den einen Projektor gelaufen ist und sie diese dann im zweiten Saal starten können. Hier werden die Filme nämlich nicht wie sonst im Kino als Ganze zusammen geklebt, sondern Rolle für Rolle mit zwei Projektoren vorgeführt. Das hat damit zu tun, wie ich vermute, weil man die Filme so schneller und einfacher transportieren kann und sie nicht immer wieder zusammenfügen und wieder auseinander nehmen muss.

Glücklicherweise gibt es aber auch Erfreuliches zu berichten: Doris Dörries neuester Film „Kirschblüten“ stellte sich als echtes Filmzuckerl heraus, in dem Elmar Wepper so gut spielt wie noch nie und der kleine Wettbewerbsbeitrag aus Hong Kong „Man Leuk – Sparrow“ überraschte trotz seiner ganz einfachen Geschichte mit pfiffigen Details und sorgte sogar für die hier sehr seltene filmische Komik.