Berlinale 2006
Berlinale Tag 7

Berlinale Tag 7

Am siebten Tag war es wieder soweit: „UNCUT frägt nach“, diesmal bei der Pressekonferenz zu „Candy“.
In der Ehe gibt es angeblich das „verflixte siebte Jahr“. Wer das überdauert hat, hat das Schlimmste überstanden, nachher kann es nicht mehr schlimmer kommen. Quasi eine Zäsur: wer dieses Jahr heil übersteht, also zusammenbleibt, bleibt es für immer. So sagt es zumindest der Aberglaube.

Für UNCUT ist jetzt bereits der siebte Tag auf der Berlinale. Gestern abend ist mir eingefallen, dass ich mir morgen eine neue U-Bahn-Fahrkarte besorgen muss, denn die Wochenkarte, die wir am Flughafen bei unserer Ankunft gekauft haben, läuft heute um Mitternacht ab. Aber im Gegensatz zu so manchem Ehepaar, werden wir am siebten Tag nicht unsere Zelte abbrechen, sondern natürlich weitermachen bis zum letzten Tag. Natürlich haben wir einen gewissen Vorteil, weil wir ja genau wissen, wie lange es noch gehen wird, aber ganz ehrlich gesagt wäre es ein Jammer, jetzt schon nachhause zu fahren. Denn obwohl die ganz großen Highlights inzwischen schon zu sehen waren, warten noch immer einige interessante Filme auf das Publikum. Wobei man hinsichtlich der Zuordnung eines Filmes als „Highlight“ oder „Nebensache“ immer vorsichtig sein muss, jeder Film ist für eine Überraschung gut.

So auch heute wieder beim neuesten Film von Neil Armfield, „Candy“: in der Vorschau zwar prominent besetzt mit u.a. Heath Ledger, aber inhaltlich nicht einschätzbar geschweige denn qualitativ vorhersehbar. Umso größer ist die positive Überraschung danach, nicht nur, was die Schauspieler betrifft, sondern auch die Liebe zum Detail. Ein Musikstück von W. A. Mozart (Ave Verum Corpus) fällt mir schon während des Filmes auf, mit dem zwei emotional und dramatisch sehr dichte Szenen begleitet werden. Mir kommt der Gedanke, Mozarts Musik, komponiert für die Heilige Kommunion in der Messe, könnte absichtlich gewählt sein, um den Akt der vollständigen Hingabe Dans und Candys zueinander, aber auch deren Weggleiten aus der realen Welt, den Wunsch, in gewisser Weise mit Gott eins zu werden, zu untermalen. Die Frage brennt mir auf der Zunge, also versuche ich, bei der Pressekonferenz ans Mikro zu kommen und siehe da: es klappt! Und nicht nur, dass ich für UNCUT eine Frage stellen kann, sondern ich treffe mit meiner Vermutung ins Schwarze: genau das hatte der Regisseur beabsichtigt! Ein Erfolgserlebnis der besonderen Art für mich, aber auch für UNCUT, denn die Pressekonferenz war bis auf den letzten Platz ausgebucht :-). Mehrmals wird Heath Ledger auch nach „Brokeback Mountain“ gefragt: wie er seine Chancen für sich und Mel Gibson (Achselzucken) sehe, als Australier einen Oscar zu bekommen („werden wir sehen“) oder ob es einen Unterschied mache für ihn als Schauspieler, eine Liebesszene mit einem Mann oder einer Frau zu drehen („in der Tat, ja, aber am Ende küsst man ja doch wieder nur einen Menschen. Der Unterschied sind nur die Bartstoppeln.“)

Bei der Pressekonferenz zu „Romanzo Criminale“ musste ich leider passen und das aus zwei Gründen: erstens begann sie fast eine halbe Stunde verspätet, sodass ich nach 5 Minuten gehen musste, um nicht die Pressekonferenz von „Candy“ zu verpassen und zweitens, weil sie zur Gänze auf Italienisch gehalten wurde und ich nicht daran gedachte hatte, mir einen Übersetzungskopfhörer mitzunehmen. Pech gehabt.

Unterhaltsam verlief aber noch die dritte Begegnung zwischen Journalisten und der Filmcrew zu „Sehnsucht“ von Valeska Griesebach, als sie vom Casting für ihren ersten abendfüllenden Spielfilm erzählt: auf der Suche nach geeigneten Laiendarstellern hätte ihr Team sämtliche Zeltfeste in Brandenburg abgeklappert und den Hauptdarsteller z. B. Andreas Müller beim Zubinden seiner Feuerwehrstiefel entdeckt. Außerdem wäre es am Anfang am Lande gar nicht so einfach gewesen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, die „fremden Loiden“ (O-Ton) immer skeptisch gegenüber stünden.

Und noch was zu lachen gibt es im Pressezentrum im Schreibzimmer, als das Handy eines Kollegen mit dem Klingelton eines wiehernden Pferdes läutet. Ins allgemeine Amüsement hinein sage ich laut: „He's from Horse and Hound“, eine Anspielung auf das tolpatische Verhalten von Hugh Grant im Film „Notting Hill“. Einige Kollegen verstehen den Scherz und lachen herzhaft mit.

So geht auch der siebte Tag hier zuende, morgen stehen wieder drei Filme auf dem Programm für euch: den Anfang macht „The Notorious Bettie Page" mit Gretchen Mol über die legendäge „dunkle Göttin des Pin-up“, danach „Geheime Staatsaffairen“ von Regisseur Claude Chabrol und schließlich „Find me Guilty“, der neue Film von Sidney Lumet mit Vin Diesel in der ungewöhnlich ersthaften Rolle eines Anwalts. Drei völlig unterschiedliche Filme. Wir sind gespannt...
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