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Berlinale 2007
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Interview mit Romola Garai

Wir sprachen mit der jungen britischen Schauspielerin Romola Garai, die die Hauptrolle in François Ozons Film „Angel“ spielt.

Uncut(Markus Löhnert): Wie ging es Dir eigentlich damit, als Dir Francois Ozon die Hauptrolle in seinem neuen Film “Angel” angeboten hat? Ich meine, die Rolle ist doch insgesamt sehr überzeichnet, fast grotesk...

Romola Garai: Also ehrlich gesagt: ich mochte die Rolle von Anfang an. Gerade, weil sie auf den ersten Blick so wirkt, ist sie besonders interessant.

Uncut: Hat auch Deine Ausbildung (sie hat einen Magister in Englischer Literatur, Anm.) dazu beigetragen, dass Dich die Rolle besonders interessiert hat?

Romola Garai: Ich war sehr, sehr, sehr interessiert an diesem, sagen wir: intellektuellen Ansatz des ganzen Filmes, darüber was man unter Kunst oder Poesie versteht oder nicht und wie sich Literatur auch entwickelt hat, es gibt ja eine Menge Autorinnen, zum Beispiel Mary Shelley, die Vorbilder für spätere Autorinnen waren und einen Einfluss darauf hatten, wie sie das Verhältnis von Literatur und Realität in ihren Büchern wiedergegeben haben. Aber: Du kannst das alles nicht in einen Charakter hinein verfrachten, aber man kann dieses Wissen über die Literaturgeschichte dazu verwenden, über den Film und seinen Hintergrund zu reden. Außerdem ist Angel, die ich im Film spiele, überhaupt nicht an Frauen und Literatur interessiert, ihr geht es nur um die Romanze, die Fantasie ihrer Geschichten, deshalb wäre es zu viel, all das in ihren Charakter hinein zu legen. Überhaupt ist Angel, weil sie so eine unberührte, einfach: schöne Frau ist, schwer zu spielen für jede Schauspielerin. Ich dachte mir immer wieder: wie kann ich es anlegen, dass ich sie so bemerkenswert unberührt wie ein leeres Blatt Papier darstelle, die sich einfach hinsetzt, und zu schreiben beginnt.

Uncut: Hattest Du eigentlich Angst, die Rolle zu übernehmen, ich meine in dem Sinne, dass Du mit Francois Ozon zusammen gearbeitet hast, der ja auch schon mit den großen Damen des Französischen Kinos gedreht hatte? Denkst Du, man wird Dich jetzt mit ihnen vergleichen?


Romola Garai: (lacht und rollt die Augen): Oh, ja, ich hatte eine Scheiß-Angst, wirklich ganz furchtbare Angst. Und das obwohl mich die Rolle fasziniert hat. Du musst Dir vorstellen: Er (Ozon, Anm.) hatte schon zwei Jahre an den Projekt gearbeitet und er ist so ein bekannter Regisseur. Ich hatte schon auch Angst davor, dass ich ihm alles verderben könnte, wenn ich keine gute Arbeit abliefere. Ich habe großen Respekt vor ihm und ich mag seine Filme sehr gern, deshalb wollte ich auch erstklassige Arbeit für ihn und den Film leisten. Es war für mich dann aber leichter, weil ich viel Spaß am Set hatte. Francois ist ein wirklich lustiger Kerl und immer wieder, wenn ich eine lustige Idee hatte für meine Rolle, lachten wir beide darüber. Eine sehr akzeptierende Atmosphäre, gegenseitig, könnte man sagen.

Uncut: Wie war es im Vergleich mit Woody Allen in “Scoop”?

Romola Garai:
Francois kümmert sich viel mehr um die Schauspieler, also in dem Sinne, dass er sie mit ihren Rollen begleitet und auch mal Kritik übt und konkrete Ideen hat, wie Du es anders machen kannst. Und es ist mir auch lieber, jemand unterbricht mich und sagt mir, was nicht passt, als er sitzt Meilen entfernt und sagt mir am Telefon etwas zu einer Szene...

Uncut: Weil wir grad über die Angst reden? Wie siehst Du das mit den “Grandes Dames” des Französischen Kinos?

Romola Garai: (lacht) Natürlich wird das so sein, obwohl ich hoffe, dass es nicht ganz so schlimm sein wird. Ich habe ja den Vorteil, dass ich kein solches Idol bin und als dieses Idol für den Film besetzt wurde, also kann ich von einer viel neutraleren Ausgangsbasis aus meine Rolle spielen. Aber Du hast Recht, vergleichen wird man mich schon....

Uncut: Heute bei der Pressekonferenz kam schon diese Andeutung auf, Deine Rolle wäre stark an Scarlett O’Hara in “Vom Winde verweht” angelehnt? Siehst Du das auch so?

Romola Garai: Oh, ja, ich sehe das ganz genau so! Ich kann mir nämlich niemand, absolut niemand vorstellen, mit dem man Angel vergleichen könnte, wie Scarlett in “Vom Winde verweht!”. Es ist kein Zufall, dass Angel ihr sehr ähnlich sieht...

Außerdem muss ich Dir auch sagen: ich LIEBE diesen Film! Ich weiß nicht, wie oft ich den schon gesehen habe, aber es war schon sehr, sehr oft! Daher liegt das natürlich auf der Hand und: Ja, die Scarlett ist Angel sehr ähnlich. Und “Angel” und ich haben viel gemeinsam, wir beide sind sehr kompliziert und eitel, so gesehen musste ich oft gar nicht so schauspielern, die Leute können mich überhaupt nicht ausstehen...(sie zwinkert mit den Augen).

Uncut: Ich habe gelesen, dass Du in Deiner Freizeit gerne auf Reisen bist bzw. zuhause auch mal ganz gerne kochst? Was ist Dein Lieblingsgericht, nämlich jenes, das Du gerne kochst, nicht nur gerne isst ?

Romola Garai: Ja, ich koche gerne... Verschiedenes zu verschiedenen Anlässen... Also wenn ich mal gemütlich Zeit habe, zum Beispiel an einem regnerischen Nachmittag, back ich immer wieder einen Kuchen, so einen Kuchen zum Tee, weiß Du? Andererseits, wenn's ums richtige Essen geht, dann koche ich gerne Risotto, manchmal auch was großes und Aufwändiges, dann lade ich mir Freude ein und es gibt ganz ausgefallene Sachen und meine Freunde sind immer wieder positiv überrascht... (sie lacht)

Uncut: Und was das Reisen geht: wo würdest Du, wenn mal zwischendurch Zeit hast, gerne hinfahren?

Romola Garai: Na ja, momentan hab ich leider keine Zeit, weil ich mit diesem Film jetzt mal auf Promotiontour unterwegs bin bis hin nach Neuseeland und Australien und natürlich auch in die USA, aber natürlich reise ich sehr, sehr gerne. Ich würde so gern mal nach Kanada fahren, die Natur dort zu erleben. Auch China würde ich gerne mal besuchen, weil sich das Land so stark verändert, da würde ich mir dann auch richtig Zeit dafür nehmen. Aber jetzt bin ich mal in Berlin, auf dem Festival.

Uncut: Sprechen Dich die Leute auf der Straße an und fragen um ein Autogramm?

Romola Garai:
Hier auf dem Festival schon, aber zuhause nicht. Ist auch gut so, irgendwie...

Uncut: Darf ich Dich zum Abschluss um ein Autogramm bitten?

Romola Garai:
Aber klar, gerne! War nett, mit Dir zu plaudern!

Interview: Markus Löhnert, im Hotel Adlon beim Brandenburger Tor.
Herzlichen Dank an Oliver Gross für seine Inspiration zu zwei meiner Fragen!

Mehr dazu auf Uncut:
Angel - Romola Garai

Forum

  • Übersetzung

    Quatsch, das wäre ja kein Ehrenname. Aber fast richtig (man muss Latein Griechisch und Englisch mitdenken, damit es Sinn gibt), zu deutsch: "Harry, der mit Eastwood spricht."
    apanatschka_bd42685caa.jpg
    20.02.2007, 08:31 Uhr
  • Gern gschehn!

    Freut mich, dass ich helfen konnte. Ürigens: Für deinen großartigen Interview-Einsatz auf der Berlinal habe ich beschlosssen, dir fortan einen Ehrennamen zu geben: "Hareios Cum Silva Orientis Loquens"! - Viel Spaß beim Entschlüsseln und Übersetzen!
    apanatschka_bd42685caa.jpg
    18.02.2007, 20:02 Uhr
    • :-)

      "Harry, der, obwohl er im Wald steht, Sprechende" ??

      Vielen Dank! :-)

      harry.potter_aadba0451b.jpg
      18.02.2007, 21:18 Uhr