Berlinale 2007
Berlinale Tag 5

Berlinale Tag 5

Es geht noch besser: am fünften Tag des Festivals stiehlt Judi Dench in „Notes On A Scandal“ allen anderen die Show.
Jene unter Euch, die sich noch an meinen Tagesrückblick bzw. die Kritik zu “Die Fälscher” erinnern können, wissen, dass ich dort von einem ganz, ganz großen Favoriten für den Goldenen Bären gesprochen habe. Als ich heute aus der PV zu “Notes On A Scandal” heraus kam, machte ich mir ernsthafte Sorgen, dass meine Einschätzung null und nichtig sein würde, denn Richard Eyre hat mit seinem Film über die Affäre einer Lehrerin mit einem ihrer Schüler und die Freundschaft zwischen ihr und einer Kollegin, die beiden fast zum Verhängnis wird, den wohl besten Film präsentiert, der bisher auf diesem Festival zu sehen war. Umso größer meine Erleichterung, als ich bemerke, dass dieser Film außer Konkurrenz gezeigt wird. Diese Erleichterung wird allerdings gleichzeitig wieder dadurch getrübt, dass er hier keinen Preis bekommen kann, obwohl er, aber vor allem Judi Dench, ihn sich mehr als nur verdient hätten. Somit bleibt also für “Die Fälscher” alles intakt, Karl Markovics wird hier auch heute unter den Kollegen als Favorit gehandelt und bleibt im Gespräch, zumindest ihm hätte “Scandal” ohnehin nicht gefährlich werden können...

Der Rest des Tages verblasst angesichts dieses tollen Filmes am späten Nachmittag zunehmend, was aber auch daran liegt, dass das, was es heute zu sehen gab, nicht annährend mithalten konnte. Dies allerdings aus unterschiedlichen Gründen. “When A Man Falls In The Forest” ist der Regieerstling von Ryan Eslinger und beschäftigt sich mit dem Thema von Isolation in der heutigen Gesellschaft. Für seinen Film konnte er Sharon Stone als Schauspielerin und Produzentin gewinnen, die den Film auch mit ihm gemeinsam hier in Berlin vorgestellt hat. Für Sharon Stone ein Projekt, das ihr sehr am Herzen liegt und für das sie sich natürlich wünscht, auch als Star wieder höher am Firmament zu steigen. Das Medieninteresse an ihrer Person ist sehr groß und auch ihr Auftritt bei der Pressekonferenz ist professionell und bringt etwas von dem viel zitierten, aber nie näher definierten, Glamour Hollywoods hier nach Berlin. Ihr Film bleibt jedoch einer der eher unausgereiften, wenngleich nicht uninteressanten, Beiträge hier, der gegen die Konkurrenz im Wettbewerb wohl eher keine Chance haben dürfte. Ein Indiz dafür könnten auch die Buh-Rufe bei der Pressevorführung sein, die es heute für ihn setzte, obwohl er sich die meiner Meinung nach nicht ganz verdient hat.

Buh-Rufe wären schon eher angebracht gewesen bei der Kurzfilmsammlung “F*****g different New York”, die es heute im Panorama zu sehen gab und die eigentlich ein Portrait verschiedener Künstler aus der schwul-lesbischen Szene New Yorks bzw. über die selbe hätte sein sollen und sich als eine einzige Verar****g des Publikums heraus stellte. Zum Glück war der Spuk nach schon 70 Minuten wieder vorüber und wir konnten uns wichtigereren Dingen zuwenden.

In diesem Augenblick schreiten drei Meter über mir die letzten Stars zur Galapremiere von “Notes On A Scandal” in den Berlinale Palast und Harald Zettler hat sie natürlich für Euch wieder auf Foto gebannt.

Ich für meinen Teil werde mir jetzt ein gemütliches Abendessen gönnen, den tagsüber ist bei dem dichten Terminkalender aus Pressevorstellungen und –konferenzen keine Zeit dafür geblieben. Das Warten wurde aber mit zumindest einem wunderbaren Film belohnt und somit ist es auch in Ordnung.