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Erste Filme für die Viennale 2026

Erste Filme für die Viennale 2026

Bei der Sommer-Pressekonferenz im Pavillon des Wiener Volksgartens gab Festivaldirektorin Eva Sangiorgi die Schwerpunkte des Programms und einen ersten Blick auf das Feature-Line-Up bekannt.
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von (Maverick87)
Es ist eine liebgewonnene alljährliche Tradition geworden, Ende August Festivalfreunde und Pressevertreter zusammenzurufen und in wohligem Ambiente die ersten Informationen zur bevorstehenden Ausgabe des „Vienna International Film Festivals“ preiszugeben. Die bestens gelaunte Festivaldirektorin Eva Sangiorgi stellte dabei auch exklusiv das neue Sujet vor, das diesmal einen Wal zeigt. Das Bild, das, so Sangiorgi, aus einem japanischen Buch aus dem 18. Jahrhundert „entwendet“ wurde, habe sie ausgesucht, weil der Wal perfekt die zu diesen unsicheren Zeiten passende Ambivalenz ausdrückt. Sangiorgi hofft, dass das Festival die Vorstellungskraft und das Erstaunen fördert und lädt Teilnehmer dazu ein, Ideen und Botschaften miteinander zu teilen. Die Viennale versteht sich als Ort der Zusammenkunft und des internationalen Austauschs.

Herbstferien-Abo

In diesem Jahr gibt es erstmals auch eine Initiative, die sich an ein jüngeres Publikum richtet: Da die Viennale in die Zeit der Herbstferien fällt, gibt es für Kinder und Jugendliche ein spezielles Ferien-Abo, bestehend aus vier Filmen, die an vier Festivaltagen gezeigt werden. Diese Filme sind speziell für sie kuratiert. Das junge Publikum zahlt für die vier Filme einen Abopreis von 20 Euro, Erwachsene bzw. Begleitpersonen 30 Euro. Gezeigt werden Eva Trobischs deutsche Familienkomödie „Etwas ganz Besonderes“, der japanische Animationsfilm „We Are Aliens“, der chinesische Film „Zoom In, Zoom Out“ und das skandinavische Drama „Low Expectations“. Abos können bereits im Online-Shop erworben werden und sind bis 30. September erhältlich.


Historische Programme

Jocelyne Saab

In diesem Jahr kuratiert die Viennale vier historische Programme. Eines davon widmet sich der libanesischen Journalistin und Filmemacherin Jocelyne Saab (1948–2019), die ab den frühen 1970er-Jahren als Kriegsberichterstatterin tätig war. Gezeigt werden sechs Filme von ihr, die in zwei Programmblöcke geteilt werden. Der erste umfasst ihre „Beirut“-Trilogie (1976–1982), die den libanesischen Bürgerkrieg dokumentiert, der zweite selektiert Werke, die sich mit dem zur selben Zeit im Umbruch befindlichen Nahen Osten auseinandersetzen.

Die Solomonischen Korrespondenzen

Das Werk des amerikanischen Experimentalfilmers Phil Solomon (1952 – 2019) steht im Fokus des zweiten historischen Schwerpunkts der 63. Viennale. Kurator Mark McElhetten bringt das „Phil Solomon Project“ nach Wien und gliedert es in fünf Programme: drei bestehen aus Solomons Arbeiten, die anderen beiden schaffen einen Kontext dazu, unter anderem von jüngeren Filmschaffenden, die Solomons Vermächtnis weiterführen und transformieren.

Vasko Pregelj

Anlass zu einer Werkschau des aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Filmemachers Vasko Pregelj (1948 – 1995) bildet der Dokumentarfilm „Alpe Adria Underground!“ von Jurij Meden und Matevž Jerman, in dem sie sich mit der Szene der Amateurfilmclubs aus der einstigen sozialistischen Republik beschäftigen. Pregelj gilt als ein Aushängeschild des lokalen Kinos zu jener Zeit. Lange Jahre galten seine Filme als verschollen, nun gibt es im Rahmen der Viennale die Möglichkeit, sie neu zu entdecken.

„Alles bunt und wunderbar“ – Österreichische Filme der 1990er Jahre

In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria, kuratiert von Florian Widegger, präsentiert die Viennale, nachdem sie sich vor einiger Zeit bereits des österreichischen Kinos der 1970er und 1980er Jahre angenommen hat, nun einen kleinen Querschnitt des letzten Jahrzehnts des vorigen Jahrtausends. In einer Dekade des Wandels und der Unsicherheit – das Ende des Kalten Kriegs, der Jugoslawienkonflikt, der Zerfall des Ostblocks und die damit einhergehende neue Reisefreiheit – stellt dieses Programm fünf Filme vor, die sich mit diesem neuen Zeitgeist sensibel auseinandersetzen. Dazu zählen das Kinodebüt von Stefan Ruzowitzky, „Tempo“ (1996), Florian Flickers dystopischer Science-Fiction-Film „Halbe Welt“ (1993), Goran Rebićs Drama „Jugofilm“ (1997), „Slidin' - Alles bunt und wunderbar“ (1998) und Miriam Ungers Regiedebüt „Ternitz, Tennessee“ (2000).


Retrospektive

In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum gibt es auch heuer wieder eine Retrospektive zu einem ausgewählten Filmemacher, etwas, das die meisten großen Festivals mittlerweile nicht mehr programmieren, wie Kurator Christoph Huber bei der Vorstellung verriet. In diesem Jahr erfüllt er sich jedoch einen Herzenswunsch und bringt nahezu das gesamte filmische Schaffen eines seit jeher unterschätzten amerikanischen Auteurs nach Wien: Robert Aldrich (1918 – 1983). Viele seiner Filme kennt man, den Namen dahinter womöglich eher weniger. Ein Zeitgenosse von so gefeierten Regisseuren wie Nicholas Ray, Samuel Fuller und Stanley Kubrick, machte sich Aldrich einen Namen als Hollywood-Rebell, der sich gegen das Establishment und, was heute wichtiger denn je ist, gegen die Republikanische Partei und ihren Kapitalismus stellte. Und das, obwohl seine Familie mit den steinreichen Rockefellers verwandt war. Filme wie der stilbildende Western „Vera Cruz“ (1954); der Film-Noir „Rattennest“ (1955), der die Retrospektive eröffnen wird; der Psychothriller „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ (1962); „Der Flug des Phönix“ (1965) und „Das dreckige Dutzend“ (1967) gelten als Meisterwerke der goldenen Ära Hollywoods. Aber auch sein Spätwerk verdient Anerkennung: „Die Kampfmaschine“ (1974) ist der Prototyp des modernen Underdog-Sportfilms, ein Genre, das bis heute bis zur Erschöpfung reproduziert wird und seine Ursprünge bei Aldrich findet. Und „Das Ultimatum“ (1977), ein wenig bekannter Film mit Burt Lancaster und Richard Widmark mit einer einzigartigen Verwendung von Split-Screen-Technik. Die Retrospektive wird vom 23. Oktober bis zum 30. November zur Gänze im Filmmuseum gezeigt und nahezu vollständig von analogen Kopien projiziert.


Features

Im Rahmen der Programmankündigung wurde auch bereits eine erste Auswahl an aktuellen internationalen Filmproduktionen angekündigt, die ihre Österreichpremiere auf der Viennale feiern werden. Unter den 30 Titeln finden sich Wettbewerbsbeiträge aus Berlin und Cannes, es werden aber sicher auch Filme dazustoßen, die ab nächster Woche in Venedig um den Goldenen Löwen konkurrieren werden. Das vollständige Programm wird dann am 13. Oktober bei der großen Programm-Pressekonferenz im „Metro Kinokulturhaus“ bekanntgegeben, bevor der Ticketverkauf am 17. Oktober beginnt. Ein paar erste ausgewählte Highlights sind:
Die Blutgräfin“ (AT, LX, DE 2026, Ulrike Ottinger) – in Anwesenheit von Isabelle Huppert
Everytime“ (AT, DE 2026, Sandra Wollner)
The Unknown“ (FR, IT 2026, Arthur Harari)
Paper Tiger“ (USA 2026, James Gray)
Queen at Sea“ (UK, USA 2026, Lance Hammer)
The Loneliest Man in Town“ (AT 2026, Tizza Covi und Rainer Frimmel)

The Loneliest Man in Town Bild aus dem Film „The Loneliest Man in Town“ (Stadtkino)
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Maverick87

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