Festivals, Cannes 2026
Cannes 2026 - Tag 4

Cannes 2026 - Tag 4

Schlafmangel, ein Ausflug auf den Roten Teppich und ein überlanger Film mit 196 Minuten.
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von (vodkamartini)
Halbzeit! Nicht für das Festival (das geht bis zum 23.5.), aber für Alfred und mich, denn wir werden nur bis Montag bzw. Dienstag bleiben. Es ist wohl aus diesem Grund, dass sich in uns ein kleiner Zwang breit gemacht hat, noch so viele Filme wie möglich zu sehen.

Heute war der Schlafmangel präsent wie nie zuvor, denn Alfred kam erst um ca. 02:30 Uhr von der Mitternachtsvorstellung von „Species“ zurück. In unserem bescheidenen Apartment in Juan-les-Pins haben wir nur einen Schlüssel und keine Gegensprechanlage, also durfte ich kurz aus meinem wohlverdienten Schlaf aufwachen und vier Stockwerke nach unten zu spazieren, um ihn hineinzulassen. Später mussten dann um 07:00 Uhr zum letzten Mal Tickets auf der Buchungsplattform ergattert werden (dank Tipps und Tricks von Cannes-Bekanntschaften mittlerweile ein Klacks).

Ich brauchte also um 08:30 Uhr einen guten Film zum Aufwachen und ich hätte mir dafür keinen besseren als „Sanguine“ wünschen können! Wer bei diesem Film schläfrig wird, könnte vermutlich auch neben einem Presslufthammer dösen.

Species Bild aus dem Film „Species“ (WTFilms)


Kurze Pause zwischen den Filmen für Anrufe nach Hause – mittlerweile fühlt es sich surreal an, außerhalb von Cannes noch ein Leben zu haben. Weiter ging es dann für mich mit Pawlikowskis „Vaterland“, einem Film über einige Tage aus dem Leben von Thomas Mann und seiner Familie. In der Schlange lernte ich einen Vertreter eines britischen Verleihs kennen, der in Cannes auf der Suche nach Hidden Gems für seine Firma ist. Er fragte mich zu allen Filme aus, die ich bereits gesehen hatte und ich konnte ihn im Endeffekt als neuen Uncut-Leser dazugewinnen (Notiz an Harald: Wir brauchen Visitenkarten!). Nach dem Film tauschten wir uns noch ein bisschen aus – eine nette Interaktion.

Ich setzte mich kurz in die Sonne und konnte spontan noch ein Ticket für die Premiere von Hamaguchis „All of a Sudden“ (Soudain) mit Cast und Regisseur ergattern.

All of a Sudden Bild aus dem Film „All of a Sudden“ (Polyfilm, Plaion Pictures)

Da ich wusste, dass der Film sehr (!) lang ist, holte ich mir noch einen dringend benötigten Mittagssnack. Wetterbedingt und mit Basis in Juan-les-Pins ist es schwierig spontan von gemütlicher zu eleganter Kleidung zu wechseln. Während also Ehrengäste in Anzug und bunten Kleidern den roten Teppich entlangschritten, huschte ich mit Kappe und Kapuzenpulli in den Saal. 196 Minuten + 11 Minuten Standing Ovation später, verließ ich den Saal und traf Alfred, der gerade von einem langen Spaziergang vom Cineum zum Palais zurückkam. Er überredete mich noch, gemeinsam das französische Familiendrama „Words of Love“ anzusehen und, obwohl ich mich jetzt wirklich nach einer Pause sehnte, war das ein perfekter Abschluss für den Festivaltag. Kein Film bisher hatte so viel Herz. Wir saßen übrigens neben Filmkritikerkollegen Jonas von „Cinema Strikes Back“ und auch er wurde als neuer Uncut-Leser dazugewonnen. Wenn nach unserer Werbetour hier die Seitenbesuche nicht in die Höhe schießen, weiß ich auch nicht mehr.

In einem Supermarkt decken wir uns noch mit Nudeln, Pesto und anderen wichtigen Dingen ein. Auf unserer Terrasse genossen wir dann das erste normale Abendessen seit Beginn des Festivals und ließen den Abend mit dem Schreiben von Kritiken und einem Glas Wein ausklingen.
Der Autor
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vodkamartini

Forum

  • Lang, länger zu lang

    Das kenn ich gut von der Berlinale. Manche Filme können auch lang werden, wenn sie kürzer als 196 Minuten dauern. Aber insgesamt klingen Eure Erfahrungen dennoch positiv und interessant. Weiter so!
    uncut_profilbild_558ce708a7.jpg
    17.05.2026, 11:53 Uhr
  • Species

    „Species“ klinkt ja nach der Kritik schon einmal sehr vielversprechend. Ich würde mal tippen da stehen die Chancen recht gut, dass der im Herbst auf den Slash Filmfestival läuft.
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    16.05.2026, 20:26 Uhr
  • Danke

    Ihr macht das super, Jungs. Und ja, du hast Recht, darauf haben wir ganz vergessen. Sonst hatten wir meist extra Visitenkarten mit dabei. Beim nächsten Mal dann aber bestimmt ;)
    Lasst euch den Wein schmecken und ich wünsche euch noch viele gute Filme.
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    16.05.2026, 13:47 Uhr