Festivals, Berlinale 2026
Das war die Berlinale 2026

Das war die Berlinale 2026

Das Uncut-Berlinale-Team blickt zurück auf ereignisreiche Tage in Berlin, auf viele Filme und besondere Erlebnisse.
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von (Uncut Berlinale Team 2026)
Im Pressezentrum im Hyatt-Hotel und am Potsdamer Platz wurden mittlerweile die Scheinwerfer abgebaut und auch das Uncut-Team hat die deutsche Hauptstadt wieder verlassen und gönnt sich nach einem turbulenten Festival etwas Ruhe. Zeit für einen kleinen persönlichen Rückblick auf die 76. Internationalen Filmfestspiele von Berlin:


Markus Toth

Manuel Oberhollenzer ( Maverick87)

Wettbewerb

Meine zweite Berlinale konnte ganz gut mit meiner Premiere im vergangenen Jahr mithalten. Zwar ohne Red-Carpet-Foto und mit nur einer Galapremiere, der von „Ann Lee“ im Berlinale-Palast, aber nichtsdestotrotz ein rundum zufriedenstellendes Festival. Der Wettbewerb im heurigen Jahr hatte viele gute Filme zu bieten: zu meinen persönlichen Highlights zählen das Demenz-Drama „Queen at Sea“, bei dessen Pressekonferenz ich Fragen an Regisseur Lance Hammer und die beiden Schauspielveteranen Anna Calder-Marshall und Sir Tom Courtenay stellen durfte, sowie die beiden österreichischen Wettbewerbsfilme „Rose“ und „The Loneliest Man in Town“. Ich habe alle 22 Werke im Wettbewerb gesehen und bis auf den einen oder anderen Ausreißer nach unten war die filmische Qualität dieser 76. Berlinale doch sehr hoch. Der Sieg von İlker Çatak für „Gelbe Briefe“ geht jedenfalls in Ordnung. Ebenfalls lobend möchte ich noch die Filme „Moscas“ aus Mexiko, „We Are All Strangers“ aus Singapur und die britisch-irische Produktion „Everybody Digs Bill Evans“ erwähnen.

Abseits vom Wettbewerb bleiben mir auch einige Specials in Erinnerung. So stellte ich Ethan Hawke bei der Pressekonferenz zu seinem neuen gelungenen Abenteuer-Drama „The Weight - Goldrausch“ eine Frage, und nach der Pressekonferenz zu „The Testament of Ann Lee“ durfte ich sogar ein Foto mit Amanda Seyfried machen. Auch die Vernetzung mit den Journalisten-Kollegen vor Ort – einige kannte ich schon, ein paar neue Bekanntschaften kamen dazu – war für mich sehr wichtig. Dass die Berlinale 2026 schon vom ersten Tag an durch hitzige Debatten um den Stellenwert der Kunst in der Politik überschattet wurde, was in nahezu jeder Pressekonferenz aufs Neue aufgegriffen wurde, legt einen Schatten über die heurige Ausgabe. Das ist sehr schade, lenkt das doch von der großen Filmkunst ab, die die sympathische Direktorin Tricia Tuttle mit ihrem Team selektiert hat. Hoffentlich ziehen die Verantwortlichen hinter den Kulissen die richtigen Schlüsse. Tuttle und Co. verdienen es, ihre Verträge zu erfüllen. Es war mir jedenfalls wieder eine große Ehre, für „Uncut“ von der Berlinale berichten zu dürfen. Vielen Dank!

Meine Top 3 der Berlinale 2026
1.) Queen at Sea
2.) Moscas
3.) Rose


Christian Pogatetz

Christian Pogatetz (chrosTV)

Special & Perspectives

Die heurige Ausgabe war für mich etwas turbulenter als üblich und leider nicht nur im positiven Sinne. An den ersten Berlinale-Tagen plagte mich ein einseitiger Kopfschmerz, der mitunter so intensiv wurde, dass ein spontaner Krankenhausbesuch mir kurzerhand den Kinogenuss vermieste. Zum Glück wurde es allmählich besser, die Gedanken wieder klarer und ich konnte mich auf das Wesentliche fokussieren: die Filme, den Trubel vor den Roten Teppichen und die mal mehr, mal weniger ausgeklügelten Fragen in den Pressekonferenzen. Ein persönlicher Höhepunkt war für mich die Pressekonferenz zu „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“, dem neuen Film von „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski. Da der Film sich als radikaler Kommentar auf aktuelle KI-Tools verstehen lässt, fragte ich den Regisseur und seine gut gelaunte Besetzung (darunter: Sam Rockwell, Zazie Beetz, Michael Pena), wie sie die Gefahrenzone „Künstliche Intelligenz“ selbst einstufen. Die Antworten waren erstaunlich ausführlich und profund. Auch filmisch gab es, wenngleich es nicht der stärkste Jahrgang gewesen sein dürfte, mancherlei zu entdecken. Meine Highlights: Adrian Goigingers feinfühliger „Vier minus drei“, die radikal ehrliche Pop-Satire „The Moment“ mit Charli xcx als Karikatur ihrer selbst (durfte die Musikerin in der Pressekonferenz auch aus nächster Nähe erleben) und „The Only Living Pickpocket in New York“ mit dem großartigen John Turturro als wehmütiger Taschendieb im Wandel der Zeit.

Meine Top 3 der Berlinale 2026
1.) Vier minus drei
2.) The Moment
3.) The Only Living Pickpocket in New York


Janis Asprion

Janis Asprion (janis)

Panorama

Berlin ist schon eine überwältigende Stadt – und auch die Berlinale kann oftmals beinahe erschlagend wirken, mit dem Ausmaß an Filmen, Stars, Kinos, Pressekonferenzen und (politischen) Diskussionen, aus denen sich das Festival zusammensetzt. Besonders als erste Festivalerfahrung ist es durchaus ein Sprung ins kalte Wasser. Doch lässt mensch die Vielfalt des (Film-)Angebots, die Berlin und die Berlinale zu bieten haben, auf sich zukommen und freut sich einfach über die ganzen Erfahrungen, die es mitzunehmen gibt, wird das Festival zu einem fantastischen Erlebnis, um die Semesterferien zu überbrücken. Die derzeitigen gesellschaftlichen Anspannungen haben zwar auch vor der Jury dieses Jahr nicht haltgemacht – ein Diskurs, den ich nur am Rande verfolgt habe. Doch Kunst ist und bleibt politisch. Dafür explodierten die Filme, die ich (in fast immer randvollen Kinosälen) erleben durfte, geradezu vor Verlangen, ihre Perspektiven auf die Welt, bestimmte Lebensrealitäten und brisante Themen teilen zu dürfen.

Da ich mich primär aufs Panorama und Perspectives konzentriert habe, stach für mich besonders die Vielfalt der Filme heraus. Mit „Staatsschutz“ verbindet Faraz Shariat Popkultur und aktivistisches Filmemachen, „Enjoy Your Stay“ und „Ich verstehe Ihren Unmut“ nahmen mich mit in die alltäglichen Kämpfe weiblicher Putzkräfte, „Bucks Harbor“ verhandelt Männlichkeit mit kompromissloser Empathie und „Truly Naked“ sucht Intimität in der Welt des Pornos. Bei der Anzahl an Filmen verschwimmen die einzelnen Werke zwar ein wenig – und ich brauche jetzt mindestens zwei Monate Pause von Filmen, die mit wackeliger Handkamera und geringer Tiefenschärfe Stress und Chaos vermitteln wollen. Doch es bleibt ein kraftvolles Mosaik an spannenden Perspektiven. Als besonderes Highlight sticht aber mein erstes Interview heraus. Mit Muriel d'Ansembourg durfte ich ein (zeitlich etwas ausuferndes, weil sehr angenehmes) Gespräch über ihren Film „Truly Naked“ und einige andere Themen führen.

Meine Top 3 der Berlinale 2026
1.) Bucks Harbor
2.) Truly Naked
3.) Staatsschutz


Harald Zettler

Harald Zettler (UNCUT)

Foto & Video

Es war meine zwanzigste Berlinale, aber es war das erste Mal, dass wir Graz Richtung Süden verließen, um nach Berlin zu reisen. Die schnellste Zugverbindung von Graz nach Berlin verläuft jetzt nämlich über die Koralmbahn, Kärnten und München. Heuer war übrigens das gesamte vierköpfige Uncut-Team und auch unser Gast Leander Caine mit dem gleichen Zug unterwegs. In Berlin angekommen gibt es in den letzten Jahren den „Nervenkitzel“ mit der Akkreditierung. Einerseits ob sich die Abholung durch etwaige Zugverspätungen (die heuer ausblieben) schon am Anreisetag ausgeht, aber auch, ob es Probleme mit meinem Foto gibt, das ich schon seit der ersten Berlinale verwende. Heuer kein Problem. Zu den negativen Erfahrungen zählt in diesem Jahr leider, dass der Online-Kartenverkauf immer schwieriger wird. Und so konnte ich für Leander Caine nur zwei Berlinale-Vorstellungen buchen. Ich selbst habe – im Gegensatz zu den drei Autoren – keinen Zugang zu den Filmvorführungen und konnte nur ein Ticket ergattern. Nämlich zu „Truly Naked“. Glücklicherweise ein sehr guter Film, mit dessen Regisseurin Muriel d'Ansembourg wir dann auch ein kurzfristig organisiertes Interview führen durften. Aus dem geplanten Zehn-Minuten-Interview wurde dann ein Treffen von fast einer Stunde. Einen Dank gibt es auch heuer wieder an „Einstein“ und den erstklassigen Kaffee, den sie im Berlinale-Pressezentrum zur Verfügung stellten. Danke auch an Manuel, Christian und Janis, die Stunden über Stunden in den Berliner Kinosälen verbracht haben.