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Berlinale 2026 - Tag 4 - Rose, Ruth und Judas Priest

Berlinale 2026 - Tag 4 - Rose, Ruth und Judas Priest

Während Markus Schleinzer im Wettbewerb seinen Film „Rose“ mit Sandra Hüller vorstellt, laufen zwei besondere Dokumentarfilme als Special.
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von (Uncut Berlinale Team 2026)
Im Wettbewerb stand zuerst die Uraufführung von Emin Alpers „Salvation“ (Kurtuluş) an. In dem von wahren Begebenheiten inspirierten Politthriller geht es um einen Disput zweier verfeindeter Klans im türkischen Pingan. Die Hazerans sind sich uneinig, wie sie auf die neuen territorialen Ansprüche der Bezaris reagieren sollen und wägen eine diplomatische Lösung mit einem radikalen Vernichtungsschlag ab. Spannend erzählt und recht beklemmend.

Salvation Bild aus dem Film „Salvation“ (Filmverleih)

Am Sonntagabend hatte dann der erste der beiden österreichischen Beiträge seinen mit Spannung erwarteten Wettbewerbseinsatz. „Rose“ von Markus Schleinzer spielt kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648). Ein geheimnisvoller Soldat (Sandra Hüller) kommt in ein abgeschiedenes Dorf und tritt das Erbe eines verlassenen Guts an. Doch als Zweifel an der wahren Identität Roses aufkommen, droht er sein neugewonnenes Leben zu verlieren. In schönen Schwarz-Weiß-Bildern fotografierte Tragödie, die Erinnerungen an „Sommersby“ (1993) und „Boys Don’t Cry“ (1999) weckt. Hüller spielt einmal mehr groß auf.

Rose
Photocall und Premiere von „Rose“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Abgerundet wird das Wettbewerbs-Trio des Tages mit dem belgischen Drama „Dust“ von Regisseurin Anke Blondé. Im Jahr 1999, inmitten des großen Y2K-Countdowns, kommt ein großer Finanzbetrug zweier revolutionärer Tech-Investoren ans Licht. Sie haben nur 36 Stunden, bevor der Skandal publik wird und müssen sich nicht nur mit den Konsequenzen arrangieren, sondern sich auch ihrer Verantwortung stellen. Keine sonderlich sympathischen Figuren, denen man hier folgt, lässt einen das Schicksal dieser raffgierigen Männer weitgehend kalt. Dennoch unterhaltsam, vor allem wegen der längst ausrangierten Technik anno ´99.

Dust
Photocall zu „Dust“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Ruth Beckermann und Judas Priest

Eine weitere Premiere aus Österreich wurde nachmittags im Berlinale Special kredenzt. „Wax & Gold“ heißt der neue Film der renommierten österreichischen Dokumentaristin Ruth Beckermann, die sich in ihren Werken mitunter mit Rechtsruck und Integration (zB: „Waldheims Walzer“, „Favoriten“) befasst. Politisch ist auch ihre aktuelle Arbeit, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nicht immer klar erkennbar bleiben. Ausgehend vom Hilton Hotel in Addis Abeba und ihrer kindlichen Faszination mit dem einstmaligen Kaiser Haile Selassie, unternimmt sie eine anregende Zeitreise durch die Geschichte Äthiopiens.

Wax and Gold
Premiere von „Wax & Gold“ (Fotos: Uncut/Leander Caine)


Noch am Vortag sorgten Pop-Größen wie Charli xcx und Dua Lipa für Fangekreische auf den Roten Teppichen. Musikalisch ging es an diesem Sonntag spürbar härter zu. Mit „The Ballad of Judas Priest“ feierte eine dokumentarische Liebeserklärung an diese britischen Urgesteine des Heavy Metals ihre Weltpremiere. Regie führte neben dem kanadischen Rock-Dokumentarfilmer Sam Dunn (z.B.: „Iron Maiden: Flight 666“) niemand Geringeres als Tom Morello, als Gitarrist von Rage Against the Machine selbst lebende Legende der härteren Rockmusik. In der Pressekonferenz am Nachmittag war neben den beiden Regisseuren auch Rob Halford anzutreffen, der offen queere Frontmann von Judas Priest, der sich seit 1972 auf den großen Weltbühnen einen Frosch vom Hals grölt. Wir fragten Tom Morello, der hier sein Regiedebüt gibt, welche Filme ihn in seiner eigenen, oft sehr politischen Kunst inspirieren.

The Ballad of Judas Priest
Photocall zu „The Ballad of Judas Priest“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Panorama

Mit „Staatsschutz“, dem zweiten Film des Regisseurs Faraz Shariat, dessen Spielfilmdebüt „Futur Drei“ vor sechs Jahren den Teddy Award einheimsen konnte, feierte einer der spannendsten Filme des diesjährigen Panoramas im Zoo Palast Premiere. Wie sein Erstlingswerk auch scheut er mit „Staatsschutz“, in dem es um eine Staatsanwältin geht, die nach einem rassistischen Anschlag vor Gericht ziehen will, nicht davor zurück, den Finger in gesellschaftliche Wunden zu legen. Statt um Migration und das Leben als schwuler Jugendlicher geht es diesmal jedoch um den Staatsapparat und Rechtsextremismus. Kein entspanntes Sonntagabend-Kino also, aber hochaktuell.

Staatsschutz
Premiere von „Staatsschutz“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)