Festivals, Berlinale 2026
Berlinale 2026 - Tag 2 - Good Luck

Berlinale 2026 - Tag 2 - Good Luck

Die Stardichte war heute hoch an der Spree mit Neil Patrick Harris, Sam Rockwell, Michael Peña, Bill Pullman und natürlich der Ehrenbär-Preisträgerin Michelle Yeoh.
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von (Uncut Berlinale Team 2026)
Im Rahmen der Eröffnungszeremonie am Donnerstag wurde in diesem Jahr auch gleich der Ehrenbär verliehen. Eine Ehre, die in diesem Jahr einer Grande Dame des Hongkong-Kinos zuteil wurde: der malaysischen Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh, deren Arbeit seit über 30 Jahren zwischen asiatischer Kampfkunst und amerikanischen Blockbustern oszilliert. Freitag Vormittag stand die frisch gebackene Bärengewinnerin Journalistinnen und Journalisten in einer Pressekonferenz Rede und Antwort. Ein Gespräch über ihre Ursprünge, Chancenungleichheit als asiatische Darstellerin in Hollywood, oder auch ihrer preisgekrönten Zusammenarbeit mit den Daniels in „Everything Everywhere All at Once“. Zur Mittagsstunde wurde dieser dann auch in Anwesenheit der Schauspielerin im Zoopalast gezeigt. Davor präsentierte „Anora“-Regisseur Sean Baker seinen neuen Kurzfilm „Sandiwara“, in dem - wie könnte es anders sein - Michelle Yeoh die Hauptrolle spielt. Und zwar gleich mehrere.

Michelle Yeoh
Michelle Yeoh (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Der Wettbewerb

Heute wurde der Wettbewerb mit der Weltpremiere von Leyla Bouzids Familiendrama „In a Whisper“ eröffnet. Als erster von insgesamt 22 Beiträgen schildert Bouzids Film, wie die in Frankreich lebende Ingenieurin Lilia (Eya Bouteraa) zu ihrer Großfamilie nach Tunesien reist, um ihren Onkel Daly zu beerdigen. Sein Leben und die Umstände seines Todes konfrontieren sie, ihre Freundin Alice (Marion Barbeau) und ihre Mutter Wahida (Hiam Abbass) mit Lilias eigener Identität und Sexualität. Stark gespielt und behutsam inszeniert.

In a Whisper
„In a Whisper“ auf der Berlinale (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Everybody Digs Bill Evans“ von Grant Gee ist ein Biopic über den gleichnamigen erfolgreichen Jazzpianisten (Anders Danielsen Lie). Der Tod seines kongenialen Bassisten Scott wirft ihn 1961, gerade nachdem er das wichtigste Konzert seiner Karriere gespielt hat, aus der Bahn. Ausgebrannt und heroinsüchtig kommt er bei seinen Eltern (Bill Pullman, Laurie Metcalf) in Florida zur Ruhe. Mit viel melancholischer Atmosphäre erzählt und mit einem grandiosen Pullman in einer möglicherweise preisverdächtigen Nebenrolle. Nicht überragend, aber dank Lie und Pullman sehenswert.

Everybody Digs Bill Evans
Pressekonferenz zu „Everybody Digs Bill Evans“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Īlker Çatak kehrt drei Jahre nach „Das Lehrerzimmer“ auf die Berlinale zurück, um mit „Gelbe Briefe“ im Wettbewerb zu konkurrieren. Der Dramatiker und Uniprofessor Aziz (Tansu Biçer) und seine Frau, die Schauspielerin Derya (Özgü Namal), verlieren nach einem regierungskritischen Stück ihre Jobs und ziehen mit ihrer Teenager-Tochter von Ankara nach Istanbul, um dort über die Runden zu kommen und ihre Karrieren zu retten. Das stellt das Familienidyll vor eine Zerreißprobe. Politisch brisant und aktuell, gelingt Çatak eine weitere spannende Charakterstudie mit zwei beeindruckenden Lead-Performances. Ein gelungener Auftakt in den Wettbewerb.

Berlinale
Berlinale (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Special Gala mit Gore Verbinski

Im Zoo Palast ging später die Europapremiere des wohl starträchtigsten Films des Tages über die Bühne. „Good Luck, Have Fun, Don't Die“ ist der umständliche Titel des neuen Films von Blockbuster-Wunderwuzzi Gore Verbinski, der als Regisseur der „Fluch der Karibik“-Trilogie oder dem Animationshit „Rango“ gut etabliert ist. In seinem ersten Film seit zehn Jahren spielt Sam Rockwell einen irren Zeitreisenden aus der Zukunft, der Restaurantbesuchende vor den Gefahren einer KI warnt. An seiner Seite: Michael Peña, Zazie Beetz, Haley Lu Richardson und Juno Temple. Mit Ausnahme von Juno Temple war bei der Premiere die gesamte Starbesetzung samt Regisseur anzutreffen. In der Pressekonferenz am Abend fragten wir Verbinski und seine Schützlinge, ob sie aktuelle Entwicklungen im Bereich der KI fürchten. Die Kritik zum Film ist bereits online.



Vor der Pressekonferenz gab es noch den wohl wildesten Photocall seit langem. Haley Lu Richardson, Sam Rockwell und auch Gore Verbinski machten dabei die wildesten Kampfübungen und hatten sichtlich Spaß bei ihrem Auftritt vor den Fotografen.

Good Luck, Have Fun, Don't Die
Photocall zu „Good Luck, Have Fun, Don't Die“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Das Filmteam von „Good Luck, Have Fun, Don't Die“ war heute übrigens gleich zwei Mal auf dem Roten Teppich. Zuerst bei der Wettbewerbs-Premiere im Berlinale Palast und später noch bei der eigentlichen Filmpremiere im Zoo Palast:

Good Luck, Have Fun, Don't Die
Photocall zu „Good Luck, Have Fun, Don't Die“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Generation Neil Patrick Harris

Zu abendlicher Stunde wurde im HKW die beliebte Jugendfilmschiene „Generation“ feierlich eröffnet - heuer mit ungewohnt prominenter Besetzung. In „Sunny Dancer“ von George Jacques spielt Serienstar Bella Ramsey („The Last of Us“, „Game of Thrones“) die 17-jährige Ivy, die erst kürzlich den Krebs besiegt hat. Als ihre Eltern sie in ein Camp für Jugendliche schicken, die ähnliches durchgemacht haben, ist sie anfangs wenig begeistert. Sie sollte sich irren: Ivy lernt Freunde fürs Leben kennen. Bei der Premiere war neben der schauspielenden Person auch andere Prominenz anzutreffen, etwa die Musikerin Este Haim, ein Drittel der berühmten Haim-Schwestern, die dem Film seinen seelenvollen Soundtrack beisteuerte. Der starträchtigste Anblick: Serien- und Musicalstar Neil Patrick Harris, der im Film den feinfühligen Campaufseher Patrick verkörpert. In der mittäglichen Pressekonferenz sorgte ein Statement des ehemaligen „How I Met Your Mother“-Stars für mediales Aufsehen. Als der deutsche Podcaster den Schauspieler fragte, wie er zur weltpolitischen Lage stehe, meinte dieser, er würde nur apolitische Projekte wählen, um sich aus allem herauszuhalten. Angesichts aktueller Entwicklungen in seiner Heimat eine mutlose Antwort.

Berlinale
Pressekonferenz zu „Sunny Dancer“ (Fotos: Uncut/Harald Zettler)


Perspectives

Die diesjährige Perspectives-Schiene wird von „The Red Hangar“ eingeleitet, das Spielfilmdebüt des chilenischen Regisseurs Juan Pablo Sallato. Ausgelöst durch den Militärputsch 1973 in Chile muss sich der Leiter einer Luftwaffenakademie zwischen Pflicht und Moral entscheiden - inspiriert von wahren Ereignissen inszeniert Sallato einen Film über die Bedeutung von Menschlichkeit in Ausnahmesituationen. Auch dazu ist die Kritik bereits online.
The Red Hangar Bild aus dem Film „The Red Hangar“ (Filmverleih)


Panorama

Auch der Dokumentar-Teil des Panoramas hatte unterdessen in Form des 65-minütigen „Enough Is Enough“ seinen Startschuss. Elisé Sawasawa leitet die Sektion mit beeindruckenden Einblicken in die furchteinflößende Situation in Goma, einer Stadt im Osten Kongos, ein.
Der Autor
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Uncut Berlinale Team 2026

Forum

  • Der Himmel über Berlin

    Berlin 2026. 76 Berlinale. Viele Male konnte ich das UNCUT-Team begleiten. Jedes Mal habe ich es genossen einige schöne Eindrücke mitzunehmen. Dieses Mal jedoch habe ich meinen geliebten Vater sehr vermisst, mit dem ich in den letzten Jahren die deutsche Hauptstadt abseits der Berlinale kennenlernen und entdecken durfte. Gestern habe ich einen Spaziergang am Alexanderplatz und beim Hackescher Markt gemacht, wo die gemeinsamen Erinnerungen noch besonders frisch wirken. Mein trauriges Herz spürte eine Umarmung und ein sanftes Lächeln des Berliner Himmels. Vielen Dank Berlin. Vielen Dank Babo (Vater).
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    15.02.2026, 11:07 Uhr