Festivals, Berlinale 2026
Berlinale 2026 - Der Wettbewerb

Berlinale 2026 - Der Wettbewerb

Nicht mehr lange, und Berlin wird wieder für eineinhalb Wochen zum Nabel der Filmwelt. Wie jedes Jahr stellt sich die spannende Frage: wer konkurriert um den Goldenen und um die Silbernen Bären?
14202689_10202226751748269_7605103679564950054_n_89ac4b59ea.jpg
von (Maverick87)
Bei der Pressekonferenz gestern gab Festivaldirektorin Tricia Tuttle (die bei ihrer Einführungsrede sogar einige Sätze Deutsch gesprochen hat), gemeinsam mit ihren Programmdirektoren Michael Stütz und Jacqueline Lyanga das komplette Line-Up für den diesjährigen Wettbewerb bekannt. Ab 12. Februar 2026 liegt es dann an Jurypräsident Wim Wenders und seinen Kolleginnen und Kollegen, die aller Voraussicht nach Anfang Februar vorgestellt werden, die ihrer Meinung nach besten Beiträge zu küren und mit dem Goldenen oder einem der Silbernen Bären zu dekorieren.

22 Filme sind in diesem Jahr im Hauptbewerb vertreten. Was aus österreichischer Sicht schon einmal sehr erfreulich ist: es sind gleich zwei hiesige Produktionen vertreten. Die eine, die österreichisch-deutsche Ko-Produktion „Rose“ des Regisseurs Markus Schleinzer, der gemeinsam mit Alexander Brom auch das Drehbuch schrieb, spielt während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648). Ein geheimnisvoller Soldat namens Rose kehrt in ein protestantisches Dorf zurück und behauptet, der rechtmäßige Erbe eines längst verlassenen Gutshofs zu sein. Rose strebt nach Anerkennung und Integration, zieht aber den Argwohn der Kommune auf sich. In der Hauptrolle ist die vielfach ausgezeichnete und bereits für einen Oscar nominierte Sandra Hüller zu sehen.
Rose Bild aus dem Film „Rose“ (Filmladen)

Der andere österreichische Wettbewerbsbeitrag stammt vom Regieduo Tizza Covi und Rainer Frimmel. In „The Loneliest Man in Town“ lebt der Bluesmusiker Al Cook in einem Heim voller Erinnerungen, während draußen die Welt ihn längst vergessen zu haben scheint. Dann soll sein Haus abgerissen werden. Vor den Trümmern seiner Existenz stehend, steigt plötzlich ein vergessen geglaubter Traum Cooks wieder auf. Al Cook, bürgerlich Alois Koch, spielt sich selbst, in Nebenrollen sind Brigitte Meduna, Alfred Blechinger und Flurina Schneider zu sehen.

The Loneliest Man in Town Bild aus dem Film „The Loneliest Man in Town“ (Stadtkino)

Große internationale Produktionen, die ihre Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale haben werden, sind unter anderem das Drama „At the Sea“ des ungarischen Filmemachers Kornél Mundruczó, in dem Hollywood-Star Amy Adams nach einem schweren Entzug ins Strandhaus ihrer Familie nach Cape Cod zurückkehrt, sich mit ihrem Trauma auseinandersetzen muss und ihrer vergangenen Karriere als Tänzerin nachtrauert.

Ebenfalls aus Hollywood wird Channing Tatum ins winterliche Berlin reisen, um „Josephine“ vorzustellen. Das Drama von Beth de Araújo handelt von dem gleichnamigen achtjährigen Mädchen, das, nachdem sie im Golden Gate Park Zeugin eines Verbrechens geworden ist, auf gewaltsame Art Selbstschutz ausübt. Ihre Eltern, gespielt von Tatum und Gemma Chan, kämpfen für Gerechtigkeit und Sicherheit.

Mit einer großen prominenten Besetzung wartet Karim Aïnouz‘ vielversprechendes Familiendrama „Rosebush Pruning“ auf. Vier reiche amerikanische Geschwister leben gemeinsam in einer abgeschiedenen spanischen Villa. Das erschütternde Geheimnis um den Tod ihrer Mutter droht die Familie zu zerstören. Mit Riley Keough, Callum Turner, Jamie Bell, Elle Fanning, Pamela Anderson und Tracy Letts.

Zwei lebende Schauspiellegenden des internationalen Kinos, Juliette Binoche und Tom Courtenay, spielen in Lance Hammers Drama „Queen at Sea“ die Hauptrollen. Binoche spielt eine Frau mittleren Alters, deren Mutter (Anna Calder-Marshall) an Demenz erkrankt ist. Tochter und Ehemann (Tom Courtenay) wissen nicht, wie sie mit dem fortlaufenden geistigen Zerfall der Mutter zurechtkommen sollen. Wieviel Fürsorge kann man ihr zumuten, ohne ihre eigene Autonomie zu beschneiden?

Und drei Jahre nachdem İlker Çatak sein brisantes Sozialdrama „Das Lehrerzimmer“ in der „Panorama“-Sektion uraufgeführt hat und damit einen Siegeszug antreten durfte, der in eine Oscar-Nominierung für den besten internationalen Film gipfelte, kehrt er mit seinem neuen Film „Gelbe Briefe“ nach Berlin zurück, um diesmal im Wettbewerb zu konkurrieren. Ein Künstlerehepaar bekommt die Willkür des autoritär regierten türkischen Staates zu spüren, als sie wegen eines angeblich regierungskritischen Theaterstücks über Nacht ihre Arbeit und Lebensgrundlage verlieren. Das Drehbuch dieser deutsch-türkisch-französischen Ko-Produktion schrieb Çatak gemeinsam mit Ayda Meryem Çatak und Enis Köstepen.

Berlinale Wettbewerb 2026

A New Dawn
F/J 2026, Regie: Yoshitoshi Shinomiya
At the Sea
USA/H 2026, Regie: Kornél Mundruczó
Dao
F/SN/GW 2026, Regie: Alain Gomis
Dust
UK/Pol/B/ Gri 2026, Regie: Anke Blondé
Etwas ganz Besonderes
Deutschland 2026, Regie: Eva Trobisch
Everybody Digs Bill Evans
USA/UK/IRL 2026, Regie: Grant Gee
Gelbe Briefe
D/F/Tür 2026, Regie: Ilker Çatak
In a Whisper
F/TN 2026, Regie: Leyla Bouzid
Josephine
USA 2026, Regie: Beth de Araújo
Salvation
Türkei 2026, Regie: Emin Alper
Meine Frau weint
D/F 2026, Regie: Angela Schanelec
Moscas
Mexiko 2026, Regie: Fernando Eimbcke
Nightborn
F/UK/Fin/ LT 2026, Regie: Hanna Bergholm
Nina Roza
I/CAN/B/ Bul 2026, Regie: Geneviève Dulude-De Celles
Queen at Sea
Großbritannien 2026, Regie: Lance Hammer
Rose
A/D 2026, Regie: Markus Schleinzer
Rosebush Pruning
USA/D/I/ UK/E 2026, Regie: Karim Ainouz
Soumsoum, the Night of the Stars
F/TD 2026, Regie: Mahamat-Saleh Haroun
The Loneliest Man in Town
Österreich 2026, Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel
Wolfram
Australien 2025, Regie: Warwick Thornton
We Are All Strangers
Singapore 2026, Regie: Anthony Chen
YO Love is a Rebellious Bird
USA 2026, Regie: Yolanda Shea


Die 76. Berlinale wird am 12. Februar mit einer „Special Gala“, der Weltpremiere der romantischen Komödie „No Good Men“ der in Hamburg lebenden afghanischen Filmemacherin Shahrbanoo Sadat, eröffnet. Bei der Eröffnungsgala wird auch der Goldene Ehrenbär fürs Lebenswerk an die malaysische Martial-Arts-Ikone Michelle Yeoh verliehen. Ihr zu Ehren wird bei der Berlinale „Everything Everywhere All at Once“ (2022) gezeigt, für den sie den Oscar gewann. Die Preisverleihung mit den Bärengewinnern findet dann am Samstag, 21. Februar, statt.
Der Autor
14202689_10202226751748269_7605103679564950054_n_89ac4b59ea.jpg
Maverick87

Forum