Retrospektive
Die Retrospektive, die wie jedes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum organisiert wird, steht dieses Jahr ganz im Zeichen von Jean Epstein (1897 – 1953). Dem einflussreichen französischen Filmemacher, Filmtheoretiker und Kulturkritiker wurde bereits 2005 eine Werkschau gewidmet. Die Cinémathèque Française hat aber inzwischen eine umfangreiche Restaurierung seiner filmischen Werke fertiggestellt, mit einigen neuen 35mm-Kopien. Außerdem wurden in den vergangenen Jahren einige verloren geglaubte Filme Epsteins gefunden und restauriert, die nun erstmals in Wien zur Aufführung kommen werden. Insgesamt 23 Filme umfasst die Retrospektive, Epsteins Stummfilme werden im Filmmuseum mit improvisierter Live-Musik begleitet. Das Bild auf dem Poster stammt übrigens aus seinem Meisterwerk „Der Untergang des Hauses Usher“ (1928).
Historische Programme
Dieses Jahr werden auf der Viennale drei Monografien und eine Kinematografie kuratiert. Bereits im Vorfeld war bekannt, dass sich eine Monografie mit der niederländischen Regisseurin Digna Sinke auseinandersetzen wird. Anlässlich ihres neuesten Films „Key to Heaven“ wird anhand ihres filmischen Gesamtwerks „das Vergangene und die Veränderung in der Zeit filmisch erfahrbar gemacht“.Aus dem Bereich des Dokumentarfilms kommt das Paar im Zentrum der zweiten Monografie: Massimo D’Anolfi und Martina Parenti. Seit 2007 treffen sie nicht nur in ihrem Heimatland Italien mit ihren filmischen Beobachtungen einen Nerv. Ihr Debütfilm „I promessi sposi“ legt ironisch die bürokratischen Hürden in Italien offen. Zuletzt reflektierten sie im vergangenen Jahr mit „Bestiari, erbari, lapidari“ in drei Akten über die Welt der Tiere, der Pflanzen und der Steine. Ihre Filmsprache wird als „Spiegel menschlicher Seinszustände, Sehnsüchte und Handlungen“ beschrieben.
Die dritte Monografie, in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria, widmet sich wiederum der österreichischen Filmschaffenden Angela Summereder, die 1981 mit gerade einmal 23 Jahren ihren ersten Spielfilm „Zechmeister“ inszeniert und damit nachhaltig das hiesige Kino prägt. Danach folgt aber eine fast 25jährige Schaffenspause, in der sie sich ihrer Familie widmet. Summererder versteht sich auf Filme über Außenseiter in der Gesellschaft, etwa Langzeitarbeitslose („Jobcenter“), Fantasten („Aus dem Nichts“) und Herman Melvilles berühmten Verweigerer Bartleby („B wie Bartleby“).
Zudem widmet sich eine Kinematografie dem filmischen Schaffen des ungarischen Regisseurs János Xantus, der sich einen Namen in der radikalen Gegenkultur des ungarischen Underground der 1980er Jahre gemacht hat. Xantus arbeitet nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspieler und kollaboriert häufig mit Frauen. Seit dem Systemwechsel in seiner Heimat wurde Xantus, wie die Milieus, die er in seinen Filmen dokumentierte, zunehmend an den Rand gedrängt, was seine Werke zu „wichtigen Zeugnissen einer vergessenen Subkultur“ macht.
Filmmatinee
Die Filmmatinee findet in diesem Jahr am Nationalfeiertag, Sonntag, 26. Oktober um 10 Uhr im Gartenbaukino statt. John Fords klassisches Westerndrama „Drei ehrliche Banditen“ (3 Bad Men) (USA 1926) wird live von der Wiener Avantgarde-Band „Blueblut“ begleitet – original mit Theremin, Gitarre, Schlagzeug und Elektronik. Eine Kooperation zwischen der Viennale und „Wien Modern“.
Bild aus dem Film „Drei ehrliche Banditen“ (20th Century Fox)Features
Und natürlich gab Eva Sangiorgi auch einen ersten kleinen Ausblick auf das allgemeine Filmprogramm, auf das sich die zigtausenden Filmfans, die auch heuer wieder in Wien erwartet werden, freuen dürfen. Die erste Auflistung verspricht jedenfalls ein hochkarätiges Line-Up an Festivalgewinnern und potenziellen Publikumslieblingen. Filme aus den Wettbewerben von Berlin, Cannes und dem bevorstehenden Festival in Venedig machen den Hauptteil dieser ersten Auswahl aus. Der designierte neue Festivalpräsident Christian Petzold ist etwa mit seinem neuen Spielfilm „Miroirs No. 3“ (in der „Un Certain Regard“-Sektion in Cannes uraufgeführt) vertreten.
Bild aus dem Film „Miroirs No. 3“ (Stadtkino, Piffl Medien)Auf die Frage nach internationalen Stargästen gab sich Sangiorgi bedeckt und meinte nur, dass sie einige internationale Filmschaffende um eine Teilnahme an der Viennale angefragt habe. Das komplette Programm wird am 7. Oktober vorgestellt, der Vorverkauf beginnt am Samstag, den 11. Oktober. Alle Informationen bezüglich der diesjährigen Viennale gibt es auf der offiziellen Webseite www.viennale.at
Erste Highlights (Auswahl):
Blue MoonUSA/IRL 2025, Regie: Richard LinklaterEin einfacher Unfall
F/LUX/IR 2025, Regie: Jafar PanahiDie My Love
USA/UK 2024, Regie: Lynne RamsayIn die Sonne schauen
Deutschland 2025, Regie: Mascha SchilinskiMother’s Baby
A/D/CH 2025, Regie: Johanna ModerNouvelle Vague
Frankreich 2025, Regie: Richard LinklaterSentimental Value
D/F/S/ DK/Nor 2025, Regie: Joachim TrierThe Chronology of Water
USA/F/LV 2025, Regie: Kristen Stewart
Und zu drei Viennale-Filmen gibt es schon jetzt Kritiken von der Berlinale nachzulesen.


