Berlinale 2022
Berlinale 2022 - Der Wettbewerb

Berlinale 2022 - Der Wettbewerb

Von Claire Denis über François Ozon hin zu Ulrich Seidl, wir werfen einen Blick auf die vielversprechende Wettbewerbsschiene der diesjährigen Berlinale.
Zwischen Februar und März 2020 fand die Berlinale noch in gewohnter Form und ohne Einschränkungen vor Ort statt. Corona war lediglich ein Randthema und wurde zu dieser Zeit von den wenigsten ernst genommen. Lang lang ist’s her, und die Welt hat sich seither drastisch verändert. Letztes Jahr wurde das Festival im Februar dann situationsbedingt als Online-Edition veranstaltet und im Sommer gab es dann noch als Freiluftkino ein mehrtägiges Publikumsfest. Der klassische Festivalflair konnte so dennoch nicht eingefangen werden. Umso freudiger war für viele die Nachricht, dass das Festival nun endlich wieder als „in-person“-Event stattfinden würde. Zugegeben, die im Moment enorm hohen Infektionszahlen sollten uns zu denken geben, doch das strenge Sicherheitskonzept gepaart mit einer 2G+-Regelung für die Presse (selbst Dreifach-Geimpfte müssen jeden Tag einen gültigen Test nachweisen) lässt darauf hoffen, dass alles trotzdem glatt über die Bühne gehen wird.

Im Wettbewerb konkurrieren dieses Jahr 18 Filme aus 15 verschiedenen Nationen um die Ehre des Goldenen Bären. Welche Filme am Ende die begehrten Statuen mit nach Hause nehmen dürfen, entscheidet eine siebenköpfige Internationale Jury. Angeführt wird diese diesmal von keinem Geringeren als Regisseur M. Night Shyamalan, der mit seinen Filmen des Öfteren polarisieren mag, doch für seine mystischen Genrefilme, die zumeist mit Twists garniert werden, über die Jahre auch einige Fans gewinnen konnte. Die restliche Jury wird durch den japanischen Filmemacher Ryūsuke Hamaguchi, den französisch-tunesischen Produzenten Saïd Ben Saïd, den brasilianischen Regisseur Karim Aïnouz, der dänischen Schauspielerin Connie Nielsen, der simbabwischen Filmemacherin Tsitsi Dangarembga und der deutschen Regisseurin Anne Zohra Berrached ergänzt.

Eröffnet wird das Festival am Donnerstag mit „Peter von Kant“, dem neuesten Werk des französischen Autorenfilmers François Ozon. Der Film basiert auf dem Stück „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“, das 1972 bereits von Rainer Werner Fassbinder verfilmt wurde. Denis Ménochet („Inglourious Basterds“) schlüpft darin in die Rolle des titelgebenden fiktiven Filmregisseurs (im Original eine Frau), der mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat.

Aus dem französischen Sprachraum wird auch das Drama „Mit Liebe und Entschlossenheit“ heiß erwartet. Im neuesten Film der gefeierten Regisseurin Claire Denis ist Juliette Binoche in einem Liebesdreieck zwischen Vincent Lindon und Grégoire Colin gefangen.

Die USA sind diesmal lediglich mit dem biographischen Drama „Call Jane“ von Drehbuchautorin Phyllis Nagy („Carol“) vertreten. Elizabeth Banks schließt sich darin als einfache Hausfrau der 60er-Jahre einem feministischen Kollektiv an.

Deutschland schickt in diesem Jahr zwei Filme ins Rennen um die Bären. In Nicolette Krebitzs neuestem Film „A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe“ verliebt sich Sophie Rois in einen jungen Handtaschendieb. B-Movie-Legende Udo Kier gibt den kauzigen Vermieter Michel. Das Drama „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ erzählt unter Regie von Andreas Dresen hingegen von einer deutsch-türkischen Hausfrau, deren Sohn unrechtmäßig im berüchtigten Gefangenenlager Guantanamo inhaftiert wurde.

Auch Österreich hat es mit einem Beitrag in die Wettbewerbsschiene geschafft. Nach ein paar Ausflügen ins dokumentarische Fach hat Skandalregisseur Ulrich Seidl seinen ersten fiktiven Spielfilm seit der gelobten „Paradies“-Trilogie gedreht. In „Rimini“ kehrt ein abgehalfterter Ex-Schlagerstar nach einer familiären Tragödie in seine Heimat Niederösterreich zurück.

A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe
D/F 2022, Regie: Nicolette Krebitz
Alcarràs
I/E 2022, Regie: Carla Simón
Mit Liebe und Entschlossenheit
Frankreich 2021, Regie: Claire Denis
Call Jane
USA 2022, Regie: Phyllis Nagy
Drei Winter
D/CH 2022, Regie: Michael Koch
Everything Will Be OK
Kambodscha 2022, Regie: Rithy Panh
Leonora addio
Italien 2022, Regie: Paolo Taviani
Die Linie
CH/F/B 2022, Regie: Ursula Meier
Nana - Before, Now & Then
Indonesien 2022, Regie: Kamila Andini
Passagiere der Nacht
Frankreich 2022, Regie: Mikhaël Hers
Peter von Kant
Frankreich 2022, Regie: François Ozon
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush
D/F 2022, Regie: Andreas Dresen
Rimini
Österreich 2022, Regie: Ulrich Seidl
Robe of Gems
Mexiko 2022, Regie: Natalia López
Die Schriftstellerin, ihr Film und ein glücklicher Zufall
Korea 2022, Regie: Hong Sang-soo
Frieden, Liebe und Death Metal
F/E 2022, Regie: Isaki Lacuesta
Un été comme ça - That Kind of Summer
Kanada 2022, Regie: Denis Côté
Yin ru chen yan - Return to Dust
China 2022, Regie: Ruijun Li


Man darf sich also auf einen buntgemischten Wettbewerb mit einigen vielversprechenden Spiel- und Dokumentarfilmen aus aller Welt freuen!
Der Autor
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