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Heidi@Home: Die Ibiza Affäre

Heidi@Home: Die Ibiza Affäre

Sky widmet sich dem vorletzten Skandal der österreichischen Innenpolitik
Pünktlich zum aktuellen österreichischen innenpolitischen Skandal Nummer 1 erschien Ende Oktober auf Sky die fiktionalisierte Fassung des bis dahin letzten großen innenpolitischen Skandals, auch erst gut zweieinhalb Jahre her, ja die Österreicher legen da ein erstaunliches Tempo vor.

Was im ersten Augenblick für ein ideales Timing gehalten werden könnte, entpuppt sich dann aber doch bald als Hemmschuh. Denn im Zuge der Enthüllungen über Kurz und Co und dem anschließenden Rücktritt des Bundeskanzlers, nehmen sich die Begebenheiten rund um H.C Strache auf der mondänen spanischen Insel doch eher wie ein unbedeutendes Vorgeplänkel ohne größere Relevanz aus, das ist das erste Handicap.

Das zweite Handicap, unter dem „Die Ibiza Affäre“ leidet, ist tatsächlich die mediale Überfütterung an Informationen von dem, was 2017 auf den Balearen passiert ist. Wir Zuseher*innen wissen gefühlt alles darüber. Wir haben stundenlang Sondernachrichtensendungen dazu gesehen, Hintergrund-Dokus, Analysen, Diskussionsrunden, wir haben gelesen, was die Qualitätszeitungen berichteten und was die Boulevardpresse – Stichwort schmutzige Fußnägel; manche haben sogar das Buch gekauft, auf dem diese Mini-Serie basiert, „Die Ibiza Affäre: Innenansichten eines Skandals“. Wir sind überinformiert, um nicht zu sagen übersättigt von diesem Thema. Was soll uns eine vierteilige Serie da noch Neues erzählen können?

Nun ja, positiv zu vermelden ist, dass die deutsch-österreichische Produktion qualitativ durchaus mit verwandten Formaten mithalten kann. Wenn man als gelernte Medienkonsumentin Nicolas Ofczarek sieht, wie er offenbar gut zwanzig Kilo zugenommen hat und recht abgehalftert daher schlurft, kriegt man es sofort mit der Angst zu tun, dass seine Figur des Privatdetektivs Julian H. wohl wieder als der klassische Wiener Verlierertyp mit Häusl-Schmäh herhalten muss. Da ist man schon einmal beruhigt, dass Julian H. zwar ein Grenzgänger ist, den eine ordentliche Portion Lokalkolorit umweht, der aber durchaus ein Protagonist aus Fleisch und Blut ist, und kein klischiertes Abziehbild.

Die Ibiza Affäre
Fotos: Sky


Auch die anderen Darsteller spielen auf hohem Niveau. Mein besonderer Liebling ist dabei Julian Looman als Johann Gudenus, der den aufstrebenden FPÖ-Politiker wie einen auf den ersten Blick gar nicht mal unsympathischen Taugenichts Eichendorff’schen Ausmaßes anlegt; charmant, leidlich gebildet, ambitioniert, aber etwas zu großspurig und gleichzeitig zu naiv, um wirklich den ganz großen Coup zu landen, den er im Auge hat.

„Die Ibiza Affäre“ erscheint als eine Mischung vom US-Film „The Big Short“ - der uns 2015 alles über die Finanzkrise im allgemeinen und die amerikanische Börse und ihre Proponenten im Besonderen erklärt hat und das auf salopp-lakonische Art und Weise - und der „Sendung ohne Namen“. Kinder packen etwa unter dem Weihnachtsbaum ihre Geschenke aus und dabei geht es tatsächlich um die Ressortverteilung der türkisch-blauen Regierung, der Wiener Kasperl erklärt in seinem Puppentheater das Prinzip von Parteispenden und ähnliche Schlenkerer, weg von einer linearen, sachlichen Erzählhaltung.

Ein bisschen fehlt es mir da, obwohl „Die Ibiza Affäre“ eine ganz gute Fingerübung ohne handwerkliche Mängel geworden ist, die künstlerische Eigenständigkeit von Regisseur Christopher Schier, dem ich als nächstes einen Stoff wünsche, bei dem er sich nicht nur formal austoben, sondern auch psychologisch mehr in die Tiefe gehen kann. Vielleicht erkennt man dann auch mehr seinen ganz persönlichen Stil und er verrät uns, was er selbst zu sagen hat.