Eldritch Advice
Eldritch Advice: Halloween Special 2021

Eldritch Advice: Halloween Special 2021

Doctor Strange - Der Meister der mystischen Mächte im Film
Logischerweise ist Marvel unweigerlich mit dem Superhelden Genre verbunden. Dabei wird allerdings oft vergessen, dass Horror ebenfalls ein wichtiges Fundament im „Haus der Ideen“ ist. Titel wie „Chamber of Chills“, „Journey into Mystery“, „Supernatural Thrillers“ oder „Tower of Shadows“ bieten nicht bloß neue Gruselgeschichten, sondern ebenfalls Adaptionen bekannter Horrorautoren wie H.P. Lovecraft, Robert E. Howard oder Ron Goulart, während Figuren wie „Dracula“, „Blade“, „Werewolf by Night“, „Man-Thing“, „Satana“, „Ghost Rider“ oder „Doctor Strange“ die Welt des Okkulten und Übernatürlichen im regulären Marvel-Universum vertreten. Manchen davon, ist bereits der Sprung auf die Große Leinwand gelungen. Insbesondere „Doctor Strange“ hat sich seit seinem „Marvel Cinematic Universe“ (MCU) Debüt im Jahre 2016 als elementarer Bestandteil dieses Franchises etabliert, und wird auch in zukünftigen Filmen wie „Spider-Man: No Way Home“ (2021) oder „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ (2022) eine tragende Figur sein. Dies ist wahrlich kein Mysterium. Ein von Marvel (zu Unrecht?) besser gehütetes Geheimnis ist, dass der „Sorcerer Supreme“ bereits zuvor einen inoffiziellen und zwei offizielle Filmauftritte hatte.

Der 1963 (Strange Tales #110) von Stan Lee und Steve Ditko erschaffene „Doctor Strange“, debütierte 1978 in einem TV-Film auf „CBS“. Bis zur nächsten Adaptation zogen gut 30 Jahre ins Land, ehe der Animationsfilm „Doctor Strange: The Sorcerer Supreme“ 2007 Direct-to-Video für das Heimkino erschien. Darüber hinaus, existiert mit „Doctor Mordrid: Master of the Unknown“ ein Werk aus den 90er Jahren, das durchaus als ein „Doctor Strange“ Film zu werten ist. Im Rahmen des diesjährigen „Eldritch Advice: Halloween Specials“, widme ich mich den vier erschienen Filmen, in denen der „Master of the Mystic Arts“ der Protagonist ist.

Foto: Filmverleih

Dr. Strange

(1978) 80 %
Nach dem Erfolg der TV-Serie „Der unglaubliche Hulk“ auf NBC, schickte CBS mit „Dr. Strange“ einen anderen populären Charakter aus den Marvel Comics in das Rennen. Allerdings fand dieses Projekt nach der enttäuschenden Einschaltquote des Pilotfilms leider ein rasches Ende. Leider, weil es sich hierbei um eine zu Unrecht vergessene Filmperle handelt. Denn auch wenn „Dr. Strange“ extrem von der Entstehungsgeschichte der Comichefte abweicht, gelang es dem Team rund um Regisseur Philip DeGuere jr., die psychedelische Zeichnungen von Ditko in Perfektion umzusetzen. Daher bietet dieses Werk eine, für eine TV-Produktion, äußerst mystische Atmosphäre. Darüber hinaus begeistert „Dr. Strange“ mit der Besetzung seiner Schlüsselrollen. Peter Hooten liefert als die titelgebende Figur eine souveräne Darbietung ab. Den schauspielerischen Höhepunkt bieten allerdings John Mills, als der für diesen Film erfundene Sorcerer Supreme Thomas Lindmer, sowie Jessica Walter, als die Antagonistin Morgan le Fay. Die Leistung der im März 2021 traurigerweise verstorbenen Walter, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ihre Interpretation von Morgan le Fay, ist nach wie vor eine der besten Darstellungen einer Marvel Schurkin in der Filmgeschichte. Der grandiose Synth Score von Paul Chihara setzt ihren Auftritt darüber hinaus eindrucksvoll in Szene. Bitter ist es allerdings, dass die Qualität der Kinematografie lediglich auf TV-Niveau anzusiedeln ist, was bei einem Pilotfilm allerdings zu erwarten ist. Der gemächliche Aufbau der Handlung ist sicherlich ein Punkt an dem sich die Geister scheiden. Ich sehe diesen Faktor als eine weitere Stärke von „Dr. Strange“, da hier eine Welt geschaffen wurde, in der ich mich nur allzu gerne länger aufgehalten hätte. Deswegen beneide ich jene Teile des Multiversums, in denen dieser Film als Serie fortgesetzt wurde.


Foto: Filmverleih

Doctor Mordrid - Master of the Unknown

(1992) 70 %
Gerüchten zur Folge war die berühmt-berüchtigte B-Movie-Schmiede „Full Moon Entertainment“ einst im Besitz der Filmrechte von „Doctor Strange“. Angeblich ließ man diese verstreichen und produzierte deswegen 1992 mit „Doctor Mordrid“ eine leicht abgeänderte Variante des Marvel-Charakters. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass diese Geschichte ins Reich der Fabel gehört. Dafür spricht, dass die Produktionsfirma gegen Ende der 80er-Jahre mit der Comiclegende Jack Kirby an einigen von Marvel inspirierten Figuren arbeitete. Darunter befanden sich Konzeptzeichnungen eines Charakters namens „Doctor Mortalis“, der offensichtlich an „Doctor Strange“ angelehnt war. Es ist also davon auszugehen, dass es sich hierbei um den Ursprung von „Doctor Mordrid“ handelt. Der Film selbst macht keinen Hehl daraus, ein „Doctor Strange“-Klon zu sein, ignoriert man die deutsche VHS-Veröffentlichung, die „Doctor Mordrid“, in der von „Jurassic Park“ gestarteten Dino-Welle von 1993, als „Rexosaurus“ auf den Markt brachte. Der Grund dafür war, dass in der finalen Auseinandersetzung zwischen dem von der Horrorlegende Jeffrey Combs gemimten „Doctor Mordrid“ und seinem Widersacher „Kabal“, porträtiert von einem Brian Thompson in Höchstform, ein Stop-Motion animiertes Tyrannosaurus Rex Skelett zum Einsatz kam. Die gelungenen Spezialeffekte und weise Wahl bei der Besetzung sind sogleich auch die größten Stärken des Films. Das Vater-Sohn-Duo Albert und Charles Band holte aus dem Budget von rund 2 Millionen Dollar zwar nicht das Maximum heraus, schuf allerdings einen mehr als soliden Fantasy-Horror Beitrag. Die Laufzeit von rund 75 Minuten ist dabei sowohl eine Stärke als auch eine Schwäche des Films. Einerseits ist „Doctor Mordrid“ dadurch eine äußerst kurzweilige Angelegenheit, andererseits kommen viele Elemente, von denen ich gerne mehr gesehen hätte, wesentlich zu kurz. Dies ist wohl auch der Grund, warum dieses Werk nicht vom Erfolg gekrönt war, und die bereits geplanten Fortsetzungen nie realisiert wurden. Schade, denn das Potenzial für ein Franchise war hier eindeutig gegeben.


Foto: Marvel

Doctor Strange: The Sorcerer Supreme

(2007) 50 %
Rund zwei Jahre bevor Disney Marvel aufkaufte, erschien der Animationsfilm „Doctor Strange: The Sorcerer Supreme“. Lionsgate brachte in diesem Zeitraum einige animierte Marvel-Beiträge heraus, konnte im Gegensatz zu Disneys „MCU“ jedoch kein „Shared-Universe“ etablieren. Was nicht verwunderlich ist, denn die Qualität der Animationstechnik war bereits zum Zeitpunkt des Erscheinens veraltet. Ein Aspekt, der bei einer heutigen Sichtung noch schwerer wiegt. Dazu kommt, dass die Nullerjahre im Allgemeinen keine künstlerische Sternstunde waren. Für Schöngeister stellt dieser Film gar eine visuelle Tortur dar. Deswegen fiel es mir schwer, der Handlung eine faire Chance zu geben. Subjektiv gesprochen ist diese, trotz ihrer Eindimensionalität, durchaus unterhaltsam. Für meinen Geschmack orientierte man sich zwar zu sehr an den modernen Comicheften, traf bei den Charakteristiken der dargestellten Figuren indes ins Schwarze. Positiv zu erwähnen ist ebenfalls, dass die okkulten Wurzeln und Horroraspekte des Quellenmaterials thematisiert werden. Dies ist gleichwohl ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man bedenkt, dass „Doctor Strange: The Sorcerer Supreme“ ein Affront wider der Ästhetik ist.


Foto: The Walt Disney Company

Doctor Strange

(2016) 60 %
Den Erfolg den Disney mit dem „MCU“ an den Kinokassen dieser Welt feiert, kann niemand verneinen. Allerdings stimme ich Martin Scorsese teilweise zu, der 2019 Disneys Superheldenproduktionen mit Vergnügungsparks verglich, und ihnen den Filmstatus aberkannte. Ich gehe zwar nicht so weit den „MCU“-Filmen jedweden künstlerischen Gesichtspunkt abzusprechen, bin aber ein großer Kritiker der sinnwidrigen und schablonenhaften Umsetzung dieser, sowie des stupiden, selbstironischen Humors, der jede Spur von Superheldenpathos sofort im Keim erstickt. Dazu kommt erschwerend, dass Disney sich im Westen heiliger als der Papst gibt, bei der Produktion seiner Filme aber Rücksicht auf die Zensur des kommunistischen Regimes in China nimmt. Deswegen verlegte man in der „Doctor Strange“-Verfilmung von 2016 den fiktiven Handlungsort „Kamar-Taj“ von Tibet nach Nepal. Ebenfalls veränderte man die Herkunft des „Ancient One“. So wurde aus dem tibetischen „Sorcerer Supreme“, eine keltische Variante. Dies war jedoch noch nicht das Ende von Disneys Canossagang. Die Zensoren der Kommunistischen Partei Chinas sind nicht nur keine großen Freunde eines freien Tibets, sondern ebenfalls keine Liebhaber von mystischen Mächten. Jene mystischen Mächte, die eigentlich ein wichtiger Bestandteil der Welt von „Doctor Strange“ sind. Dadurch wirkt die Darstellung von Magie in diesem Film eher wie eine, offensichtlich von „Inception“ (2010) inspirierte, technische Prozedur und weniger als eine arkane Kunst. Wirkliche Verweise auf Okkultismus, Dämonologie, Schwarzmagie, et cetera, sucht man in dieser Adaption somit vergebens. Trotzdem gelang es Regisseur Scott Derrickson unter diesen Voraussetzungen einen achtbaren und unterhaltsamen Film zu schaffen, der, im Gegensatz zu einem Großteil der „MCU“-Beiträge, über ein gut durchdachtes Finale verfügt. Großartige Schauspieler wie Mads Mikkelsen und Tilda Swinton wirken in ihren Rollen etwas vergeudet. Dafür fand man mit Benedict Cumberbatch einen idealen „Doctor Strange“. Die beste Leistung ist aber jene von Chiwetel Ejiofor als Karl Amadeus Mordo, dem es gelang dieser Rolle die nötige Tiefe zu verleihen. Dennoch ist diese Verfilmung leider nur ein blasses Abbild seines Quellenmaterials, und hinterlässt ferner einen unangenehmen Beigeschmack.