Neu im Kino
Neu im Kino (Woche 40/2020)

Neu im Kino (Woche 40/2020)

Ob nun neue Filme von Aaron Sorkin und Sofia Coppola oder gar eine Biografie über Regie-Legende Rainer Werner Fassbinder: heimischen Cineasten wird in der aktuellen Kinowoche ein nahrhaftes Buffet mit filmischen Köstlichkeiten aus aller Welt aufgetischt.
Foto: Netflix

The Trial Of The Chicago 7

In seiner zweiten Regiearbeit nimmt der renommierte Hollywood-Drehbuchautor Aaron Sorkin (u.a: „The Social Network“, „Moneyball“, „Eine Frage der Ehre“) Zuschauer*innen mit auf eine Zeitreise ins Chicago im Jahre 1969. Nachdem es in der US-Metropole ein Jahr zuvor im Rahmen des Parteitags der Demokraten zu zahlreichen Protesten gegen den Vietnamkrieg gekommen war, werden einige der vermeintlichen Drahtzieher der Demos vor Gericht gebracht. Den sieben Angeklagten – darunter unter anderem die politischen Aktivisten Abbie Hoffman („Borat“-Star Sacha Baron Cohen), Bobby Seale (Emmy-Gewinner Yahya Abdul-Mateen II) und Tom Hayden (Oscar-Preisträger Eddie Redmayne) – wird vorgeworfen, sie hätten die Unruhen ausgelöst und diese angeblich in gefährliche Krawalle ausarten lassen. Da es bei den vorangegangenen Demonstrationen vermehrt zu Vorfällen von Polizeigewalt kam und viele Mitbürger*innen die Taten der Beschuldigten für richtig und wichtig hielten, kommt es zu erneuten Protesten, mit denen man eine Aufhebung des Gerichtsprozess erreichen möchte.

Die bereits hochkarätige Besetzung wird zusätzlich noch um Namen wie Michael Keaton („Birdman“, „Batman“), Joseph Gordon-Levitt („500 Day of Summer“, „Inception“) oder Mark Rylance („Bridge of Spies“, „Dunkirk“) ergänzt. Das auf wahren Begebenheiten beruhende Gerichtsdrama durfte bisher bei vielen Kritiker*innen Bestnoten kassieren und gilt jetzt schon als einer der ersten großen Hoffnungen für die kommende Oscar-Saison.

Das von Netflix produzierte Drama wird vorerst nur in ein paar ausgewählten österreichischen Kinos gezeigt, bevor der Film dann in zwei Wochen auf der Streaming-Plattform erscheint.

Foto: A24

On the Rocks

Im neuesten Werk von Sofia Coppola (u.a: „Lost in Translation“, „Marie Antoinette“) wird der zerrütteten Beziehung eines Vater-Tochter-Gespanns neues Leben eingehaucht. Für den Film kam es zur Wiedervereinigung zwischen der Regisseurin und Comedy-Legende Bill Murray, der für seine subtile Schauspieldarbietung in Coppolas vielgeschätztem Meisterwerk „Lost in Translation“ einst seine erste und bis dato einzige Oscar-Nominierung erhielt. Murray schlüpft in die Rolle des früheren Frauenhelden Felix. Als seine Tochter Laura (Rashida Jones) befürchtet, dass ihr Ehemann Dean (Marlon Wayans), der erfolgreich an einem Social-Media-Startup arbeitet, sie mit einer Kollegin betrügt, hilft er ihr diesen beschatten zu lassen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Unterdessen will der in die Jahre gekommene Playboy die Gelegenheit dazu nutzen, um wieder mehr Zeit mit seiner Tochter zu verbringen, zu der er ein eher unterkühltes Verhältnis pflegt.

Der neue Streifen der Marke Coppola stieß bisher auf solide Kritikerwertungen und wurde insbesondere für das natürliche Schauspiel seiner zwei Hauptdarsteller*innen gelobt.

Foto: Filmladen

Enfant Terrible

Rainer Werner Fassbinder ist ohne den geringsten Zweifel einer der einflussreichsten und wichtigsten Filmemacher aus dem deutschsprachigen Raum. Mit essentiellen Werken wie „Angst essen Seele auf“ oder „Die Ehe der Maria Braun“ verfestigte sich Fassbinder mit seiner ganz eigenen Art des Filmemachens in den Annalen der Filmgeschichte. Nun wird der Regiegröße ein eigenes filmisches Denkmal verpasst. Regisseur Oskar Roehler („Elementarteilchen“, „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“) wirft in seinem Biopic „Enfant Terrible“ einen genauen Blick auf das kreative Schaffen und komplizierte Leben des 1982 verstorbenen Filmemachers. Fassbinder wird dabei vom vielseitigen Oliver Masucci verkörpert, der mit Rollen wie in „Er ist wieder da“ oder der Netflix-Serie „Dark“ sein Talent schon eindrücklich unter Beweis stellen durfte. Es handelt sich bei diesem filmischen Porträt jedoch keineswegs um eine reine Lobhudelei Fassbinders, denn die Biografie beleuchtet auch die reichlichen privaten Schattenseiten des Regiemeisters. An der Seite von Masucci gibt es in Nebenrollen auch Leute wie Katja Riemann, Harry Prinz, Desiree Nick, Jochen Schropp oder gar Michael Ostrowski zu sehen.

Ein Muss für Fassbinder-Fans und die, die es noch werden wollen!

Weitere Neustarts

Im berührenden österreichischen Drama „Ein bisschen bleiben wir noch“ erzählt Regisseur und Drehbuchautor Arash T. Riahi von zwei tschetschenischen Flüchtlingskindern, die nach einem Selbstmordversuch ihrer Mutter an unterschiedliche Pflegefamilien vermittelt werden. Die positive UNCUT-Exklusivkritik zum Film gibt es hier nachzulesen.

In „Jim Knopf und die Wilde 13“, der Fortsetzung der 2018 erschienenen Realverfilmung des Michael Ende-Klassikers „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“, wird das friedliche Dasein in Lummerland durch die Ankunft der Wilden 13 gestört.

Im deutschen Drama „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ hat eine sechzehnjährige Realschul-Absolventin mit der plötzlichen Schockdiagnose Krebs zu kämpfen.

Die britische Tragikomödie „Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution“, die in einigen österreichischen Städten aber vorerst noch nicht in Graz gezeigt wird, widmet sich der wahren Geschichte der Miss-World-Wahl aus dem Jahre 1970, bei der Frauenrechtsaktivistinnen für eine revolutionäre Entscheidung sorgten.

Und eine Woche nach dem normalen Österreichstart ist nun das deutsch-russischen Historiendrama „Persischstunden“ auch in Graz zu sehen. Lars Eidinger will darin als Koch eines Konzentrationslagers persisch von einem Häftling lernen, der jedoch nur zum Schutz vorgibt die Sprache zu beherrschen.
Der Autor
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    05.10.2020, 21:04 Uhr