Berlinale 2020
Berlinale 2020 – Tag 10

Berlinale 2020 – Tag 10

Heute wurden in Berlin die begehrten Siegertrophäen vergeben. Der prestigeträchtige Goldene Bär ging an den iranischen Wettbewerbsbeitrag „There is no Evil“.
Das Finale der 70. Berlinale (am Publikumssonntag werden nur noch vereinzelt Highlights der letzten Tage wiederholt) stand ganz im Zeichen der Preisträger. Am Abend begann die Galaverleihung im Berlinale Palast – inklusive Roten Teppich und dazugehörigem Staraufgebot. Zunächst wurden die Gewinner der neuen Nebenschiene „Encounters“ bekanntgegeben, wo auch Österreich nicht mit komplett leeren Händen nach Hause gehen musste. Das futuristische Drama „The Trouble with Being Born“ von Regisseurin Sandra Wollner wurde nämlich im Encounters-Wettbewerb mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Geteilte Freude brauch auch aus, als später bei dann die Siegerin des Silbernen Bären für die Beste Schauspielerin im Wettbewerb bekannt wurde. Diesen bekam nämlich Paula Beer für ihre exzellente Leistung in Christian Petzolds romantischem Märchen-Drama „Undine“. Der Preis für den Besten Schauspieler ging hingegen – ebenfalls nicht unverdient – an Elio Germano für seine durchaus eindrucksvolle Darbietung im italienischen Künstler-Biopic „Volevo nascondermi - Hidden Away“.

Mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie wurde in diesem Jahr Hong Sang-soo für seine minimalistisch erzählte Charakterstudie „Domangchin yeoja - The Woman Who Ran“ ausgezeichnet. Der Filmemacher strahlt auch im echten Leben ein ähnlich angenehm ruhiges Gemüt wie seine Werke aus. In weiterer Folge ging der Silberne Bär für den Großen Preis der Jury völlig zurecht an das wundervoll empathische Abtreibungsdrama „Niemals selten manchmal immer“. Regisseurin Eliza Hittman zeigte sich in der anschließendem Pressekonferenz sichtlich berührt von der Auszeichnung. Auch die unterhaltsame französische Komödie „Effacer l'historique - Delete History“ wurde zur Verwunderung vieler mit einem Silbernen Bären gekoren. Die beiden Regisseure Benoît Delépine und Gustave Kervern präsentierten sich abermals äußerst sympathisch.

Nicht wenige Journalisten zeigten sich verwundert, als schlussendlich dem iranischen Episodendrama „There Is No Evil“ der Wettbewerbs-Hauptpreis, der angesehene Goldene Bär, verliehen wurde – unverdient ist diese Auszeichnung jedoch keineswegs. Regisseur Mohammad Rasoulof, dem die Ausreise aus dem Iran aufgrund seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Todesstrafe nicht gewährt worden war, wurde in der Siegerkonferenz von seinem Team via FaceTime live zugeschalten.

Abgesehen davon, dass ich Kelly Reichardts fantastischer Südstaaten-Studie „First Cow“ durchaus einen Preis gegönnt hätte, blieben größere Enttäuschungen zum Glück aus. Ein durchaus verdienter Haufen Gewinner, der das diesjährige Festival für mich zu einem angenehmen Abschluss gebracht hat.
Der Autor
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Forum

  • Iran - again?

    Was meint Ihr:ist der Preis für den Film aus dem Iran heuer wieder gerechtfertigt oder reiht sich eine politische Juryentscheidung an die nächste? Dann hätte sich auf der Berlinale "under new management" nicht viel geändert. Im Westen (Osten) nichts Neues?
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    01.03.2020, 11:03 Uhr
    • Ein würdiger Gewinner

      Auch wenn bei der Entscheidung bestimmt eine gewisse politische Kraft im Spiel gewesen sein dürfte, ist der Gewinn meiner Meinung nach alles andere als unverdient. Die Kritik kommt bald.
      chrostv_39178447dd.jpg
      01.03.2020, 11:32 Uhr