Neu im Kino
Neu im Kino (KW 06/2020)

Neu im Kino (KW 06/2020)

Am neuen Kinowochenende darf man sich unter anderem auf ein selbstironisches Wiedersehen mit der nun unabhängigen Ex-Freundin des Jokers oder auch auf das englischsprachige Debüt unseres Austro-Horror-Exports freuen.
Foto: Warner Bros

Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

Schon im 2016 erschienenen Ensemble-Antihelden-Streifen „Suicide Squad“ konnte Margot Robbie in der Rolle der dem Wahn verfallenen Psychiaterin Dr. Harleen Quinzel – besser bekannt als Harley Quinn – eine überaus gute Figur machen. Schade nur, dass der Film um sie herum alles andere als gelungen war und heute als einer der Katastrophen im Sub-Genre der Superhelden-Verfilmungen gilt. Nun wird Robbie in „Birds of Prey“, dem achten Beitrag im bis Dato eher durchwachsenen DCEU, die Gelegenheit geboten einmal mehr die exzentrische Comicbuch-Figur des „Batman“-Universums zu mimen – diesmal zum Glück in einem weit besseren Film.

Die Antihelden-Komödie setzt kurz nach Harleys Trennung vom berüchtigten DC-Widersacher Joker (Jared Letos Darstellung der Figur wurde damals von vielerlei Leuten verschmäht) an, die dazu führt, dass der Alltag der ehemaligen Psychiaterin nun deutlich selbstbestimmter ist als es zuvor der Fall war. Während Harley also ihre neugewonnene Unabhängigkeit genießt und ziellos durch die Straßen Gotham Citys umherstreift, soll sie plötzlich dem gefürchteten Gangster-Boss Roman Sionis alias Black Mask (Ewan McGregor) einen Gefallen tun. Sie soll Roman einen teuren Diamanten, der ihm von der Teenagerin Cassandra Cain (Ella Jay Basco) gestohlen wurde, wiederbeschaffen. Jedoch haben es auch die Assassinin Helena aka Huntress (Mary Elizabeth Winstead), die Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez) und die Nachtclubsängerin Dinah aka Black Canary (Jurnee Smollett-Bell) auf denselben Diamanten beziehungsweise Black Mask an sich abgesehen. Schon bald stellen die Frauen deshalb fest, dass es wohl die beste Lösung wäre sich zusammenzuschließen und dem schurkischen Roman das Handwerk, um Cassandra vor dessen bösen Absichten zu schützen: die Geburtsstunde der „Birds of Prey“.

Obwohl der fertige Film durchaus narrative Schwächen aufweist und etwas braucht um in Fahrt zu kommen, zählt „Birds of Prey“ trotzdem zu den bisher besten Einträgen im filmischen
Universum DCs. Mit einer angenehm selbstironischen Erzählung, einer in poppigen Farben getränkten Ästhetik, einer bestens gelaunten Besetzung und ein paar eindrucksvoll inszenierten Action-Sequenzen punktet die progressive Action-Komödie und ist allemal einen Kino-Besuch wert!

Foto: Constantin Film, Neon

The Lodge

Mit „Ich seh, Ich seh“ gelang das österreichische Regie-Duo Veronika Franz und Severin Fiala Mitte der 2010er-Jahre ein virtuos inszenierter und hochspannend erzählter Psycho-Horror-Thriller, der selbst in internationalen Genrekreisen für Furore sorgen konnte. Durch den weltweiten Erfolg ihres Debüt-Schockers wurde dem Regie-Duo die Ehre zuteil, einen englischsprachigen Horrorfilm als Folgeprojekt zu drehen. Das Endprodukt, ein vom legendären Studio Hammer Film mitproduziertes Horrordrama namens „The Lodge“, wurde bereits Anfang 2019 im Rahmen des prestigeträchtigen Sundance Filmfestivals uraufgeführt. Vergangenen Herbst feierte der Streifen dann als Eröffnungsfilm des selten blutarmen /slash Filmfestivals in Wien seine Österreichpremiere. Nun läuft das neue Werk des Sensationsduos endlich landesweit in den Kinos an.

Im Zentrum des Films steht die junge Grace (Riley Keough), die – um die zwei Kinder ihres Verlobten (Richard Armitage) besser kennenzulernen – mit diesen alleine ein paar Tage in einer abgelegenen Waldhütte verbringt. Es dauert jedoch nicht lange und schon tragen sich dort seltsame Vorkommnisse zu, die zunehmend surrealer werden.

Auch wenn „The Lodge“ nicht an die Stärken des Vorgängerfilms heranreicht, ist Veronika Franz und Severin Fiala hier abermals ein atmosphärisch dichtes Horrordrama gelungen, das eine angemessen unangenehme Kälte ausstrahlt, die Liebhaber anspruchsvollen Genrekinos in ihren Bann ziehen sollte.

Weitere Neustarts

Der Action-Thriller „21 Bridges“ mit „Black Panther“-Star Chadwick Boseman in der Hauptrolle erzählt von einem in Verruf geratenen Cop, der seine einstige Anerkennung wieder zurückerlangen möchte, in dem er einen berüchtigten New Yorker Polizistenmörder auf die Schliche geht.

Das Drama „J'accuse - Intrige“, bei dem es sich um das neueste Werk des 1977 für die Vergewaltigung einer Minderjährigen verurteilten aber berüchtigterweise in Folge dessen geflohenen Roman Polanski handelt, widmet sich dem wahren Fall des jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus. Dieser wurde Ende des 19. Jahrhunderts unrechtmäßig der Spionage bezichtigt und bekam dafür eine lebenslängliche Haftstrafe.

In der US-Komödie „Chaos auf der Feuerwache“ werden drei Feuerwehrmänner (u.a. gespielt von Ex-Wrestler John Cena und Comedian Keegan-Michael Key) unfreiwillig zu den neuen Erziehungsberechtigten dreier Geschwister, die es faustdick hinter den Ohren haben.

Die französische Tragikomödie „Die Kunst der Nächstenliebe“ handelt von einer Mutter mittleren Alters, deren Familie sich durch ihr mit reichlich Aufwand verbundenes Engagement im ehrenamtlichen Bereich vernachlässigt fühlt.

Regisseur Wolfgang Groos erzählt in seiner Komödie „Enkel für Anfänger“ von einem Ehepaar des älteren Semesters, das selbst nie wirklich den Wunsch auf Enkelkinder verspürt hatte. Dieser Umstand ändert sich jedoch als eines Tages eine neue Bekannte in ihr Leben tritt, die den beiden Paten-Enkel vermittelt und diese somit zu Leih-Großeltern werden lässt.

Wie immer wünsche ich UNCUT-Lesern ein angenehmes Wochenende, ein paar erfreuliche Kinobesuche und diesmal auch ein hoffentlich zufriedenstellendes Oscar-Ergebnis!
Der Autor
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chrosTV

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