Neu im Kino
Neu im Kino (KW 10/2019)

Neu im Kino (KW 10/2019)

Diese Woche mit einem Neuzugang im Marvel-Universum und dem furiosen Regiedebüt von Jonah Hill.
Foto: The Walt Disney Company

Captain Marvel

Von den Anfängen mit „Iron Man“ und „The Incredible Hulk“ im Jahre 2008 über ungewöhnliche Beiträge wie „Guardians of the Galaxy“ (2014), „Doctor Strange“ (2015) oder dem preisgekrönten „Black Panther“ (2018) bis hin zum gewaltigen Helden-Aufeinandertreffen in „The Avengers: Infinity War“ im letzten Jahr: das seit elf (!) Jahren aufgebaute „Marvel Cinematic Universe“ (kurz: MCU) umfasst mittlerweile satte 21 Filme, die allesamt aufeinander aufbauen, und gilt somit als das bisher größte Franchise der Filmgeschichte. Nach den zuhauf testosterongesteuerten Comic-Materialschlachten der letzten Jahre wird zum allerersten Mal in der Geschichte des MCU ein weiblicher Superheld ein eigener Solo-Film gewidmet. In „Captain Marvel“ der einstigen Indie-FilmemacherInnen Anna Boden und Ryan Fleck („u.A.: „Half Nelson“) schlüpft Oscar-Preisträgerin Brie Larson („Room“) in die Rolle der Militär-Sicherheitschefin Carol Danvers, deren DNS in Folge einer Explosion mit der der Alienrasse Kree vermischt wird und ihr fortan Superkräfte verleiht. In Nebenrollen sind Samuel L. Jackson als verjüngter S.H.I.E.L.D-Chef Nick Fury oder auch Ben Mendelsohn als außerirdischer Bösewicht Talos zu sehen. Laut erster Kritikerstimmen soll auch „Captain Marvel“ kaum von der bereits etwas abgetragenen Marvel-Formel abweichen, jedoch durch sein charmantes 90er-Setting und einem launigen Cast überzeugen können. Ein Pflichtermin für Marvel-Fans, die sich die Wartezeit auf „Avengers: Endgame“ verkürzen möchten!

Foto: Polyfilm, A24

Mid90s

Einst galt der mit Rollen in „Superbad“ (2007) oder „21 Jump Street“ (2011) bekannt gewordene Jonah Hill in erster Linie als Comedy-Darsteller, hat sich über die Jahre hinweg mit Filmen wie „Moneyball“ oder „The Wolf of Wall Street“ aber zu einem wahnsinnig vielseitigen Schauspieler gemausert, der sogar zwei Oscar-Nominierungen vorweisen kann. Unter dem Titel „Mid90s“ gibt der 35-jährige Amerikaner nun sein Regiedebüt, für das er vollkommen hinter die Kamera verschwand. In diesem persönlichen Coming-of-Age-Film begibt sich Hill auf eine Zeitreise zurück in die 90er-Jahre (der bereits zweite Film in dieser Woche) und erzählt vom 13-jährigen Jungen Stevie (Sunny Suljic), der sich mit einer Gruppe älterer Skateboarder anfreundet und dabei etwas auf die schiefe Bahn gerät. Neo-Regisseur Hill hat hiermit ein rundum gelungenes Erstlingswerk als Filmemacher geschaffen, das von einer rauen Authentizität und überraschenden Stilsicherheit durchzogen wird und Hoffnung auf mehr machen lässt.

Die Milieustudie durfte im Rahmen der Panorama-Sektion auf der diesjährigen Diagonale seine Europapremiere feiern. Hier geht es zur begeisterten UNCUT-Exklusivkritik. Ursprünglich sollte der Film in Österreich nur an einem Tag gespielt werden, jetzt gibt es zum Glück doch etwas mehr Vorstellungen. In Graz sind es aber auch nur drei Stück, also nicht verpassen!

Foto: Filmladen, DCM

Beale Street

Anfang 2017 durfte der Filmemacher Barry Jenkins mit seiner meisterhaften Charakterstudie „Moonlight“ für weltweite Furore sorgen. In einer der wohl peinlichsten Fauxpas der Oscar-Geschichte konnte sich das Drama in der letzten Sekunde gegen das Musical „La La Land“, der fälschlicherweise kurz davor noch als Gewinner angekündigt worden war, als Sieger der Königs-Kategorie „Bester Film“ durchsetzen und zog dabei viele verwirrte Blicke auf sich. Nur zwei Jahre nach dem überraschenden, aber wohlverdienten Oscargewinn, kehrt Jenkins mit dem romantisch angehauchten Drama „Beale Street“ zurück, das auf dem gleichnamigen Roman des renommierten Schriftstellers und Aktivisten James Baldwin basiert. Die Romanverfilmung handelt von der jungen Afroamerikanerin Tish, deren Verlobter Fonny für ein schwerwiegendes Verbrechen festgenommen wird, das er jedoch nicht begangen hat. Barry Jenkins erweist sich mit „Beale Street“ einmal mehr als moderner Meister des Kinos und hat hiermit ein romantisches Drama voller Zärtlichkeit und inszenatorischer Finesse geschaffen. Ein Must-See für Cineasten!


Weitere Neustarts

Im biographischen Drama „Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit“ (OT: „On the Basis of Sex“) spielt Felicity Jones („The Theory of Everything“, „Rogue One“) die geachtete Frauenrechtsaktivistin Ruth Bader Ginsbourg, die zur Richterin am Obersten Gerichtshof der USA aufsteigen möchte.

Im österreichischen Dokumentarfilm „Anomalie“ setzt sich Regisseur Richard Wilhelmer mit dem Begriff „Normalität“ auseinander.

Die ebenfalls österreichische Doku „The Big Jump“ widmet sich erstmals in 3D-Bildern dem Skifliegen.

In der deutschen Filmkomödie „Rate Your Date“ kreieren zwei Frauen eine App, in der Personen, die vom klassischen Dating die Nase voll haben, ihre enttäuschten Erfahrungen kategorisieren können.

In der französischen Komödie „Belleville Cop“ von Regisseur Rachid Bouchare begibt sich „Ziemlich Beste Freunde“-Star Omar Sy als Polizist nach Miami um sich für den Tod eines Jugendfreunds zu rächen.

Das österreichische Drama „Aufbruch“ von und mit Ludwig Würst, läuft vorerst lediglich in Wien an und durfte bereits im letzten Jahr auf der Diagonale in Graz seine Österreich-Premiere feiern. Darin begeben sich zwei gequälte Seelen auf einen langsamen Roadtrip.

Wie immer wünsche ich UNCUT-Lesern ein paar hoffentlich schöne Momente im Kino!
Der Autor
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