Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Werbeopfer

Kobergs Klarsicht: Werbeopfer

Zahlendes Publikum in Werbung zu ersäufen, wirkt auch für die großen Kinos nicht nach einem nachhaltigem Konzept.
Das Kind kenne das Konzept „Fernsehen“ gar nicht mehr wirklich und nenne das Fernsehprogramm pauschal „Werbung“, hat heute jemand getwittert. Mir geht es im Grunde ähnlich. Ich bin eineinhalb Jahre nach der Verschlüsselung der Programme draufgekommen, dass ich keinen ORF mehr empfangen kann. Fernsehen – und damit auch Werbeunterbrechung – stirbt in vielen Haushalten aus.

Da ist es doch ein seltsame Form des Rückschritts, dass die Werbung im Kino bei steigenden Ticket-Preisen immer länger wird. Vor allem die großen Kinos könnten nach dem Werbeblock schon wieder eine Pause einführen. Wenn endlich die Filmvorschauen starten, sind die Popcorn-Tüten schon wieder leer und die ersten müssen aufs Klo. Als ohnehin schon ausgiebig zahlender Kunde bin ich nicht wirklich bereit, auch noch mehr als eine Viertelstunde Werbung zu erdulden.

Gratis-Handyspiele zwingen oft einmal ihr Publikum zum Werbekonsum, weil von gratis eben keine Entwicklung bezahlt werden kann. Das ist durchaus legitim und üblicher Weise kann um einen schmalen Taler eine werbefreie Version erstanden werden. Aus purer Menschenliebe arbeiten die Spiele-Studios genauso wenig wie die Filmindustrie. Aber wenn ich zuhause um den Preis eines Kinotickets ein Monat lang werbefrei hochwertige Filme und Serien streamen kann, dann verlieren vor allem die großen Kinos mit ihren ausufernden Werbeblocks massiv an Reiz.

Mag sein, dass die viele Werbung eine Reaktion auf schrumpfendes Publikum ist. Aber dann nagen die Kinos am eigenen Bein. Ähnlich wie die Kollegen vom Fernsehen, müssen wohl auch viele Kinobetreiber umdenken, wenn sie längerfristig überleben wollen. Zwischenzeitlich komm ich zu den Blockbustern einfach systematisch eine Viertelstunde zu spät, möglichst dann, wenn die Filmvorschauen anfangen.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Noch dazu ist es meistens dieselbe laute Werbung, die einen schon im Fernsehen seit Wochen nervt .

    Meinem Empfinden nach gab es vor Jahren mehr Kino-Exklusiv-Werbespots, und die waren auch noch einigermaßen interessant und kreativer (auch länger) als der TV-Trash.
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    01.01.2019, 14:43 Uhr
  • schmerzgrenze

    bervor man mault, sollte man bedenken, dass die ticketeinnehmen in den ersten tagen - je nach film - fast zur gänze an den verleih gehen (bei blockbustern tatsächlich bis zu 100%, der durchschnitt dürfte bei 80% liegen), der anteil der kinobetreiber steigt erst mit längerer laufzeit kontinuierlich an; dazu kommen noch die fixkosten für kino und personal. damit kommen die betreiber erst nach zwei wochen erstmals in die gewinnzone - und nicht selten steht dann schon der nächste film auf dem programm. wer überleben will, macht also notgedrungen sein geschäft mit dem verkauf von arg überteuerten snacks und soft-drinks - und eben werbung.

    und wer in der länge der werbung eine verschwendung seiner lebenszeit oder eine überstrapazierung seiner aufmerksamkeitsspanne sieht, der sollte wissen, dass es früher - in den ach so goldenen zeiten - etwa wochenschauen (dauer gut 20 minuten) oder double features (mit einem B-movie vor dem "hauptfilm") gegeben hat. wer ins kino geht, sollte also auch diese ouvertüren mit in kauf nehmen...
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    22.12.2018, 06:11 Uhr
  • DANKE ...

    ... Danke, Danke ...

    *Kobergs Klarsicht* ... bin total der gleichen Meinung.

    Ich mach während der Werbung die Augen zu und versuch hinweg zu dösen, bis die Filmvorschau anfängt.
    Wenn's wenigstens abwechslungsreich wäre - Wechsel pro Woche - die Werbung ... aber es ist ja IMMER DIESELBE.

    PS: bin mal ca 15 min zu spät zum Film (im Programm angegeben) erschienen... da lief die Werbung noch immer - keine Filmvorschau.

    PPS: vielleicht sollten die Kinos in den Programmen schreiben: 20:00 Uhr Beginn der Vorstellung - ca. 20:20 Uhr Beginn des Films ... kleine Anregung meinerseits. ;-)
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    19.12.2018, 13:02 Uhr
  • Nervig

    Find ich auch (vor allem bei den Ticketpreisen) sehr nervig. Und auch die Traileranzahl könnt man bei den beisten Kinos reduzieren.
    treadstone71_02519ad8f6.jpg
    19.12.2018, 12:02 Uhr
    • Trailer ja, Werbung nein

      Ich sehe das sehr ähnlich - gerade angesichts der teilweise schon sehr hohen Eintrittspreise. Prinzipiell ist die Werbung vor dem Film schon okay, wenn es eben nicht mehr als ein paar Minuten sind und dann das eigentliche Kino-Gefühl losgeht, wenn die Filmvorschauen anfangen. Diese gehören für mich absolut dazu und sind immer wieder auch informativ, machen Lust auf einen Film, der bald ins Kino kommt und größtenteils auch richtig gut gemacht. Manchmal hat man auch nach dem Trailer schon alles Wichtige aus dem Film gesehen und kann trotzdem mitreden. Natürlich gibt es auch hier eine gewisse Schmerzgrenze, denn wer will schon 10 Filmvorschauen vor dem eigentlichen Film sehen? Aber drei bis vier dürfen es schon sein. Überhaupt fällt mir auch auf, dass die Kinofilme der letzten Jahre immer länger werden. Kaum ein Film ist unter 2 Stunden lang, alles halbwegs Große an Produktionen geht schon deutlich in Richtung 150 Minuten. Das war früher nicht so, ein Schnitt waren 100 Minuten. Da war dann auch noch Luft für ein paar Filmvorschauen und Platz in der Harnblase ;-).
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      19.12.2018, 13:10 Uhr