Neu im Kino
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Neu im Kino (KW 41/2018)

Diese Woche gibts unter anderem einen tarantinoesquen Neo-Noir-Thriller, eine etwas andere Muppet-Show und ein englischsprachiges Horrordrama aus Österreich zu sehen.

Bad Times at the El Royale

Filmemacher Drew Goddard konnte bereits für sein Erstlingswerk als Regisseur, der 2012 erschienen Meta-Horrorkomödie „The Cabin in the Woods“, Unmengen an Lob einheimsen. Nun meldet er sich sechs Jahre nach seinem Debüt endlich mit einer weiteren Regie-Arbeit zurück. Bei „Bad Times at the El Royale“ handelt es sich jedoch im Gegensatz zu seinem Vorgängerwerk um keinen Horrorfilm, sondern um einen waschechten Neo-Noir-Thriller, der in seiner Erzählstruktur klar von Quentin Tarantinos Meilenstein „Pulp Fiction“ inspiriert wurde. In seinem neuen Film erzählt Goddard zunächst via einzelner Episoden, die nach für nach in bester Tarantino-Manier miteinander verwoben werden, von vier einander Unbekannten, die zufälligerweise am selben Tag im heruntergekommenen Hotel El Royale einchecken. Unter den Hotelgästen befindet sich ein zwielichtiger Priester (Jeff Bridges), ein gesprächiger Staubsauger-Verkaufsmann (Jon Hamm), eine Sängerin (Cynthia Erivo) und eine geheimnisvolle junge Dame (Dakota Johnson). Schon bald zeigt sich aber, dass keiner der frisch eingezogenen Hotelbewohner so wirklich die Person ist, die sie anfänglich vorgaukelt zu sein.

Neben den bereits erwähnten Schauspielern wird der restliche Cast um ebenfalls hochkarätige Nebendarsteller wie Chris Hemsworth, Xavier Dolan, Nick Offerman oder Bill Pullmans Sohn Lewis in seiner ersten Hauptrolle ergänzt. Herausgekommen ist bei „Bad Times at the El Royale“ ein wundervoll stilisierter wie auch wendungsreicher Thriller, der zudem mit einem eingängigen Soundtrack und einer fantastischen Darstellerriege besticht.

Wer Bock auf tarantinoesque Unterhaltung der Extraklasse hat, sollte kommende also Woche defintiv ins „El Royale“ einchecken!

The Happytime Murders

Wenn man man die Muppets denkt, assoziiert man das zumeist wahrscheinlich mit quirliger wie auch harmloser Unterhaltung für die ganze Familie. Mit „The Happytime Murders“ hat Brian Henson, Sohn des legendären Muppet-Erfinders Jim Henson, eine Art Anti-Muppets gedreht, die kaum weiter entfernt von der quietschbunten und jugendfreien Puppen-Show seines Vaters sein könnte. Erzählt wird dabei von einer Welt in der Muppet-artige Puppen gemeinsam in Symbiose mit Menschen leben. Die Puppen-Welt wird jedoch erschüttert als sich in dieser auf einmal eine Reihe an Morden zuträgt. Offenbar hat es der Mörder auf die Darsteller der populären 80er-Puppen-Show „The Happytime Gang“ abgesehen. Detective Connie Edwards (Melissa McCarthy) wird dazu beauftragt gemeinsam mit Puppen-Detective Phil, den Verbrecher zu schnappen. Dabei müssen die Beiden sich in ein schmutziges Milieu begeben, in dem Sex, Drogen und mittlerweile leider auch Mord an der Tagesordnung stehen.

Das Konzept einer Neo-Noir-Krimikomödie im Muppet-Gewand hört sich auf Papier durchaus spannend an und lässt an ähnliche Versuche, die ebenfalls eigentlich kinderfreundlicher Figuren in ein erwachsenes Milieu transportierten, erinnern, wobei Robert Zemeckis' „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ hier wohl der bekannteste Vertreter sein dürfte.

Leider scheint Hensons Film sich basierend auf den weltweiten Kritiken als peinlicher Schuss in den Ofen entpuppt zu haben, mit dem Henson das Erbe seines Vaters beschmutzt.

The Dark

In diesem ungewöhnlichen Horror-Thriller stellt US-Filmemacher Justin P. Lange gemeinsam mit seinem österreichischen Co-Regisseur Klemens Hufnagl das etwas ausgelutschte Zombie-Genre auf den Kopf. Der Film handelt vom Zombie-Mädchen Mina (Nadia Alexander), die einst in einem Wald ermordet wurde und seitdem dort als Untote für Angst und Schrecken sorgt. Als eines Tages der blinde Junge Alex (Toby Nichols) in ihren Wald gerät, verändert sich ihr Alltag schlagartig. Zwischen ihr und Toby, der ähnlich schreckliche Dinge miterleben musste wie sie selbst, entwickelt sich nämlich eine enge Freundschaft, die ihr ermöglicht sich von ihrer Lust nach Menschenfleisch zu trennen. In Nebenrollen sind auch Karl Markovics, der in den ersten fünfzehn Minuten des Films sogar eine zentrale Rolle einnehmen darf, oder auch Margarete Tiesel in einer kleinen Rolle zu sehen.

Justin P. Lange hat hier ein raffiniert inszeniertes Horrordrama gedreht, das in keinster Weise an Blut spart und das vermeintliche Monster schlussendlich zur Heldin werden lässt. Ein Muss für Genre-Fans!

Weitere Neustarts

Animationsfans dürfen sich in dieser Woche auf den Familienspaß „Smallfoot“ freuen, in dem ein Yeti entdeckt, dass es sich beim kleinfüßigen Menschen tatsächlich nicht nur um eine Legende handelt.

Im deutschen Action-Thriller „Abgeschnitten“ von Regisseur Christian Alvert macht sich Moritz Bleibtreu als Gerichtsmediziner auf die Suche nach einer verschwundenen jungen Frau.

Die US-Dokumentation „Unser Saatgut: Wir ernten was wir säen“ beschäftigt sich mit Aktivisten, die für den Beibehalt der Saatgutvielfalt kämpfen.

Das österreichische Drama „Der Trafikant“ erzählt von einem Wiener Trafikanten-Lehrling, der Ende der 30er Jahre in Wien den namhaften Psychologen Sigmund Freud kennenlernt und dessen Rat sucht, als er sich in eine junge Tänzerin verliebt.

Zu guter Letzt sei noch der Start der Komödie „Das kleine Vergnügen“ zu erwähnen, in der eine Hausfrau mittleren Alters nach der Scheidung von ihrem Ex-Mann einen Job in einem Erotikladen annimmt.

Wie immer wünsche ich UNCUT-Lesern ein erholsames Wochenende und eine tolle Zeit im Kino!
Der Autor
chros
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