Das große Uncut-Special von der Viennale 2018
Kobergs Klarsicht
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Kobergs Klarsicht: Auf toten Pferden

In der Frage nach dem gelungenen Ende werden die Widersprüche zwischen Filmen als Kunstwerken und als Ware offensichtlich.
„Weniger ist mehr“ heißt es immer wieder – meistens mit bedächtiger Stimme und wissendem Nicken vorgetragen. Aber wenn‘s um Geld und Profit geht, ist dann natürlich doch immer mehr mehr. Und wer sich zum Publikum moderner Unterhaltungsmedien zählt, bekommt das immer öfter zu spüren. Weil wenn da noch ein Publikum ist, das bereit ist, Geld zu investieren, rücken künstlerische Vorstellungen zu einem gelungenen Ende in den Hintergrund. Da wird es dann nicht gut sein gelassen, sondern es wird weitergeritten bis es irgendwann eh noch ganz in Ordnung oder doch ein bisschen enttäuschend ist.

Manche Geschichten – wie die vom Vampirjäger „Blade“ – legen einen rasanten Sinkflug hin und werden abgedreht bevor es weh tut. Andere, wie die Rocky-Saga, halten erstaunlich lang ihr hohes Niveau. Und wenn dann alles zu einem stimmigen Ende gebracht wurde, geht es trotzdem weiter, weil eben Menschen ins Kino gehen, wenn Stallone die Boxhandschuhe anzieht. „Creed - Rocky's Legacy“ war noch immer überraschend in Ordnung. „Creed 2“ kommt im Jänner...

Den kreativen Geistern hinter solchen Geschichten muss das wohl immer wieder einmal weh tun. Oft sind sie nach einer gewissen Zeit ohnehin nicht mehr an Bord. Aber es sind dann doch ihre Ideen, ihre Vorstellungen, die ausgesaugt werden, bis sich keine Einnahmen mehr generieren lassen. Und dann sind da natürlich noch die Fans. Die halten ihren Lieblings-Universen oft so lange die Treue, bis der letzte Zauber verflogen ist – nur so kann ich erklären, warum ich auch den dritten Teil von „Der Hobbit“ noch im Kino gesehen habe. Bei Marvel bin ich irgendwann ausgestiegen. Da war es weniger das Niveau als die Masse. Und „Solo: A Star Wars Story“ ist der erste Sternenkriegerfilm, den ich nicht im Kino gesehen habe. Dabei war ich zum Kinostart der ersten drei Teile noch nicht einmal auf der Welt.

Es sind ganz einfach zwei unterschiedliche Realitäten, die da aufeinander prallen: Die der Kunst und die des Marktes. Und wenn jeder dieser Filme mehr kostet, als meine ganze Kindergartengruppe in ihrem Leben verdienen wird, dann ist klar, wer beim Entscheiden die Oberhand hat.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Spannende Fortsetzungsphänomene

    Während die STIRB LANGSAM mit jedem Teil in die absolute Bedeutungslosigkeit versanken, steigerten die FURIOUS-Filme den Unterhaltungswert.
    Aber es stimmt oft, dass nach 2 bis 3 Filmen die Luft heraussen ist. Hier einige Beispiele:
    INDIANA JONES 4
    BATMAN & ROBIN
    STAR WARS EPISODE 1
    MAD MISSION 4

    Ausnahmen:
    ROCKY 4
    STAR TREK 4
    LETHAL WEAPON 4
    ALIEN: RESURRECTION
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    27.09.2018, 18:23 Uhr
    • Stimme dir prinzipiell absolut zu, finde aber (und das mag in gewissen Kreisen eine kontroverse Meinung sein), dass "Star Wars" sich wieder sehr gut von den Prequels erholt hat und unter Disney zu neuer Stärke gefunden hat. In meinen Augen das derzeit einzige lebendige Blockbuster-Franchise, das sich noch traut wirklich Risiken einzugehen.
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      27.09.2018, 19:51 Uhr
    • Rian Johnson ist da die einzige Ausnahme. Wenn man sich Rogue One und Solo anschaut ist das genau das Gegenteil Christian. Da wurden Leute gefeuert weil sie anders sein wollten und das Studio Einheitsbrei wollte.
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      28.09.2018, 16:21 Uhr
    • Meine Aussage bezüglich der Risiken hat sich auch hauptsächlich auf Episode VIII und der Tatsache, dass in den Hauptrollen primär auf dem breiten Publikum noch unbekannte Gesichter gesetzt wurde, bezogen. Allgemein find ich einfach, dass Lucasfilm unter Kathleen Kennedy mehr auf die Gesamtqualität ihrer Filme Wert legt - egal wie komprimiert das Endprodukt nun wirken mag - als es Lucas selbst tat. Ich mochte "Solo" beispielsweise auch selbst nicht, aber finde, dass wenn man in Betracht zieht wie kurzfristig der gesamte Film von einem komplett neuen Regisseur nachgedreht wurde, noch das Beste aus diesem Clusterfuck rausgeholt werden konnte.
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      29.09.2018, 09:32 Uhr
  • Aller Ende ist schwer

    ich finde eine begonnene Reihe sollte zuende gebracht werden. und wirklich in einem Finale enden, das würdig ist.

    Als ich jung ar, gab es die Der Weisse Hai-Tetralogie, und die Indiana Jones Trilogie. Das waren abgeschlossene Reihen.
    Nun kommt bald Indy 5 ins Kino, und ich bete, dass es ein Ende für die Saga ist.

    Ebenso wünsche ioch, dass nah Episode IX mal schluss ist, denn ich weiß nicht, worauf die Sequel Trilogie hinauswill.

    Ich bin froh, dass Nolans TDK-Trilogie beendet ist, und auch, dass Planet der Affen seinen Abschluss (2x) gefunden hat. Das sind würdige Enden ihrer Reihen.
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    26.09.2018, 16:10 Uhr