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Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Zuhause statt im Kino

Kobergs Klarsicht: Zuhause statt im Kino

Es gibt gute Gründe, nicht ins Kino zu gehen. Aber auch dafür, es doch zu tun.
2017 war ein schwaches Jahr für die österreichischen Kinos. In Besucherzahlen gemessen, war es das schwächste seit zehn Jahren. Vergleichen mit dem, was ich um mich herum wahrnehme, fällt dieser Rückgang aber noch recht bescheiden aus. Seit nach diversen semi- und illegalen Streaming-Seiten jetzt auch Netflix, Amazon Prime und Co. in den Haushalten Einzug gehalten haben, scheint mir die Bereitschaft, sich aufzumachen um eine Film-Vorführung im Lichtspielhaus zu erleben immer mehr zu einem Relikt aus der Vergangenheit zu verkommen.

Und das kann ich auch nachvollziehen. Die Fernseher in den Wohnzimmern werden als solche zwar kaum mehr genutzt, aber was Bildgröße und -qualität anbelangt, kommen sie langsam an das heran, was man im Kino zu sehen bekommt, wenn man bei den coolen Kids in der letzten Reihe sitzt. Dazu gibt’s natürlich die Gemütlichkeit des heimischen Sofas, Snacks zu Supermarktpreisen und die Option, auf Pause zu drücken, wenn jemand auf’s Klo muss. Das früher so stichhaltige Argument, dass bildgewaltige Filme im Kino doch viel besser wirken, verliert nach und nach an Schlagkraft.

Ganz im Gegenteil sind es mehr und mehr die kleinen, ruhigeren Filme, die mich ins Kino locken. Zum einen, weil die Atmosphäre in den kleinen Häusern mir ihren gemütlichen Sälen sich mehr vom Gewohnten abhebt, als die der Cine-, Mega- und Multiplexkinos. Und zum anderen, weil diese Filme nach ihrer Laufzeit in den Kinos oft nur mehr als DVDs – und auch das nicht immer ganz leicht – zu bekommen sind.
Ein bisschen gibt mir das zu denken. Ich finde es schön, dass es in Städten wie Graz noch recht viele unterschiedliche Kinos gibt. Aber mit dem wachsenden Angebot an flexibel von zuhause aus abrufbaren Filmen, sinkt auch meine Motivation, dort regelmäßig vorbeizuschauen. Und rund um mich herum lassen sich die Menschen ohnehin schon immer seltener für’s Kino begeistern – auch wenn sie gerne und oft Filme sehen und darüber diskutieren. Ist das Kino in Zeiten omnipräsenter Streaming-Dienste ein Auslaufmodell?

Ganz so schlimm ist es wohl nicht. Meine persönliche Wahrnehmung ist wohl auch davon beeinflusst, dass ich nach und nach aus der Gruppe des Kernpublikums hinauswachse. Das sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ordentlich dazu beitragen, dass Animationsfilme, Star Wars und Fack ju Göhte Rekordsummen einfahren. Den kleinen Programmkinos nutzen die aber wenig. Da müssen wir uns schon selber entscheiden, wie viel wir dazu beitragen wollen, dass es die weiterhin gibt.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Kleine Kinos

    haben meist Atmosphäre und Geschichte. Ich ziehe ein Programmkino einem Multiplex vor. Obwohl das TV-Programm gewaltig aufgeholt hat, wird Kino nicht zu ersetzen sein! Entfliehe dem Alltag und erlebe einen großartigen und besonderen Film dort, wo es einzigartig ist: im Kino!
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    02.08.2018, 16:33 Uhr