Neu im Kino
Neu im Kino (KW 29/2018)

Neu im Kino (KW 29/2018)

Diese Woche mit einem Roadtrip voller Glückgefühle, der heißerwarteten Fortsetzung eines knallharten Drogenthrillers und einem Wiedersehen mit ABBA-Nostalgie

303

Jeder von uns kennt sie: Diese Momente im Leben, an denen alles schiefgehen zu scheint und man einfach den Alltagskonventionen entfliehen möchte. Ebenso ergeht es den beiden 24-jährigen Studenten Jan (Anton Spieker) und der gleichaltrigen Studentin Jule (Mala Emde). Nachdem Jule kurz nach einer verhauenen Prüfung auf der Uni auch noch erfährt, dass sie ungewollt schwanger geworden ist, entschließt sie sich kurzerhand, zu ihrem Freund Alex nach Portugal zu fahren, um diesen die Überraschung mitzuteilen. Jan hingegen möchte nach Spanien reisen, um dort seinen biologischen Vater kennenzulernen. Da er sich die Kosten für die Reise jedoch nicht wirklich leisten kann, versucht er per Anhalter sein Ziel zu erreichen. Als er auf Jule trifft und mit ihrem Wohnmobil mitgenommen wird, sind die beiden zu Beginn noch stark auf Distanz zu einander unterwegs. Schon bald entwickelt sich jedoch eine besondere Verbindung zwischen den Beiden.

Der gebürtige Vorarlberger Filmemacher Hans Weingartner (u.A.: „Das weiße Rauschen“, „Die fetten Jahre sind vorbei“) hat mit „303“ eine der beglückendsten Kino-Romanzen der jüngeren deutschen Filmgeschichte geschaffen. Durch smarte Konversationen und einer großen Prise Feingefühl gelingt es Weingartner hier die Annäherung zweier Seelen ähnlich authentisch auf die Leinwand zu bannen wie es Richard Linklater mit seiner famosen „Before“-Trilogie tat.

Pure Kinomagie!

Hier geht es zu meiner Exklusivkritik von der diesjährigen Berlinale, bei der „303“ als Eröffnungsfilm der Schiene „Generation 14plus“ uraufgeführt wurde.

Sicario 2

Meisterregisseur Denis Villeneuve (u.A: „Prisoners“, „Arrival“, „Blade Runner 2049“) veröffentlichte im Jahre 2015 mit „Sicario“ einen der - durch seine schonungslose Härte wie auch ästhetische Brillanz - effektivsten Krimi-Thriller des 21. Jahrhunderts. Das Drama rund um die junge FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt), die am Grenzgebiet zu Mexiko Mitglieder eines Drogenkartells ausfindig machen soll und dabei Hilfe vom beinharten Auftragskiller Alejandro (Benicio del Toro) bekommt, konnte Kritiker wie auch Zuschauer weltweit begeistern. Aufgrund des Erfolgs beschloss sich Lionsgate dazu, eine Weiterführung der Geschichte in Auftrag zu geben, die sich jedoch explizit auf die Charaktere von Benicio del Toro und Josh Brolin konzentrieren sollte. Für „Sicario 2“ gab Denis Villeneuve wegen anderer Verpflichtungen das Regiezepter an den italienischen Filmemacher Stefan Sollima (u.A. „Suburra“) weiter. Für das Drehbuch zeichnet sich wie bereits für Teil 1 Taylor Sheridan verantwortlich, der im letzten Jahr erst mit seinem Regie-Debüt „Wind River“ beeindrucken konnte.

Die Fortsetzung setzt zwei Jahre nach dem Einsatz von Teil eins an und schickt sowohl FBI-Agenten Matt Graver als auch Auftragskiller Alejandro (del Toro) wieder zurück an die mexikanische Grenze, wo mittlerweile das absolute Chaos herrscht. In Folge eines Selbsmordattentats in einem Einkaufszentrum, bei dem zwölf Zivilisten ums Leben kommen, soll Alejandro die Tochter des berüchtigten Drogenkartellbosses Carlos Reyes als Erpressung entführen.

Auch wenn „Sicario 2“ nicht die Klasse seines meisterhaften Vorgängers erreicht haben soll, dürfen sich Fans von Villeneuves Film nichtsdestotrotz auf einen spannungsgeladenen Drogenthriller mit exzellenter Besetzung freuen.

Mamma Mia! Here We Go Again

Ende der 90er-Jahre feierte unter dem Titel „Mamma Mia“ (benannt nach dem gleichnamigen Hit-Song) ein Musical, das sich zahlreicher Songs der legendären schwedischen Pop-Gruppe ABBA bediente, in London seine Uraufführung. Da sich die Bühnenshow rund um die alleinerziehende Mutter Donna, die zusammen mit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie auf einer kleinen griechischen Insel lebt, zu einem weltweiten Erfolg entwickelte, wurde das Musical 2008 für die große Leinwand adaptiert. Auch wenn das Feel-Good-Musical bei der Kritik nur eher mäßig davonkam, zeigten sich Zuschauer begeistert und waren besonders fasziniert davon, Hollywood-Megastars wie Meryl Streep, Pierce Brosnan, Stellan Skarsgård oder Colin Firth bei der Wiedergabe altbekannter ABBA-Klassiker zuzuschauen. Da sich also auch die filmische Adaption des Musicals (besonders im ABBA-verrückten Europa) als Sensationserfolg entpuppte, war eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit.

Genau zehn Jahre später startet nun unter dem Titel „Mamma Mia: Here We Go Again“ endlich das heißerwartete Sequel in den weltweiten Kinos. Nachdem Donnas Tochter Sophie (Amanda Seyfried) im ersten Teil noch der Frage nachgehen wollte, wer denn nun ihr leiblicher Vater ist, wird sie in der Fortsetzung selbst schwanger. Noch dazu steht sie kurz vor der Eröffnung ihres eigenen Hotels, doch weder ihr Freund Sky (Dominic Cooper), noch ihre potentiellen Väter Harry (Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgård) finden Zeit der Eröffnungszeremonie beizuwohnen. Während dieser schwierigen Zeit bekommt sie jedoch immerhin Unterstützung von Tanya (Christine Baranski) und Rosie (Julie Walters), zwei Jugendfreundinnen ihrer Mutter, die gemeinsame Jugenderinnerungen an Donnas Schwangerschaft in jungen Jahren Revue passieren lassen. Die junge Version von Meryl Streeps Donna wurde hierfür von Lily James (u.A: „Cinderella“, „Baby Driver“) verkörpert.

Im Gegensatz zu Teil eins scheint die Fortsetzung unter Regie von Ol Parker nicht nur Zuschauer, sondern auch Kritiker in seinen Gute-Laune-Bann gezogen zu haben. Fans von Teil eins und ABBA-Liebhaber werden hierfür aber sowieso in die Kinos stürmen, denn: My my, how can they resist it?

Weitere Neustarts

Bereits am Montag startete der Animationsspaß „Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster Urlaub“ in den österreichischen Kinos. Im Sequel der beiden erfolgreichen Vorgänger wird Graf Draculas chaotische Familie auf eine Kreuzfahrt geschickt.

Georgia Wyss’ Dokumentarfilm „Mantra: Sounds into Silence“ beleuchtet den spirituellen Einfluss, den Sprechgesang auf Menschen haben kann.

Im Biopic „Nico, 1988“ wird von den beiden letzten Lebensjahren der aus Deutschland stammenden Musikerin Christa Päffgen alias Nico erzählt, die 1988 im Alter von 49 Jahren in Folge eines Fahrradsturzes verstarb.

Wie immer wünsche ich UNCUT-Lesern eine tolle Zeit im Kino und empfehle klimatisierte Lichtspielhäuser als exzellenten Fluchtort für die derzeitige Hitzewelle!
Der Autor
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chrosTV

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