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Film-WM Gruppe G

Film-WM Gruppe G

Ein Blick auf die Kandidaten aus Belgien, Panama, Tunesien und England.
In Gruppe G bekommt es ein belgisches Kriegsdrama mit dem erstmals teilnehmenden Underdog Panama, einem überraschend progressiven Stück Kino aus Tunesien und dem neuen Meisterstück der Marke Christopher Nolan zu tun.

Innen Leben

Belgien
Der belgische Beitrag der diesjährigen Film-Weltmeisterschaft spielt inmitten Syriens Hauptstadt Damaskus. Innerhalb dieser vom Krieg zerrütteten Metropole wirft Regisseur Philippe Van Leeuw einen Blick auf einen Schutzbunker, in dem sich ältere Männer, Frauen und Kinder verschanzt haben. Obwohl die Nahrungsvorräte Tag für Tag immer knapper werden, wäre es viel zu riskant, den Bunker zu verlassen, um neue Lebensmittel zu besorgen. Es wird versucht einen Mikrokosmos zu erzeugen, in dem die Geschehnisse des Schlachtfelds außerhalb des Bunkers keine Rolle spielen sollte. Früher und später müssen sich jedoch auch die Bewohner des Bunkers mit der bitteren Realität des Bürgerkriegs konfrontiert sehen.
Der gesellschaftspolitisch gesehen hochaktueller Hilfeschrei wurde bei den belgischen Magritte Awards 2017 als bester Spielfilm ausgezeichnet.

Hands of Stone

Panama
Gerade erstmals qualifiziert und schon hat Newcomer Panama als Kandidaten ein wahres Ass im Ärmel. Für den kleinen mittelamerikanischen Staat wird nämlich das Boxer-Drama „Hands of Stone“ ins Rennen geschickt. Der Sportfilm basiert auf dem wahren Leben des panamaischen Boxchampions Roberto Durán, der zwischen den 70er- und 80er-Jahren zahlreiche Weltmeisterschaften aus sämtlichen Gewichtsklassen für sich entschied und dafür weltweiten Ruhm einheimsen durfte. Das Biopic setzt ab dem Punkt an, an dem das Talent Duráns erstmals vom alteingesessenen Boxtrainer Ray Arcel entdeckt wird und begleiten ihn bis hin zu seinem großen Match gegen Box-Legende Sugar Ray Leonard. Mit Edgar Ramirez in der titelgebenden Hauptrolle, Robert De Niro als Trainer Arcel oder Pop-Superstar Usher als Gegner Sugar Ray Leonard ist die Mannschaft dieses Films bis in die kleinste Rolle prominent besetzt.
Ein tiefsitzender KO-Schlag seitens Panama!

Kaum öffne ich die Augen

Tunesien
Auch der nordafrikanische Küstenstaat Tunesien braucht sich in diesem Jahr nicht vor der Konkurrenz zu verstecken, denn deren Kandidat hat es durchaus in sich! Regisseurin Leyla Bouzid erzählt in ihrer Charakterstudie von der 18-jährigen Farah, die soeben in Tunesiens Hauptstadt Tunis ihren Schulabschluss absolviert hat und gerne eine Karriere als Sängerin einschlagen möchte. Ihre Eltern wünschen sich jedoch, dass sie Medizin studieren und anschließend Ärztin werden sollte. Sie entscheidet sich dann aber nichtsdestotrotz für ihre Band, deren Songs auch scharf die korrupte Regierung des eigenen Landes kritisieren. Schritt für Schritt gelingt es Farah mit ihrer Musik in eine von Männern dominierte Kunstsparte einzutauchen und Respekt für sich zu gewinnen. Jedoch die frauenunterdrückenden Maßstäbe innerhalb ihres Heimatlandes gestalten es Farah besonders schwer in dieser Domäne einen so richtig Fuß zu fassen. Das Drama durfte bereits 2015 seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Venedig feiern und konnte dort sogar den Publikumspreis für sich gewinnen.
Ein frischer Wind an Progressivität aus einem dafür eher ungewöhnlichen Land und ein nicht zu unterschätzender Underdog im Rennen um den Weltmeistertitel!

Dunkirk

England
Obwohl Meisterregisseur Christopher Nolan sich in den letzten Jahren mit populären Werken wie „The Dark Knight“ (2008), „Inception“ (2010) oder „Interstellar“ (2014) vermehrt im US-Kino verankerte, kehrte er im letzten Jahr für seinen neusten Streifen zurück in die Heimat. Für seinen Kriegsfilm „Dunkirk“ konzentrierte sich Nolan nämlich erstmals auf historische Begebenheiten und ließ die Schlacht von Dünkirchen als audiovisuelles Spektakel fürs Kino verfilmen. Bei dieser wurden während des Zweiten Weltkrieges durch Hitlers Streitmächte zahlreiche britische Soldaten in der Nähe der französischen Stadt Dünkirchen eingekesselt. Anders als die meisten modernen Kriegsfilme verzichtete Nolan in seiner Herangehensweise jedoch auf die pathetische Heroisierung einzelner Charaktere und macht den Krieg selbst zum Hauptschauplatz, der den Involvierten nichts als die pure Hölle bietet. Nolan hat einen wahrhaftigen Anti-Kriegsfilm geschaffen, der es durch raffinierte Bild-und Ton-Tricks schafft, den Zuschauer mitten ins Geschehen zu werfen. In den Hauptrollen sind unter anderem Größen wie Kenneth Branagh, Mark Rylance, Tom Hardy, Cillian Murphy oder auch der ehemalige „One Direction“-Sänger Harry Styles zu sehen. Das Kriegsdrama wurde bei der diesjährigen Oscar-Verleihung für sage und schreibe 8 Preise nominiert und konnte davon ganze 3 mit nach Hause nehmen.
England darf also zweifelsohne als einer der großen Favoriten auf den Siegertitel in die Schlacht ziehen!
Der Autor
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chrosTV

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