Diagonale
Love among the Ruins

Love among the Ruins

Ein Blick auf das Kurzfilmprogramm „Love among the Ruins“ der Diagonale-Schiene „In Referenz“.
„Love among the Ruins“ ist ein Kurzfilmprogramm des Diagonale 2018 Specials „In Referenz“, das von Olaf Möller kuratiert wurde. Es widmet sich gemeinsam mit der von Norbert Pfaffenbichler und Sandro Droschl konzipierten Ausstellung „Was vom Kino übrig blieb“ im Künstlerhaus in Graz den Überresten des Kinos und durchforstet die Kinogeschichte bis heute.

Den Anfang macht das Medienexperiment „Über das Publikum“. Ein Film/Radio Experiment (2018) von Manfred Schwaba, in dem eine Diskussion zweier Frauen und eines Mannes über das Filmeschaffen via Radio Helsinki live in den Kinosaal übertragen wurde. Die Bilder dazu stellte eine Dauerschleife von 10-Sekunden-Filme dar, in denen sich die drei gegenseitig auf Handkameras aufgenommen haben. Die (quasi) Endlosschleife über fünfzehn Minuten stellt die erste Geduldsprobe dieses Programms für das Publikum dar.

Der zweite Kurzfilm ist „Le Phénakistiscope de projection de J. Dubosq 1824-1826“ (1972) von Jean Vivié, der zu den Anfängen des Filmens zurückblickt. Er dokumentiert wie ein früher Filmapparat funktioniert und zeigt auch einige seiner Vorgänger wie den Guckkasten.

Danach folgt eine anonyme Montage über Kinoaushängeschilder aus dem Jahr 1917 und ein Trailer von dem Film „The American Venus“ (1926) von Frank Tuttle mit Esther Ralston, der als verloren gilt.

Der vierte Beitrag stellt den humorvollsten und unterhaltendsten des Programms dar. Dabei handelt es sich um den finnischen Film „Huono filmi“ (1950) von Felix Forsman, der auf kritische Art und Weise das kommentiert, was man auf der Leinwand sieht; am Anfang ist das lediglich ein schwarzes Bild mit einem weiß-schwarzen Tonstreifen auf der Seite. Danach zeigt der Film, was unterschiedliche Fehler beim Dreh und Schnitt auf der Leinwand auslösen können.

Filmsmälten“ (1966) von Tor-Ivan Odulf stammt ebenfalls aus dem skandinavischen Raum, aus Schweden. Er beschäftigt sich nicht mit der Produktion von Film, sondern genau mit dem Gegenteil, seiner Zerstörung. Dort wird in vielen einzelnen Schritten demonstriert, wie die Zelluloidstreifen zuerst ihrer Bilder beraubt werden, um dann am Ende eingeschmolzen zu werden.

Nachdem man dem konkreten Ableben des Films nachgetrauert hat, wird man mit dem nächsten Beitrag fast dazu verleitet zu sagen, weg damit. „Aline Carola“ (1990) von Linda Christanell stellt eine Art Stillleben dar, in dem einige Habseligkeiten der französischen Schauspielerin aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt werden. Der einzige Höhepunkt der sieben langatmigen Minuten bleiben die Stop-Motion-Versuche, um etwas Bewegung in den Film hinein zu bringen.

Der Kurzfilm, der am sprechendsten für die Überbleibsel des Kinos steht, ist auch der längste dieses Programms: „Kino Otok“ (2016) von Ivan Ramljak. Dieser Beitrag führt das Publikum durch verlassene Kinos der kroatischen islands of the forgotten cinema Brač, Korčula, Krk, Lastovo und Pelješac, von denen einige umfunktioniert wurden und als Yogastudio oder Chorprobensaal weiterhin genutzt werden. Untermalt werden die Bilder durch die Erzählungen von Einheimischen, die ihre Kinoerfahrungen mit dem Publikum teilen und in eine verträumte Nostalgie über das goldene Zeitalter des Kinos verfallen.

Den Schluss bildet „24 Frames per Century“ (2013) von Athina Rachiil Tsangari, der ebenfalls auf einer Insel spielt, allerdings auf einer sehr kleinen unbewohnten, auf der zwei Filmprojektoren auf das offene Meer hinausblicken. Es entsteht der Eindruck, als ob sie sich durch schnelleres bzw. langsameres Abspielen ihres Filmes unterhalten würden. Die einzige menschliche Protagonistin ist eine Frau, die die Filme einlegt und ihnen mit ihren weißen Handschuhen eine Projektionsfläche bietet, sodass sich die Bilder nicht in der Luft verlieren.

Wer bis zum Schluss von „Love among the Ruins“ durchgehalten hat und den Kinosaal noch nicht nach dem Radio-/Fernsehexperiment oder Aline Carola verlassen hat, wurde am Ende doch belohnt. Es handelt sich dabei um ein gut kuratiertes Programm, das einen roten Faden erkennen lässt, anders als die Ausstellung im Künstlerhaus, die eher eine Aneinanderstückelung von unterschiedlichen Exponaten, die mehr oder weniger mit Kino zu tun haben, darstellt.
Die Autorin
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Nina Isele

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