Berlinale 2018
Berlinale 2018 - Tag 8

Berlinale 2018 - Tag 8

Gael García Bernal raubt ein Museum aus und Idris Elba stellt sein Regiedebüt „Yardie“ vor
Der achte Tag der Berlinale startete mit dem ersten Dokumentarfilm in der Schiene Wettbewerb, wenn auch außer Konkurrenz. In „Eldorado“ porträtiert der Schweizer Regisseur Markus Imhoof die gegenwärtige Flüchtlingssituation am Mittelmeer, die Überforderung der Behörden, die lebensunwürdigen Zustände der Geflüchteten und die Maschinerie, mit der die europäischen Länder Flüchtlinge finanziell ausbeuten. Als Gegenüberstellung nutzt Imhoof seine eigene Geschichte mit dem italienischen Flüchtlingskind Giovanna, das während des Zweiten Weltkrieges bei seiner Familie in Winterthur gewohnt hat.

Großes Spektakel bot der zweite Film des Tages. In „Museo“ wird einer der spektakulärsten Kunstraubaktionen Mexikos in einen Heist Movie/Roadmovie/Coming of Age Film verwandelt und das auch noch richtig gut. Gael García Bernal glänzt in der Rolle des Juan, einem Langzeitmedizinstudenten, der mit seinem besten Freund wertvolle Maya-Kunstwerke aus dem Museum stiehlt nur um dann erkennen zu müssen, dass er diese Objekte nicht leicht an den Mann bringen wird. Warum die beiden Studenten diesen Raub begingen ist nicht klar und auch der Film kann diese Antwort nicht liefern. Aber das muss er auch gar nicht. Er liefert so viele andere Bereiche, in die man sich thematisch vertiefen kann und ist visuell so anspruchsvoll, dass er sich somit dem ersten Eindruck widersetzt, nur oberflächlicher Fluff zu sein.

Geendet hat der heutige Tag für den Wettbewerb mit „Touch Me Not“ aus Rumänien. Der Film der rumänischen Künstlerin und Filmemacherin Adina Pintilie ist ein Experiment über die Definition von Intimität. Mit Schauspielern und Laien und irgendwo zwischen Fiktion und Realität kreiert sie einen Mikrokosmus, in der sich die Charaktere im wahrsten Sinne des Wortes entblößen, aber auch persönliche Gefühle zum Ausdruck bringen. Der Film ist leider, wie „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ am Vortag ein etwas zäh geratener Versuch, um ein Sentiment herum einen Kunstfilm zu bauen. „Touch Me Not“ geht dabei jedoch weniger prätentiös ans Werk, hätte jedoch als Kunstinstallation in einer Ausstellung besser funktioniert als in einem zwei Stunden Spielfilmformat.

Im Panorama gab es heute den Film „Yardie“ von Idris Elba zu sehen. Eine britische Produktion, die den Lebenslauf eines jungen Jamaikaners nachzeichnet. Um der Gewaltspirale in seiner Heimat zu entkommen, geht er nach London und hat es auch dort nicht leicht mit den Geistern seiner Vergangenheit.

Im Delphi Filmpalast, einem charmant-mondänen Kinobau aus den 1920ern, präsentierte am Nachmittag die junge Mexikanerin Marta Hernaiz ihren ersten Langfilm. Sie lebt und arbeitet in Bosnien-Herzegowina und portraitiert in „The Chaotic Life of Nada Kadic“ eine unverdrossene Alleinerziehende und ihre Tochter in einem Land das noch lange nicht nach westlichen Maßstäben „funktioniert“.

Auch im letzten Panorama-Film des Tages, einer Dokumentation, steht eine junge Frau im Mittelpunkt: in „I See Red People“ geht die in Paris lebende Bulgarin Bojina Panayotova mit Smartphone, Handkamera und per Videocalls der Geschichte ihrer Familie im Kommunismus nach. Ein sehr persönlicher Film der zeigt, dass es hinter dem Eisernen Vorhang schier unmöglich war, nicht in Geheimdienstangelegenheiten verstrickt zu sein.

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susn

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  • Touch me not

    Trotz goldenem Bären habe ich das Gefühl „Watch me not“.
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    28.02.2018, 20:00 Uhr