Berlinale 2018
Berlinale 2018 - Panorama

Berlinale 2018 - Panorama

Ein Blick auf die wohl wichtigste Nebenschiene der Berlinale. Unter anderem mit dem österreichischen Film „L'Animale“
Weniger strikte Regeln als in der Wettbewerbsschiene gelten im Programmsegment „Panorama“: Hier hat man Gelegenheit das Spektrum weltweiten Filmschaffens alljährlich gründlich nach neuen Strömungen und Ideen zu durchforsten.

Ausschließlich Langfilme werden hier gezeigt, bevorzugt Erstlingsfilme und Weltpremieren kommen zum Zug. Eine wunderbare Gelegenheit nicht nur die Lieblingsfilmemacherin oder -autor von morgen zu entdecken, sondern auch in den Dokumentar- und Spielfilmen aus aller Welt sich ein Bild vom Zustand derselbigen zu machen.

So darf man sehr gespannt sein auf die Beiträge aus unseren Nachbarlanden: „Genesis“ vom Ungarn Árpád Bogdán thematisiert Attacken auf Roma-Siedlungen der Jahre 2008/09, ein Thema das nicht nur in Orbanland die Gemüter bewegen dürfte.

In „Hotel Jugoslavija“ von Nicolas Wagnières widmet sich der junge Filmemacher seiner eigenen Bigraphie im zerfallenden Idealstaat am Balkan. Ähnliches verfolgt seine bulgarische Kollegin in Bojina Panayotova in „I See Red People“.

Nicht nur politisch sondern auch technisch interessant dürfte der Film „Profile“ des Kasachen Bojina Panayotova werden: die Geschichte einer Journalistin die zu Recherchezwecken Kontakt zu IS-Kämpfern aufnimmt, spielt ausschließlich auf den Chat-Oberflächen sozialer Plattformen.

Ein Festivalhöhepunkt scheint auch „Ondes de choc“ zu werden. Zwei Teile der TV-Miniserie, einer von der schweiz-französischen Ursula Meier, einer vom Franzosen Lionel Baier, die Gewaltereignissen und ihren Voraussetzungen nachspüren.

Einziger zu 100% aus Österreich stammender Beitrag im Panorama ist übrigens „L'Animale“, der vielversprechende neue Film von Katharina Mückstein. Es handelt sich um ein generationenübergreifendes Coming-of-Age-Drama der etwas anderen Art. In den Hauptrollen darf man sich auf Sophie Stockinger, Kathrin Resetarits und Dominik Warta freuen.

Zwei Filme, die sich mit der Flüchtlichsthematik beschäftigen fallen auf: „Styx“, ein Kammerspiel auf hoher See bei dem eine gutsituierte Segelurlauberin mit einem Flüchtenden in Seenot konfrontiert wird, und „Zentralflughafen THF“, der den auf Asyl Wartenden im Tempelhofer Flughafengebäude nahe kommt, während draussen am ehemaligen Flugfeld die naturgeschützen Feldlerchen brüten und Großstadtmenschen ihre Idee von Freiheit pflegen.

Thematisch etwas einsam steht die Doku „Shut Up and Play the Piano“ über den berauschenden Musiker Chilly Gonzales da, dürfte aber dafür umso unterhaltsamer werden.

Dass brisante Themen und Entertainment einander nicht ausschließen wird die japanische Dystopie „Yocho (Foreboding)“ (hoffentlich) zeigen: das Ende der Welt ist nah und man darf bequem vom Kinosessel aus dabei zusehen.

Auch wenn das Procedere im Panorama etwas lockerer daherkommt: Preise sind auch hier zu vergeben. Neben dem weltweit bedeutendsten queeren Filmpreis, dem Teddy Award, sind der GWFF Preis für den besten Erstlingsfilm und der Glashütte Dokumentarfilmpreis, beide mit € 50.000,- dotiert, sicher die begehrtesten Auszeichnungen dieser Schiene.

Sieger der Herzen wird vermutlich jedoch der Gewinner des Panorama Publikumspreises werden. Eine Jury kann irren, die voraussichtlich mehr als 20.000 Kinogeher, die auch heuer wieder ihre Stimme abgeben werden, wohl kaum.

Panorama

Garbage (Indien, Regie: Qaushiq Mukherjee)
Invasion (Iran, Regie: Shahram Mokri)
Horizonti ( S/GE, Regie: Tinatin Kajrishvili)
Jibril (Deutschland, Regie: Henrika Kull)
When the Trees Fall ( Pol/MK/UA, Regie: Marysia Nikitiuk)
Land ( I/F/NL/ Mex, Regie: Babak Jalali)
Lemonade ( D/CAN/S/ RO, Regie: Ioana Uricaru)
Malambo, El Hombre Bueno (Malambo, the Good Man) (Argentinien, Regie: Santiago Loza)
Marilyn ( Arg/Chl, Regie: Martín Rodríguez Redondo)
Mes provinciales - A Paris Education (Frankreich, Regie: Jean-Paul Civeyrac)
La omisión (Argentinien, Regie: Sebastián Schjaer)
Die Reise nach Sundevit (Deutschland, Regie: Heiner Carow)
River's Edge (Japan, Regie: Isao Yukisada)
Boys Cry - La terra dell'abbastanza (Italien, Regie: Damiano D'Innocenzo, Fabio D'Innocenzo)
Hard Paint (Brasilien, Regie: Filipe Matzembacher, Marcio Reolon)
Trinta Lumes (Spanien, Regie: Diana Toucedo)
Xiao Mei (Taiwan, Regie: Maren Hwang)

Panorama Special

L'Animale (Österreich, Regie: Katharina Mückstein)
Sunday's Illness (Spanien, Regie: Ramón Salazar)
Genesis (Ungarn, Regie: Árpád Bogdán)
Human, Space, Time and Human (Korea, Regie: Ki-duk Kim)
Ondes de choc - Journal de ma tête (Schweiz, Regie: Ursula Meier)
Ondes de choc - Prénom: Mathieu (Schweiz, Regie: Lionel Baier)
Rou qing shi: Girls Always Happy (China, Regie: Yang Mingming)
Profile ( USA/UK/CY, Regie: Timur Bekmambetov)
Styx ( A/D, Regie: Wolfgang Fischer)
Yardie (Großbritannien, Regie: Idris Elba)
Yocho (Foreboding) (Japan, Regie: Kiyoshi Kurosawa)

Panorama Dokumente

What Comes Around ( Gri/Slo/Ägy/ RL/QA, Regie: Reem Saleh)
When the War Comes ( CZ/HR, Regie: Jan Gebert)
Bixa Travesty (Tranny Fag) (Brasilien, Regie: Kiko Goifman, Claudia Priscilla)
Ex Pajé (Ex Shaman) (Brasilien, Regie: Luiz Bolognesi)
Familienleben (Deutschland, Regie: Rosa Hannah Ziegler)
Game Girls ( D/F, Regie: Alina Skrzeszewska)
Generation Wealth (USA, Regie: Lauren Greenfield)
Hotel Jugoslavija ( CH/SRB, Regie: Nicolas Wagnières)
I See Red People ( F/Bul, Regie: Bojina Panayotova)
Kinshasa Makambo ( D/CH/F/ Nor/QA/CGO, Regie: Dieudo Hamadi)
Matangi/Maya/M.I.A. ( USA/UK, Regie: Stephen Loveridge)
Obscuro Barroco ( F/Gri, Regie: Evangelia Kranioti)
Partisan: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992-2017 (Deutschland, Regie: Matthias Ehlert, Lutz Pehnert, Adama Ulrich)
O Processo (Brasilien, Regie: Maria Ramos)
Shakedown (USA, Regie: Leilah Weinraub)
Shut Up and Play the Piano ( D/F/UK, Regie: Philipp Jedicke)
The Silence of Others ( USA/E, Regie: Almudena Carracedo, Robert Bahar)
The Silk and the Flame (USA, Regie: Jordan Schiele)
That Summer ( USA/S/DK, Regie: Göran Olsson)
Zentralflughafen THF ( D/F/BRA, Regie: Karim Ainouz)
Der Autor
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deutobald

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