Neu im Kino
Neu im Kino (KW 49/2017)

Neu im Kino (KW 49/2017)

Kalt/Warm geben es uns die Kinofilme in dieser Woche – ganz wörtlich auf den Gipfeln eisiger Berge und ein anders Mal ganz tief drinnen in uns selbst, abgründig, tiefsinnig und manchmal auch einfach nur flach(gelegt).
Über die erstaunlich kurze Halbwertszeit von Weihnachtskomödien wurde ja schon des Öfteren diskutiert und dennoch findet sich im Kinoprogramm der Vorweihnachtszeit alljährlich immer wieder dieser eine Typ Film wieder, den man sich außerhalb dieser Zeit niemals anschauen würde. Und doch scheint es ihn zu geben, weil es ihn offenbar braucht um angesichts der weit verbreiteten Spannung zwischen einer Haltung des Feiern-Müssens und des Feiern-Wollens mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben. „Daddy's Home 2“, die Fortsetzung der gleichnamigen Komödie, fällt für mich in diese Kategorie. Wenn der Vater der Kinder gemeinsam mit deren Stiefvater und den Kindern Weihnachten feiern soll ist das genug Zündstoff für allerlei Peinlichkeiten. Wie schlimm muss es nun sein, wenn deren Väter auch noch dazu kommen? Mark Wahlberg, Mel Gibson, Will Ferrell und John Lithgow werden dafür sorgen, dass der Film trotz der einigermaßen flachen Witze gerade jetzt vor Weihnachten unterhaltsam sein dürfte.

Nur in Wien und Oberösterreich wird ab Freitag hingegen mit „Fikkefuchs“ eine ganz andere Vater-Sohn-Beziehung gezeigt, in der der Thorben (Franz Rogowski, zuletzt in „Viktoria“ zu sehen) seinen Vater (Jan Henrick Stahlberg) nicht nur mit seiner eigenen Existenz konfrontiert, sondern ihm (der in seiner Jugend ein Parade-Frauenheld gewesen war) eröffnet, Tipps für ein befriedigendes Sexualleben zu brauchen. Das Resultat ist zwar alles andere als politisch korrekt, aber zugleich höchst befreiend, wie es scheint.

Nicht nur Ebeneezer Scrooge in Charles Dickens „Der Weihnachtsabend“ bekommt rund um Weihnachten plötzlich mit Geistern zu tun. In dem höchst beeindruckenden Drama „A Ghost Story“ kehrt nämlich der verstorbene C (Casey Affleck) als Geist in sein Haus zurück und beobachtet seine Frau (Rooney Mara) dabei, wie sie nach seinem Tod mit ihrem Leben vorankommt. Der Film von Regisseur David Lowery („Elliott, der Drache“) ist zur Gänze aus der Sicht des Geistes erzählt und bietet eine ungewöhnliche und sicherlich faszinierende neue filmische Perspektive auf das Thema von Verlust und Trauer.

Schmerz und Todesangst, Trauer und Zorn und zugleich: unüberwindbare Liebe für das Leben sind die Zutaten zu dem wohl beeindruckendsten Drama dieser Woche, wenn nicht seit langem. In „Die Lebenden reparieren“ erzählt die Regisseurin Katell Quillévéré das tragische Schicksal des Jugendlichen Simon (Gabin Verdet), der nach einem Autounfall klinisch tot ist und jener Menschen, dessen Leben er als Organspender retten könnte. All das Schöne des Lebens, die Liebe, die Leidenschaft und jugendliche Unbeschwertheit treten in Kontrast mit dem Schmerz und der ohnmächtigen Wut seiner Eltern (beeindruckend: Emmanuelle Seigner und Tahar Rahim) angesichts seines Todes und der Situation seiner potentiellen Organempfänger. Alle Personen der Geschichte sind letzten Endes miteinander verbunden – ein filmisches Konzept, das nicht wirklich neu ist, aber in diesem Fall wirklich zu funktionieren scheint.

Und auch wenn im Tal kein Schnee zu liegen kommt so sind die Berge mit den schneebedeckten Gipfeln ein fixes Bild für unsere Vorstellung von Winter und Weihnachten im weitesten Sinne. Kein Wunder also, dass gleich drei Filme in dieser Woche mit den Bergen zu tun haben.

Da ist zum ersten das amerikanische Drama „Zwischen zwei Leben - The Mountain Between Us“ mit Kate Winslet und Idris Elba („Star Trek Beyond“, „Thor: Ragnarok“) zu nennen, in dem zwei gestrandete Passagiere spontan einen Privatflieger anheuern, um doch noch an ihr Ziel zu kommen und unterwegs nach einem Flugzeugabsturz in den Bergen ums Überleben kämpfen müssen.

Dann gibt es für uns Österreicher ein Stück Alpingeschichte aufzuarbeiten, wenn Regisseur Felix Randau in „Der Mann aus dem Eis“ zu rekonstruieren versucht, welche Ereignisse dem Tod des als „Ötzi“ bekannt gewordenen, mumifizierten Ur-Tirolers voran gegangen sein könnten.

Und schließlich startet jetzt auch in Graz die australische Dokumentation „Mountain“, die sich mit der Frage befasst, was uns Menschen eigentlich immer wieder dazu bringt, überhaupt auf Berge zu steigen und dafür übermenschliche Entbehrungen auf uns zu nehmen.

Und zu guter Letzt gibt es noch mit „Radiance“ ein japanisches Drama rund um einen Fotografen, der seine Sehkraft verliert und sich in eine Audiokommentar-Sprecherin verliebt, auf die er bald mehr angewiesen sein würde als ihm zuerst bewusst ist.

Nur in ausgewählten Kinos (in Graz im Geidorfkino) zu sehen ist auch noch der französische Pilgerfilm „Footprints, der Weg deines Lebens“, in dem ein katholischer Priester eine Gruppe Männer über die alternative Südroute in Frankreich nach Santiago de Compostela führt.

Berge, Abgründe – was auch immer Euch mehr berührt: diese Kinowoche hat wirklich eine Menge zu bieten findet

Euer Harry.potter
Der Autor
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Harry.Potter

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