Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Erinnerungen an den Clown

Kobergs Klarsicht: Erinnerungen an den Clown

Alten Stoff wieder aufzugreifen ist es schwieriges Unterfangen, wenn das Publikum von damals zufrieden sein soll.
Ich weiß noch, dass ich sieben Jahre alt war, als ich „Es“ gesehen habe. Die alte Version, aus 1990. Ich war mit meinem Bruder und meinen Eltern auf einer dieser großen Familienfreizeiten, wo so viele Kinder herumlaufen, dass man sich der elterlichen Überwachung wunderbar entziehen kann. Ein paar Leute haben einen Fernseher ins Freie getragen und „Es“ angeschaut. Und ich saß im Dunkeln dahinter und hatte Angst.

Die erste „Es“-Verfilmung von Tommy Lee Wallace war für viele Kinder aus den mittleren 80ern der erste prägende Horrorfilm. Ein Film, über den heute noch immer wieder einmal wo geplaudert wird, den viele nie bis zu Ende gesehen haben und der uns an das Gruseln unserer Jugend erinnert. Ein Nostalgie-schwangeres Stück Filmgeschichte also. Und ein mutiger Schritt, diesen Stoff jetzt ins Kino zu bringen.
Mutig deswegen, weil es nicht einfach ist, Nostalgie gerecht zu werden. Um heute einen Film zu drehen, der das Publikum von damals zufriedenstellt, genügt es nicht, den Film von damals zu studieren. Womit man sich auseinandersetzen muss, sind die aktuellen Erinnerungen an den Film. Die haben sich über die Jahre nämlich auch verändert. Und sie wollen zufriedengestellt werden.

Vor einer ähnlichen Herausforderung – gebunden an eine andere Generation – steht Dennis Villeneuves „Blade Runner 2049“. Ridley Scotts originaler „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982 ist heute viel mehr als der Film, der er damals war; beladen mit Nostalgie, Fankultur und anderen Aufmerksamkeiten, die Nerds so gerne an Produkte der Unterhaltungsmedien verteilen.
Wie sehr die Weiterführung alter Ideen schief gehen kann zeigen für mich die Pierce Brosnan-Bonds, allen voran „Der Morgen stirbt nie“ der für mein vierzehnjähriges Ich ein peinlicher Versuch war, alte Bond-Ästhetik in neue Filme zu verpacken. Besser ist das in meinen Augen „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ gelungen. Das hat den Star Wars-Fan in mir abgeholt und soweit mitgenommen, dass ich nach „Rogue One: A Star Wars Story“ auch schon freudvoll auf die nächste Episode warte.

Dass das zwei strittige Beispiele sind ist mir vollstens bewusst. So soll es auch sein, denn genau da liegt Hund mit der Nostalgie begraben: Schöne Erinnerungen an liebgewonnene Filme wandeln sich mit der Zeit und den Menschen. „Es“ habe ich seit meiner Volksschulzeit nicht mehr gesehen. Aber ich Erinnere mich an die faszinierende Panik, die dieser Clown in mir aufsteigen hat lassen. Die hätte ich gern wieder, wenn ich nächste Woche im Kino sitze um „Es“ sehe. Und dieses Bedürfnis ist wahrscheinlich ganz ein anderes, als das einen echten Stephen-King-Fans oder von jemandem, der 1990 schon über die Pubertät hinaus war. Alles gemeinsam lassen wir uns wohl nicht zufriedenstellen, aber der einen oder anderen nostalgischen Erinnerung sollten Filme wie „Es“ und „Blade Runner 2049“ gerecht werden, um Erfolg zu haben.