Kobergs Klarsicht
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Kobergs Klarsicht: Rumoren im Sommerloch

Die Sommer-Blockbuster überraschen dieses Jahr mit erfreulich starken Frauenfiguren.
Unter Feministinnen und Feministen ist die Freude groß, über Wonder Woman, die schöne, kämpfende Halbgöttin. Das ist auf der einen Seite ein bisschen traurig. Weil es zeigt, wie ungewöhnlich es immer noch ist, dass eine Frau auch einmal auf den Tisch haut und die Welt rettet. Und auf der anderen Seite ist es natürlich mehr als verständlich. Weil es trotz ein paar löblichen Ausnahmen und ein paar zurecht verdrängten Erinnerungen (Catwoman) immer noch viel zu ungewöhnlich ist, starke Frauen in Action-Filmen zu zeigen.

Während Wonder Woman diesbezüglich viel mediale Aufmerksamkeit zukommt, hat auch eine andere Reihe still und heimlich die selbsttätige Frau als Figur entdeckt. Und das kam mehr als unerwartet. Vivienne Wembley (Laura Haddock), die weiblich Hauptrolle in „Transformers: The Last Knight“, ist natürlich wunderschön und sie trägt auch gerne Kleider, die wenig der Fantasie überlassen. Aber sie darf schon in ihrer ersten Szene als Sportlerin glänzen, unterrichtet an einer Universität und verwehrt sich stur gegen ihre Mutter, die sich ausschließlich für potenzielle Schwiegersöhne und kein bisschen für die Arbeit ihrer Tochter interessiert. Für eine Filmreihe, die ihre Auseinandersetzung mit dem weiblichen Geschlecht bislang weitgehend auf – zugegebener Maßen innovative – Kamerafahrten rund um sekundäre Geschlechtsmerkmale fokussierte, ist das schon ein großer Schritt. Aber die kluge, sture, schöne Frau ist auch noch wehrhaft und im entscheidenden Moment mutiger als ihr männliches Gegenüber (Mark Wahlberg). Und sie ist nicht die einzige starke weibliche Rolle im Film. Denn da ist auch noch ein ziemlich starrsinniges Mädchen, das in Eigenregie die entscheidende Wende in der Schlacht um die Erde herbeiführt.

Macho-Idol Michael Bay tritt da ein Stück weit in die Fußstapfen von George Miller (Mad Max: Fury Road) und lässt seine Helden auch einmal vor Angst schreien und der voranpreschenden Frau nachlaufen. Während andernorts schon wieder ein oft unreflektierter Rückgang feministischer Einflüsse zu beobachten ist, ist das Action-Kino seit längerem auf einem, wenn auch langsamen, dann doch fortschrittlichen Weg. Wenn aus den zwei gängigen Heldinnen-Typen (brünette, durchtrainiert, vollbusig und blond, durchtrainiert, vollbusig) jetzt noch ein paar mehr entstehen, darf getrost von Fortschritt die Rede sein. Als Anregung lohnt sich ein Blick über die Formatgrenzen, zu Serien wie „Game of Thrones“.
Der Autor
Koberg2016
DerKoberg


Forum

  • Es ist nicht alles Gold was glänzt

    Über die neue Transformers Schandtat von Bay kann ich nicht sagen, da ich als G1-Transformers Liebhaber mich dieser Inkarnation verwehre, aber im Gegensatz zum Mainstreampublikum ... fand ich Wonder Woman schrecklich.

    Es ist vollkommen in Ordnung einen Charakter der zum ersten Mal in einer neuen Umgebung ist als naiv zu zeichnen, aber in diesem Film wirkte sie auf mich hauptsächlich als starrsinnige Tötungsmaschine oder "Cheescake" ohne Gravitas. Als Comic- und DC-Animationsfilm-Fan kenne ich bessere Darstellungen dieses Charakters.

    Aber auch ich hoffe auf Besserung in Zukunft, denn was wir momentan im Kino sehen, kann nicht der Zenit der Darstellung von weiblichen Charakteren sein.

    Ich habe mir hier vor ein paar Wochen einmal Gedanken darüber gemacht, welche Comic-Heldinnen ich gerne auf der großen Leindwand sehen würde und wieso:

    https://youtu.be/0PawTbnblZY
    Czpkg7FXAAEGrSW
    10.07.2017, 14:07 Uhr
  • Reduzieren

    So einfach sollte man die verschiedenen Arten von Heldinnen nicht reduzieren. Es gibt ja auch noch schwarzhaarig, durchtrainiert, vollbusig, und rothaarig, durchtrainiert, vollbusig. :)
    Wobei auf das vollbusig würde ich mich bei Actionheldinnen jetzt gar nicht so festlegen. Man denke nur an Kate Beckinsale, Zoe Saldana, Milla Jovovich, ...
    carrie
    06.07.2017, 19:46 Uhr
    • ertappt

      Ja, ich gebe zu, da habe ich ein bisschen pauschalisiert ;)
      Koberg2016
      09.07.2017, 15:54 Uhr