Wien, Festivals
FrauenFilmTage 2017

FrauenFilmTage 2017

Im Metrokino in Wien heißt es bis 9. März „Selbst ist die Frau – im Kino, in der Liebe, im Leben“
Bereits zum 14. Mal finden momentan die FrauenFilmTagen in Wien statt, einem Festival das filmische Werke präsentiert, die in Schlüsselpositionen von Frauen geschaffen wurden. Dabei geht es einerseits um österreichisches Kino von Frauen, wobei auch einige Premieren mit dabei sind, und andererseits wird ein breit gefächertes Programm an internationalen Produktionen der letzten Jahre, die nicht nur von Frauen gemacht sind, sondern sich teils auch um starke Frauen, deren Probleme und Lösungen drehen, gezeigt.

Dieses Jahr legt das Festival einen besonderen Schwerpunkt auf amerikanische Spielfilm-Debüts: In der Coming-of-age Komödie „The Edge of Seventeen“ muss sich Hailee Steinfeld mit Teenager-Problemen herumschlagen, wird dabei aber von ihrem schrulligen Professor aufgemuntert. Der Thriller „Always Shine“ von Sophia Takal portraitiert auf packende Weise zwei konkurrierende Schauspielerinnen, deren gemeinsamer Urlaub zum Horrortrip wird, und in „Claire in Motion“ sucht eine Mathematikprofessorin (Betsy Brandt, die kleptomanische Marie aus „Breaking Bad“) ihren im Wald verschwundenen Mann.

Der spanischen Regisseurin Isabel Coixet ist dieses Jahr ein Tribute gewidmet, wobei sie auch in Wien zu Publikumsgesprächen anwesend sein wird. Ihr Biopic „Nobody Wants the Night“, das 2015 die Berlinale eröffnete zeigt Juliette Binoche auf einer eisigen Reise an den Nordpol. „Eine Karte der Klänge von Tokio“ (lief bei den Filmfestspielen von Cannes) ist eine Liebeserklärung an diese Stadt, in der eine scheue Auftragskillerin eines Tages ihren Auftrag nicht ausführt, und „Learning to Drive - Fahrstunden fürs Leben“ erzählt humorvoll, wie eine Frau nach Ehebruch wieder die Fassung über das eigene Leben bekommt, in dem sie von einem Inder das Fahren – und Gelassenheit lernt.

Die Spielfilmselektion führt uns weiter um den Globus: Aus Nigeria kommt „Happiness Is a Four-letter Word“, in dem befreundete Frauen auf unterschiedliche Art mit Männern umgehen, und ihr Leben in die Hand nehmen. Die Produzentin Bongiwe Selane wird uns persönlich Fragen dazu beantworten. Ein teils gelähmtes und hochtalentiertes Mädchen kommt in „Margarita with a Straw“ von Indien nach New York, um dort zu studieren und sich zu verlieben.

Abgerundet wird die Auswahl mit drei Filmen über die Beziehung (werdender) Eltern zu ihren Kindern: Marie Kreutzer stellt in „Was hat uns bloß so ruiniert?“ das Leben dreier befreundeter Paare, die Kinder bekommen auf dem Kopf. Von Soldaten vergewaltigte Nonnen in Polen müssen sich erstmals mit der Tatsache überhaupt Kinder zu bekommen abfinden, und werden dabei unterstützt von Lou de Laâge als Krankenschwester in Anne Fontaines neuem Drama „Agnus Dei - Die Unschuldigen“. In „Der Himmel wird warten“ von Marie-Castille Mention-Schaar (Die Schüler der Madame Anne) müssen verzweifelte Mütter mit dem Verlust ihrer Töchter an den islamischen Staat umgehen.

Nicht zuletzt beweist das Festival mit einigen bemerkenswerten Dokumentarfilmen einen unverzichtbaren Zeitgeist: Am internationalen Frauentag wird mit „Warum Frauen Berge besteigen sollten“ ein Portrait von Gerda Keller, feministische Historikerin, Autorin und Sozialreformerin gezeigt, wobei auch die Regisseurin Renata Keller anwesend sein wird. Eine Österreichpremiere feiert der Film „Eva Hesse“ von Marcie Begleiter, bei dem es um die Arbeit einer Künstlerin geht, die in den 60er Jahren die US-Kunstszene umkrempelte. Ein Sommer der Hoffnung 2011, ein Herbst der Arbeit, einen Winter der Verzweiflung und ein Frühling der Demokratie 2014 wird hautnah mit zwei Tunesierinnen erlebt in „A Revolution in Four Seasons“, dessen Regisseurin Jessie Deeters auch anwesend sein wird.

Die FrauenFilmTage und alle damit verbundenen Publikumsgespräche finden von 2. bis 9. März 2017 im METRO Kinokulturhaus in Wien statt.
Die Autorin
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LucyVonTrier

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