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Heidi@Home: Could you double check the envelope?

Scorseses Appell von 2007 wurde bei der Oscarverleihung 2017 leider verabsäumt #envelopegate
Vor genau zehn Jahren war die Oscarverleihung ein denkwürdiger Abend für Kult-Regisseur Martin Scorsese. Nachdem er zum achten Mal für einen Oscar nominiert war, hat er diesen dann auch wirklich für seine Arbeit in „Departed - Unter Feinden“ erhalten. Als die Regie-Stars George Lucas, Steven Spielberg und Francis Ford Coppola ihn auf die Bühne riefen, war seine erste Bitte: „Can you double check the envelope?“ Weil er es nicht glauben konnte, dass er tatsächlich gewonnen hatte. Eine Bitte, der man auch 2017 Folgen leisten hätte sollen, dann wäre nicht das passiert, was passierte, nämlich, dass Warren Beatty am Ende einen falschen Film in der Königsdisziplin als Sieger ausrief.

Es war ein denkwürdiger Moment, kurz nach sechs Uhr früh mitteleuropäischer Zeit. Ich bin gerade noch am Sofa gesessen und hab mich ehrlich über den Erfolg von „La La Land“ gefreut, habe mir sogar noch gedacht, endlich mal ein Gewinner, dessen Film mein ganzes Herz gehört. Dann bin ich Kaffee machen gegangen und habe den Fernseher laufen gelassen und plötzlich war da eine riesige Aufregung und der Produzent von „La La Land“, der gerade noch seine Dankesrede gehalten hat, sagte, „This is no joke. Moonlight – you guys won best picture.“ Und ich so: „What?“ Und ganz Twitter auch so „WHAT?“ Und keiner konnte das glauben. Dann kam Moderatorin Jimmy Kimmel und versuchte die Situation mit Witz zu retten. Er gab die Schuld Steve Harvey, der im Jahr 2015 bei der Miss Universum Wahl auch zuerst eine falsche Siegerin aufgerufen hatte. Dann meinte Kimmel, eigentlich seien beide Filme toll, und es sollten alle den Oscar bekommen und am Ende in wilder Verzweiflung: „I knew I would screw this show up. I promise, I’ll never come back.“

Für Kimmel war die Verwechselung der Umschläge aber eigentlich ein Positivum. Er konnte sich in den letzten Minuten der Award Show, die eigentlich schon so gut wie gelaufen war, profilieren und seine solide, aber eher unspektakuläre Performance sehr souverän und sympathisch abrunden. Und nach der Show, als er gefragt wurde, warum Warren Beatty nicht einfach sofort gesagt hatte, dass er ein falsches Kuvert bekommen habe, meinte er trocken: „Warren Beatty has had so much sex, he cannot think about it right. This is a guy, who probably never had to sign anything.“ Der von ihm angesprochene Steve Harvey wiederum twitterte Beatty solle sich bei ihm melden. Er würde ihm gerne helfen mit der Situation umzugehen. Was also aus der Panne heraus also entstand, war eine (selbst)ironische Aufarbeitung derselben.

Auf den Social-Media-Kanälen begaben sich alle Interessierten auf die kreative Spielwiese. Diverse Memes entstanden mit Dingen, die da angeblich auf dem nachträglich hervorgezogenen Zettel standen, beispielsweise „Batman vs. Superman - Dawn of Justice“ als bester Film (in Wahrheit wurde der mit einigen Razzies ausgezeichnet) oder Hillary Clinton als neue US-Präsidentin. Schauspieler und Regisseure fragten sich scherzhaft, ob sie einen Anwalt einschalten sollten um zu prüfen, ob sie Jahre zuvor eventuell fälschlicherweise nicht ausgezeichnet wurden – keiner von denen hatte offensichtlich die österreichische Bundespräsidentschaftswahl mit den Briefwahl-Kuvert Chaos und der angefochtenen Stimmauszählung verfolgt. Wir Österreicher machen das nämlich wirklich!

Für die direkt Beteiligten war die Sache natürlich weniger lustig. Die falschen Sieger mussten ihre Oscars an das Team von „Moonlight“ weitergeben und für die Produzenten von „Moonlight“ wäre es wohl auch schöner gewesen, den Preis standesgemäß in Empfang zu nehmen, aber letztendlich haben alle die Situation in schönster Hollywood-Manier mit großen Gesten und „Drama, Baby, Drama“ gemeistert. Quasi ein Hollywood-Ende, für das auch der ausgezeichnete Regisseur Damien Chazelle verantwortlich zeichnen könnte. Wenn Ihr „La La Land“ noch nicht gesehen habt, dann kann ich euch nur raten, es zu sehen. Ich werde dafür „Moonlight“ nachholen.

Wie hat Euch die 89. Oscarverleihung gefallen?
Die Autorin
heidi
Heidi@Home


Forum

  • Faye Dunaway

    Auch hier wie in jedem Artikel sonst den ich gefunden habe. Faye Dunaway war mit auf der Bühne und war sogar diejenige die gesagt hat "La La Land". Nicht dass jetzt einer der beiden schuld ist, nur interessanterweise wird sie immer außen vor gelassen.
    FB_IMG_1488131140415
    01.03.2017, 19:15 Uhr
    • Meine Wahrnehmung...

      ...war die, dass Beatty präsentieren wollte und erst als er gemerkt hat, dass da was faul ist, den Ball an Faye Dunaway rübergeschoben hat. Und das auch sehr/zu subtil, sie hat sein Zweifeln offenbar missverstanden.

      Ihre Reaktion war selbstverständlich auch falsch, aber gefühlt hatte er schon vorher die Verantwortung übernommen ;-)
      heidi
      02.03.2017, 17:02 Uhr
    • What we've got here

      is failure to communicate. ;)
      Banner_Batterien
      04.03.2017, 16:35 Uhr
    • Schon richtig...

      Das ist schon richtig dass er gleich etwas sagen hätte sollen. Aber in Zukunft wird es nicht mehr passieren, da werden die Präsentatoren lieber die Show verzögern bzw. unterbrechen als dass sie sich nicht sicher sind...
      FB_IMG_1488131140415
      06.03.2017, 11:48 Uhr
  • Oscars 2017

    waren insgesamt eine mittelspannende Veranstaltung bis zur berühmten Panne. Was Besseres konnte dem Event nicht passieren. Perfektion und Vorhersehbarkeit lassen den Zauber verblassen. Eine "menschliche" Aktion bringt wieder Leben ins Spiel und das tut gut!
    leander-caine
    01.03.2017, 06:53 Uhr