Berlinale 2017
Berlinale 2017 – Die Serien

Berlinale 2017 – Die Serien

Sam Riley als Ermittler in einem von Nazis besetzten England oder Einblicke in die Machenschaften eines arabischen Clans in Neukölln – auch Serienliebhaber bekamen bei der diesjährigen Berlinale ein buntgemischtes Programm an Erstaufführungen geboten.
Im Rahmen der Schiene „Berlinale Special Series“ wurden in diesem Jahr wieder neue Serienproduktionen aus aller Welt präsentiert. Eingeleitet wurde das Ganze am Dienstag mit der Weltpremiere der ersten zwei Episoden des BBC-Fünfteilers „SS-GB“. Basierend auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1978 wird der Zuschauer nach Großbritannien im Jahre 1941 zurückverfrachtet, welches in dieser alternativen Realität jedoch von den Deutschen belagert und regiert wird. Im Mittelpunkt der Geschichte steht hier Detective Douglas Archer (Sam Riley), der nach einem mysteriösen Mordfall die Ermittlung dazu leitet und dadurch in die Abgründe der Korruption gerät. Auch wenn der Start der Serie ein wenig unter einem zähen Pacing leidet und das Ganze in Momenten überladen wirkt, wecken die ersten beiden Folgen durch einen überzeugenden Cast und einer besonders authentischen Kulisse dennoch Interesse im Zuschauer.

Auch Österreich hatte mit Marvin Kren in der Regie immerhin Beteiligung bei einer der gezeigten Serien: „4 Blocks“. Die von TNT Serie produzierte 6-teilige Miniserie erzählt die Geschichte von Ali „Toni“ Hamady (Kida Khodr Ramadan), der eigentlich seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen wollte, um seiner Frau und Tochter ein sicheres Leben zu gewähren. Als jedoch sein Schwager festgenommen wird, fühlt er sich dazu gezwungen die Familiengeschäfte des Mafia-Clans der Hamadys zu übernehmen. Dadurch gerät Toni zurück in eine Welt, in der Moral ein Fremdwort ist und Erpressung, Folter oder gar Totschlag an der Tagesordnung stehen. In weiteren Hauptrollen sind unter anderem Frederick Lau („Victoria“) als Tonis einstiger Jugendfreund Vince, den er seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat, und Rapper Veysel, der Abbas, den hoch-aggressiven Bruder des Protagonisten mimt, zu sehen. Angetrieben von sehr überzeugenden darstellerischen Leistungen und einem energiereichen Tempo, ist Marvin Kren ein zugleich spannender wie auch unterhaltsamer Serien-Start gelungen, der sich keineswegs vor internationalen Genre-Produktionen verstecken muss und in einem das Verlangen nach mehr weckt. Am 08.01. feiert das vielversprechende Gangster-Drama seine TV-Premiere auf TNT Serie. Absolut empfehlenswert!

Bei „4 Blocks“ handelte es sich jedoch nicht um die einzige deutschsprachige Produktion im Programm: der deutsch-tschechische Dreiteiler „Der gleiche Himmel“ erzählt unter Regie von Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) vom Romeo-Agenten Lars Weber (Tom Schilling), der nach West-Berlin eingeschleust wird. Dort soll er die NSA-Agentin Lauren Faber (Sofia Helin) verführen, um an vertrauliche Informationen des britischen Geheimdienstes zu gelangen. Die Mission entgleist jedoch in eine andere Richtung, als geplant. Auch hiervon wurden dem Publikum die ersten zwei Episoden präsentiert.

Zudem wurde der 85-minütige Pilot der ersten Staffel des dänischen Thriller-Dramas „Below the Surface“ gezeigt, welches von einer Geiselnahme in einer U-Bahn erzählt. Die Entführer verlangen im Gegenzug zur Freilassung der insgesamt 15 Opfer ein hohes Lösegeld, welches die Regierung jedoch verweigert zu bezahlen. In Zuge dessen wenden sich Angehörige der Entführten an eine TV-Moderatorin, die dem Verhalten der Politiker und dem Geschehen rundherum mehr mediale Aufmerksamkeit beschaffen möchte.

Eine einzige US-Produktion feierte im diesjährigen „Berlinale Special Series“ seine Premiere und zwar die Amazon-Produktion „Patriot“. Das Seriendrama handelt vom Agenten John (Michael Dorman), dessen neuester Auftrag mit auf einem vermeintlichen Nukleardeal mit dem Iran basiert. Um an exklusive Informationen zu kommen, wird er in eine verdächtige Firma eingeschleust. John selbst würde sich jedoch weit lieber seiner Karriere als Folk-Musiker widmen. Es wurde die erste Folge in Spielfilmlänge gezeigt.
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