Berlinale 2017
Die Jury der Berlinale 2017

Die Jury der Berlinale 2017

Qualität und Politik – bei der heurigen Berlinale wird die internationale Jury beides in den Wettbewerbsfilmen vorfinden. Die Berlinale bietet laut dieser als mutiges vielfältiges Filmfestival Filmemachern die dafür nötige politische Plattform. Man sei bereit, deren Botschaften zu empfangen.
24 Filme im Wettbewerb, 18 davon in Konkurrenz um den Goldenen und Silbernen Bären und sieben Männer und Frauen, die entscheiden, wer diese Preise erhalten wird. Auch heuer sitzt wieder eine internationale Jury dem Wettbewerb der Berlinale vor.

Die Position des Jury-Präsidenten übernimmt diesmal der Regisseur Paul Verhoeven. Bekannt ist Verhoeven besonders für seine Hollywoodwerke „RoboCop“ (1987), „Total Recall – Die totale Erinnerung“ (1990), „Basic Instinct“ (1992), sowie „Starship Troopers“ (1997) und „Hollow Man – Unsichtbare Gefahr“ (2000). 2006 verließ er Hollywood und dreht seither wieder in Europa. Derzeit ist sein Film „Elle“ in aller Munde, dessen Hauptdarstellerin Isabelle Huppert kürzlich einen Golden Globe gewann und nun auch für den Oscar nominiert ist. Der Film selber konnte den Golden Globe für den besten ausländischen Film für sich verbuchen.

Ebenfalls in der Jury vertreten ist die tunesische Produzentin Dora Bouchoucha Fourati. Zu den von ihr produzierten und co-produzierten Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Kurzfilmen gehören Raja Amaris „Roter Satin“ (2002), Djamila Sahraouis „Barakat!“ (2006) sowie Raja Amaris „Buried Secrets“ (2009) und „Foreign Body“ (2017). Seit 2014 ist sie die Präsidentin von Aide aux Cinemas du Monde.

Olafur Eliasson ist das einzige Jury-Mitglied, das nicht im Filmbusiness tätig ist, sondern aus den Bildenden Künsten kommt. Sein Werk „The weather project“ sahen über zwei Millionen Menschen. Mit seinen Skulpturen, Installationen, Gemälden, Fotografien und Filmen, die sich immer wieder mit physikalischen Phänomenen in der Natur, aber auch mit dem Klimawandel auseinandersetzen, gehört er zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern.

Die US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal gehört zu den bekannteren Gesichtern in der internationalen Jury. Ihre erste größere Rolle hatte sie an der Seite ihres Bruders Jake in „Donnie Darko“ (2001). Der Durchbruch gelang ihr mit der Hauptrolle in „Secretary“ (2002), für die sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Eine Oscar-Nominierung erhielt sie für „Crazy Heart“ (2009), Gyllenhaal ist ebenso als Theaterschauspielerin aktiv und immer wieder in Inszenierungen am Broadway zu sehen.

Die gebürtige Berlinerin Julia Jentsch feierte ihren Durchbruch mit dem Film „Die fetten Jahre sind vorbei“ (2004) und „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (2005), für den sie den Silbernen Bären der Berlinale, sowie den Deutschen und den Europäischen Filmpreis erhielt. Zuletzt stand sie für die Mini-Serie „Das Verschwinden“ von Hans-Christian Schmid vor der Kamera, die 2017 zu sehen sein wird.

Diego Luna feierte seinen Durchbruch mit „Y tu mamá también“ (2001) von Alfonso Cuarón. Seither spielte er in zahlreichen US-Produktionen, unter anderem „Frida“ (2002), „Terminal“ (2004), „Milk“ (2009), sowie „Rogue One: A Star Wars Story“ (2016). Seit 2010 arbeitet Luna auch als Regisseur und präsentierte seine Filme in Cannes, Berlin und beim Sundance Film Festival.

Der Regisseur Wang Quan’an legte 1999 seinen Debütfilm „Yue Shi“ vor, der auf verschiedenen Filmfestivals rund um die Welt mit Preisen bedacht wurde. Mit „Tuyas Ehe“ gewann er 2007 als dritter chinesischer Filmemacher in der Geschichte der Berlinale den Goldenen Bären. 2012 kehrte er mit der Romanverfilmung „Bai lu yuan“ erneut in den Wettbewerb zurück.

Gemeinsam konnte man diese bunt gemischte Truppe das erste Mal am 9. Februar antreffen. Zum Auftakt der Berlinale gab die Jury die erste Pressekonferenz des Filmfestivals. Die bereits im Vorhinein proklamierte „politische Ausrichtung“ des heurigen Festivals dominierte die Fragerunde. Verhoeven betonte, dass man auf die Qualität der Filme schauen wolle, nicht auf die politische Message, die sie eventuell tragen könnten. Bouchoucha Fourati sagte, dass das Kino seine Stimme für die Zustände in der Welt erheben müsse. Diego Luna formulierte es am treffendsten. Man sei hier, um zuzuhören und inspiriert zu werden. Man wolle Botschaften empfangen, nicht selber welche aussenden.

Für weiteren politischen Zündstoff sorgte die Frage, warum erneut keine russischen Filme gezeigt werden würden, ob man die russische Filmkunst für ungenügend halte, oder es ein politisches Statement sei. Obwohl vom Moderator klargestellt wurde, dass nicht die Jury die Filme aussuche, fügte Eliasson hinzu, dass er es toll finde, dass die russische Presse vor Ort ist, dass die Berlinale ein Ort der kulturellen Kooperation sei und ein mutiges Festival, das Menschen zusammenführe.

Gemäß jeder politischen Diskussion der letzten Wochen durfte auch die US-Politik nicht fehlen. Diego Luna antwortete auf die Frage, ob er in Bezug auf Berlin das Wort Mauer überhaupt noch hören könne, dass er hier sei um eine freundschaftliche und verbindende Botschaft zu schicken. Er selber fahre drei bis vier Mal im Monat in die USA, er verbinde viele positive Erfahrungen mit dem Land. Erfahrungen, die er sich nicht ruinieren lasse. Maggy Gyllenhaal betonte, wie wichtig es sei, als Amerikaner in Zeiten wie diesen auf einem internationalen Filmfestival zu sein. Die Menschen daheim in den USA seien weiter bereit, Widerstand zu leisten.

In Bezug auf die Filme hofft die Jury auf viele interessante und unterschiedliche Werke, auf Vielfalt und Emotionen. Es sollen Filme sein, die die Jury beschäftigen und zur Diskussion animieren. Man darf gespannt sein, welches Werk letztendlich all diese Eigenschaften in sich vereinen kann und den Goldenen Bären 2017 einheimsen wird.
Die Autorin
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susn

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