Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Traumfabrik

Kobergs Klarsicht: Traumfabrik

Filme können uns nicht nur Träume vermitteln, sie können auch dabei helfen, mit ihnen umzugehen.
Ich bin ja aus dieser Generation Y, die so viel vom Leben will und deshalb keine Zeit hat, 40 Stunden zu arbeiten. Wir wollen etwas Abwechslungsreiches machen, das uns erfüllt und gleichzeitig die Welt zu einem besseren Ort werden lässt. Und wir wollen Beziehungen führen, die uns im selben Moment Sicherheit bieten und uns herausfordern, die emotional knallen und gleichzeitig intellektuell jedes Doktorandenseminar überflügeln. Dass wir mit diesem Vorstellungskatalog gerne einmal auf die Nase fallen, ist wenig überraschend. Und dass wir uns ungern festlegen, weil ja noch etwas Besseres hinter der nächsten Ecke warten könnte, ist ein naheliegendes Symptom.

Pessimisten mögen das unverbesserlich nennen, aber ich bin überzeugt davon, dass es diese Träumer braucht. Ist das nicht auch die konsequenteste – wenn vielleicht auch naivste – Botschaft der Filmindustrie, dass man an seine Träume glauben soll und muss, damit sich etwas weiterbewegt? Wenn wir das wirklich wollen – sagt doch auch der Papa von Heath Ledger in „Ritter aus Leidenschaft“ – dann können wir unsere Sterne neu ordnen. Was auch immer das mit den Sternen zu tun haben soll, ich glaube er gibt mir recht.

Aber neben all der Träumerei muss schon auch klar sein, dass eben nicht immer alles so ausgehen kann, wie wir uns das ausmalen. Wer das auf die harte, cineastische Tour lernen will, muss nur „Zeiten des Aufruhrs“ hervorkramen. Regisseur Sam Mendes ist in der Sache recht unmissverständlich. Aber es geht auch sanfter: „Once“ ist der Beweis dafür, dass Liebesgeschichten auch schön sein können, wenn sie nicht im zeitlosen Glück enden und alle Wünsche in Erfüllung gehen lassen. Und mit „La La Land“ sollte klarwerden, dass Träume eben keine konkreten Handlungsanweisungen mitliefern und sich so auch gegenseitig im Weg stehen können.

Filme können so unmittelbar nachvollziehbar machen, dass es nicht um ein Entweder-oder geht: Entweder Träume gehen in Erfüllung, oder wir bleiben traurig und unzufrieden. Träume sind auch wertvoll, während sie noch solche sind; um immer wieder einen Anstoß zu geben, zum nächsten Schritt, zum Aufbruch und so weiter. Es ist doch schön, wenn da eine Generation zu sein scheint, der die Wünsche nicht ausgehen. Es muss halt nur möglich sein, am holprigen Weg zwischen all diesen Wünschen trotz allem zufrieden zu sein.