Natalie Portman war gleich mit mehreren Filmen in Venedig vertreten. Das war besonders für mich eine Möglichkeit, ihr schauspielerisches Können in unterschiedlichen Rollen zu vergleichen. Im amerikanischen Biopic „Jackie“ hat sie mich völlig überzeugt. Der Film ist ausgezeichnet durchgestaltet und erzählt, in einem intensiven Strang aus mehreren zeitlichen Ebenen, die gekonnt zusammengefügt wurden, wie die Präsidenten-Ehefrau Jackie Kennedy mit dem Tod ihres Mannes umging.
Im Gegensatz dazu verfolgt der englisch-französischsprachige „Das Geheimnis der zwei Schwestern“ fast gänzlich eine durchgehende Erzählebene, doch hinterlässt den Eindruck lose aneinander gehängter Szenen. Die Geschichte der zwei jungen Schwestern aus den USA, die in Frankreich Karriere im Filmbusiness und als Gehirn-Versuchskaninchen machen, hat etwas traumhaftes, und genau wie bei Träumen war vielen danach unklar, was dieser Film ausdrücken wollte.
Bei Terence Malick’s Film „Voyage of Time: Life's Journey“ war das schon klarer ersichtlich: Er wollte die Entstehungsgeschichte der Erde aufrollen, begonnen im Universum mit dem Urknall, bis hin zur heutigen Zerstörtheit von Mensch und Natur. Den letzteren Zustand stellt er in amateurhaft gefilmten Material den extrem ästhetischen Naturaufnahmen und metaphorischen Animationen gegenüber. Ich habe versucht, es wie eine Meditation zu genießen (saß in der ersten Reihe des Sala Grande), doch die sich wiederholenden Dialogfetzen, die Cate Blanchett im Off in den Mund gelegt wurden, machten es im Endeffekt etwas lächerlich.
Mein Highlight der Wettbewerbsfilme war „On the Milky Road“ aus Serbien. Was Kusturica hier wieder serviert, entspricht ganz seiner Manier: Liebenswert närrische Charaktere, bunte und detailreiche Szenerien, eine doppelte Hochzeit mit Flucht, ein alltäglich gewordener Krieg (ohne Rücksicht auf Verluste), viele Tiere in speziellen Rollen, und - das ist neu - ein brutales eigenwilliges Uhrwerk.
Zu guter Letzt beeindruckte mich noch ein Film aus meinem eigenen Wettbewerb, aus den Venice Days, der aus vielen Gründen außerordentlich gut war: „Hounds of Love“. Es ist das Debut des jungen Australiers Ben Young, der probieren wollte, einen kleinen Low-Budget-Film zu machen, und damit jetzt unerwartet die Welt bereist. In einem perfekten Zusammenspiel aus entsättigten 70-er Jahre Bildern und einem fesselnden elektronischen Soundtrack erzählt er die Geschichte eines jungen Mädchens, das von einem Pärchen gekidnappt wird und ihren Versuchen, aus deren Wohnung auszureißen. Was banal klingt, ist mit komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen, atemberaubend gespielt, durchwachsen und aufgewertet. Die Hauptdarstellerin gewann bei den Venice Days den FEDEORA-Preis für die beste Schauspielerin.







