Festivals, Venedig
Lucys Blick auf die Wettbewerbsfilme von Venedig

Lucys Blick auf die Wettbewerbsfilme von Venedig

Francois Ozon präsentiert einen romantischen Film in Zeiten nach dem Krieg, Dakota Fanning ist im Western „Brimstone“ eine Kämpferin und „The Light Between the Oceans“ stellt sich als eher ernüchternd heraus.
Aus dem offiziellen Wettbewerb habe ich bis jetzt „The Light Between Oceans“ gesehen, von dem ich aufgrund seiner eintönigen Story und den eindimensionalen Charakteren eher enttäuscht war. Alicia Vikander hatte schon bessere Performances, vielleicht lag es aber auch an ihrem einfach gestrickten Charakter, dass ich sie uninteressant fand. Rachel Weisz spielt zwar gut, aber gleicht sehr stark ihrer generell typisch leidenden Rolle. Das Beste daran war vermutlich noch das Schauspiel von Michael Fassbender in einer eher wortkargen und bescheidenen Rolle, all das jedoch überdeckt von massenhaft Lenseflares.

Ausserdem: „Frantz“, das neue zweisprachige Drama von François Ozon. Meine Erwartungen waren sehr hoch, da ich begeistert von Filmen wie „In ihrem Haus“ oder „Jung und Schön“ war, doch so ganz wurden sie nicht befriedigt. Die Geschichte spielt im Jahr 1919 direkt nach dem Krieg, und dreht sich um eine Liebe zwischen Deutschland und Frankreich, die allen Vorurteilen widersteht. Die visuelle Idee eine Mischung aus Schwarz-Weiss-Szenen dramaturgisch einzusetzen ist fantastisch umgesetzt, doch die Geschichte läuft zu vorhersehbar ab und die Handlungen sind teils nicht nachvollziehbar. Zufällig bin ich noch einem Teil des Casts in einer der Bars rund um die Mostra über den Weg gelaufen und habe nachgefragt, wie die Arbeit mit Ozon (der praktischerweise auch deutsch spricht) läuft. Paula Beer erzählte, dass sie begeistert ist, weil er sehr eng mit den Schauspielern interagiert, ihnen aber auch die nötigen Freiheiten überlässt.

Venedig 2016
Von links nach rechts:  Paula Beer (Hauptdarstellerin von Frantz), Tomi Petek (Sloweniens Jury-Mitglied von 28TimesCinema), Anton von Lucke (Nebendarsteller von Frantz) und Luzia Johow.

Aus Frankreich ist das überlange Drama „Une vie - A Woman's Life“ im Rennen, das zwar auf der Bildebene ein Gefühl wie ein Gedicht überbringt, mich jedoch leider zu sehr runtergezogen hat, als dass ich den Film noch genießen könnte.

Ein ähnlich hartes Leben hat Dakota Fanning im Western „Brimstone", von Martin Koolhofen. Das ungewöhnliche an diesem Blockbuster ist, dass eine weibliche Heldin in verschiedenen Zeitetappen, verfolgt von einem böswilligen Pfarrer (Guy Pearce) uns durch den Film begleitet. Gewalttätig wie ein Tarantino-Film, aber ohne den dazugehörigen Witz, so hinterließ der Film nicht sehr viel Eindruck bei mir.

Die italienische Komödie „Piuma" hat mich von den Wettbewerbsfilnen bisher am meisten überzeugt. Dabei geht es um ein junges Pärchen, das ein Kind erwartet und sich damit in einer übertrieben chaotischen Familie durchsetzen muss, was natürlich viel Situationskomik verspricht.

In den nächsten Tagen stehen noch auf meinem Plan: Natalie Portman, sowohl in „Jackie“, als auch in „Das Geheimnis der zwei Schwestern“ (ausser Konkurrenz), der neue Mallick-Film „Voyage of Time: Life's Journey“, auf den ich besonders gespannt bin, und die französische Produktion „À jamais“.
Die Autorin
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LucyVonTrier

Forum

  • Wie toll!! :)

    Bin schon sehr gespannt auf deine Kritik zu Planetarium. Und du hattest recht, ich hab wirklich schon mal einen Film von Rebecca Zlotowski gesehen. Grand Central mit Lea Seydoux in der Hauptrolle und er lief sogar auf unserer Diagonale!
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    12.09.2016, 17:14 Uhr
    • Es bleibt spannend

      Dankeschön! ja, zu Planetarium schreibe ich kommende Woche noch was... Muss sagen, ich war überrascht wie wenig Johnny Depps Tochter von ihm übernommen hat.
      Muss mir Grand Central umbedingt anschauen.
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      14.09.2016, 14:31 Uhr
  • Guter Überblick

    Vielen Dank Lucy für den informationsreichen Überblick - deine Beiträge gefallen mir sehr. Du wirfst stets einen guten objektiven Blick auf die jeweiligen filmerischen Werke, da bekommt man Lust auf mehr. Es ist bestimmt der ein oder andere Film dabei, den ich mir auch gerne einmal ansehen möchte. Ein Blick "beging the scenes" wäre auch noch äußerst interessant.
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    11.09.2016, 19:25 Uhr
    • ..."flattering", wie wir in Venedig oft sagten

      Das ehrt mich sehr, as du sagst! Jetzt bin ich umso motivierter, mehr zu schreiben. Zum Beispiel noch einen dritten Abschlussbericht von Venedig. Natürlich kommen auch noch einige Kritiken zu den Filmen, beginnend mit "Frantz".
      "Behind the scenes" meinst du? Also mehr Fotos von was ich in Venedig erlebt habe beim Festival, oder wie? Kann ich gerne hochladen :)
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      14.09.2016, 14:38 Uhr
    • Spät aber doch...

      Erstmal entschuldige, dass meine Antwort auf deinen Beitrag nun so lange gedauert hat. Ich habe es übersehen.

      Ein Behind the Scenes wäre wirklich super - denn als Außenstehender kann man sich so ein Film Festspiel so schwer vorstellen. Ist das ein ganz eigener Flair? Geht es so ziemlich an Venedig vorbei, oder sind alle im Festspiel-Fieber? Hast du den Blick auf den ein oder anderen Star oder auf Mitwirkende erhaschen können?

      Genauso toll wie ein Behind the Scenes sind deine Kritiken zu den Filmen - für mich ein toller Überblick, was sich anzusehen lohnt :-)
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      18.09.2016, 18:16 Uhr
  • Grüße nach Venedig

    Wow! Scheint als hättest du wirklich schon sehr viel gesehen: Wünsch dir noch eine schöne restliche Zeit dort! :)
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    10.09.2016, 23:47 Uhr
    • seeeehr viel

      Das stimmt! Ich hab insgesamt 30 Langfilme, und ca. 7 Kurzfilme gesehen. Man bekommt ein ganz neues Gefühl der Bewertung dadurch...
      Dankeschön!
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      14.09.2016, 14:40 Uhr