Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Essen im Kino

Kobergs Klarsicht: Essen im Kino

Das wird man doch einmal sagen dürfen! Ohne gute Gründe, ganz irrational und polemisch: Esst euer Popcorn zuhause!
Ich hab ja nichts gegen Popcorn. Und Nachos. Und diese mit Zucker überzogenen Kürbiskerne. Aber wenn es im Kinosaal überall nur noch knurpst und kracht, weil wieder irgendjemandem die Multimedialität zu wenig war und auch die Geschmacksnerven nach ihrem Anteil an Reizen verlangen, dann platzt mir halt einmal der Kragen. Und weil ich’s mich im Kino nicht sagen traue, schreib ich’s einfach umso emotionaler ins Internet.

Da gibt’s zum Beispiel diese Typen mit ihren XXL-Menüs, mit denen sie wahrscheinlich die Hälfte des Kino-Personals finanzieren, weil ihnen nicht eingehen will, dass die Nachos beim Billa um die Ecke einen Bruchteil von dem kosten, was die Kinos ohne mit der Wimper zu zucken dafür verlangen. Die sind mir eigentlich eh noch die Liebsten. Weil sie es irgendwie zusammenbringen, dass sie während des zweiten Drittels der letzten Filmvorschau schon traurig das letzte bisschen Käsesoße aus der Plastikschale lecken. Und wenn dann mit einem gierig gurgelnden Geräusch auch der Eimer Cola leer wird, der sogar die Becherhalterungen in der Armlehne überfordert, ist von diesem Typus nichts mehr zu erwarten. Sie haben aufgegessen und müssen sich jetzt wohl oder übel vom Film unterhalten lassen.

Eine Stufe schlimmer sind da schon die Herren, die ihrer weiblichen Begleitung mit einem Wickeltasche-großen Sack Popcorn zu beweisen versuchen, was sie nicht für hervorragende Versorger sind. Den tragen sie dann mit dem Stolz eines steinzeitlichen Jägers bis zum Saaleingang, wo sie ihn dann doch der Freundin in die Hand drücken, weil es ja in ihrer Verantwortung liegt, die zwei Tickets zum Abriss bereit zu halten.
Im Saal wird das Ding dann irgendwie zwischen den beiden Sitzen drapiert. Und wenn es nicht schon in den ersten Minuten kippt und die vorderen Reihen mit explodierten Maiskörnern im Haar und in den Schuhen beglückt, dann ist es der einzige Grund, warum es während der Vorstellung zu flüchtigen Berührungen zwischen den Liebenden kommt: beim unsicheren, lustlosen, aber nicht minder lauten Rühren im Popcorn.

Die Allerschlimmsten sind aber die Hochkultur-Bürger, die in der Kleinen Zeitung gelesen haben, dass sie für einen ganz besonderen Film doch einmal ihre Schauspielhaus-Saisonkarten liegen lassen sollen, um ins Kino zu gehen. Und um in der Fremde nicht aufzufallen, versuchen sie es mit patscherter Anpassung und bestellen ganz leger ihre kleine Portion Popcorn, die sie aus Prinzip unberührt lassen, bis der Film beginnt. Weil sie haben sie ja für den Film gekauft. Und dann sitzen sie da, vollkommen erschlagen von der visuellen Gewalt eines Lars von Trier oder eines Nicolas Winding Refn, überfordert von dem Gefühl, dass sie das jetzt wohl gut finden müssen. Und immer dann, wenn der Film für einen kurzen Moment vollkommen still ist, kann man davon ausgehen, dass sie ihren offenen Mund schließen, in den sie davor gänzlich geistesabwesend eine Hand voll Popcorn eingeworfen haben.
Das können sie gerne bei sich zuhause machen, aber nicht bei uns im Kino!
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Popcorn

    Also Popcorn stört mich noch am wenigsten im Kino, weil es noch relativ geräuschlos ist. Schlimmer sind das wirklich raschelnde Verpackungen.
    Was mich aber am meisten stört, sind Leute die im Kino (während der Vorstellung) mit dem Handy rumspielen.
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    14.07.2016, 15:10 Uhr
  • Ich bin ein Nacho Fan...

    Ich kenne dieses Gefühl: man erwartet den neuen Blockbuster und der Kinosaal ist randvoll gefüllt. Die ersten Vorstellungen sind die schlimmsten. Weil sich Leute wirklich leider einfach nicht auf den Film konzentrieren... sondern unglücklicherweise eher auf die Snacks, oder aufs Tratschen, oder aufs Handy (das ist dann auch meistens während der Vorstellung nicht ausgeschalten - dafür zumindest auf lautlos). Ich selbst kaufe mir auch ab und zu Nachos, habe die aber meistens bis zum Vorspann aufgegessen. Und das nur, weil die Käse Soße im Kino so lecker ist, und die es so gar nirgends zu kaufen gibt (oder hat jemand einen Tipp für mich?)... die Preise sind wirklich extrem. Das gönnt man sich auch nur ab und zu. Und leider gehört es schon irgendwie ein bisschen zum Kino dazu...
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    12.07.2016, 21:31 Uhr
  • Keiner soll Hungers darben

    Ein paar Handvoll Popcorn, während der Werbung mit der Zunge aus der Papiertüte aufgelesen, stärken Körper und Geist für die kommende Strapaze. Kino ist manchmal sooo anstrengend. Ich kaufe es aber nur zum Spottpreis, ein Sackerl Chips aus dem Supermarkt ist eine gute Alternative, oder vor dem Film am Foodcourt ein Fastfood-Menü.
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    12.07.2016, 21:08 Uhr
  • Geruch macht Lust

    Der Geruch von frischem Popcorn macht das tolle Kinoambiente erst aus. Die Preise sind aber größtenteils wirklich geschmalzen.
    harry.potter_aadba0451b.jpg
    12.07.2016, 18:58 Uhr
  • Christoph Waltz sieht das ähnlich ;-)

    https://www.youtube.com/watch?v=4Hi_psu4mlM#t=2m35
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    12.07.2016, 16:28 Uhr