Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Spiel Film

Kobergs Klarsicht: Spiel Film

Es ist der Wurm drin, im Genre der Spiele-Verfilmungen. Trotz viel Budget und gutem Willen.
Warcraft - The Beginning“ war gewisser Maßen ein Hoffnungsträger. Nicht nur für die Fantasy-Fans, die endlich wieder solide Fantasy abseits der Teenie-Romanzen sehen wollen, sondern vor allem auch für die Gaming-Community, die seit Jahren zusieht, wie eine Spiele-Verfilmung nach der anderen in der Mittelmäßigkeit versumpert. Und das ist noch gelinde formuliert, denn allein Uwe Boll hat dem Genre grausam genug zugesetzt, um es für alle Zeit zu begraben. Aber die Hoffnung stirbt ja angeblich zuletzt.

In vielen Fällen steht das niedrige Niveau der Filme wohl mit der Auswahl der Spiele in Verbindung. Der kometenhafte Erfolg der „Angry Birds“-Spiele war für sich schon überraschend genug. Aus dem mitgelieferten Story-Vakuum einen Film zu machen, war aber beinahe dreist: Es gibt einen Markt, also wird es getan.

Ein anderer verwunderlicher Liebling der Spiele-Verfilmer sind Beat ’em Ups: Von „Mortal Combat“ über „Dead or Alive“ bis „Tekken“ gibt es da allerlei Unrühmliches zu entdecken und auch hier war doch von vornherein mehr als klar, dass aus dem in den Spielen erzählten Schwachsinn nur noch größerer Schwachsinn entstehen kann. Einem Genre, das „Lara Croft: Tomb Raider“ und „Resident Evil“ als seine Sternstunden bezeichnen muss, ist wohl nicht viel zuzutrauen.

Oder eben doch. Denn neben viel seichter Standardkost liefern digitale Spiele immer regelmäßiger faszinierende Geschichten, die alles mitbringen, was es für einen gelungenen Kinoabend braucht. „The Last of Us“ wäre hier ein Beispiel: Eines der klügsten Zombie-Abenteuer der letzten Jahre. Oder „The Witcher“, der nicht nur die Gaming-Community, sondern gleich auch die Fantasy-Fans von ihrer Warterei befreien könnte; mit durchdachter und politisch geladener Fantasy-Kost, die in den Fahrwassern von „Game of Thrones“ problemlos ihr Publikum finden würde.

Eine Spiele-Serie, die für eine ganze Reihe spannender Historien-Actionfilme sorgen könnte, steht schon recht kurz vor ihrem ersten Kinostart. Aber wie so oft hat auch in diesem Fall der erste Trailer von „Assassin's Creed“ den hohen Erwartungen einen kleinen Dämpfer verpasst. Allein die beeindruckende Cast mit Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons und Brendan Gleeson hält die Hoffnung auf einen guten Film trotzdem leise am Leben.

Ein Problem, unter dem große Spiele-Verfilmungen leiden, teilen sie leider mit allen möglichen Adaptionen von Comics und Büchern: Es fehlt am Vertrauen in den guten Stoff. Statt sich, wie Peter Jackson in „Der Herr der Ringe“, Zeit zu lassen, um das Publikum in eine detailverliebte und stringente Welt einzuführen, müssen alle Vorzüge des fiktiven Universums in einen Film gepackt werden. Es muss vom Anfang bis zum Ende krachen und so bleiben Charaktere und Handlungsfäden auf der Strecke, die allein für einen soliden Film gesorgt hätten.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Sein oder nicht sein...

    Leider gibt es bei Videospiel-Verfilmungen wieder nur um eines: Das Liebe Geld. Wir sind in einem Zeitalter, in dem Videospiele grafisch schon mit realitätsnahen Filmen mithalten können. Warum man dann auch noch einen richtigen Kinofilm dazu machen muss, ist mir auch fraglich. Natürlich ist es schön, in so eine Welt einzutauchen, aber es ist noch viel schöner, tatsächlich vor der Konsole (bzw. PC) zu sitzen, und es "hautnah" zu erleben. Natürlich ist es im Fall von Lara Croft 1+2 einmal eine gelugene Abwechslung, das Franchise auch abseits der Videospiel-Branche auszunutzen. Theoretisch könnte man dann ja auch Bücher-Verfilmungen kritisieren. Denn dort passiert es auch selten bis nie, dass etwas 1:1 übernommen wird. Im Prinzip kann man das alles nur ruhig auf sich zu kommen lassen, und wenn man wirklich kein Interesse hat, einfach den Kinobesuch boykottieren. Oder sich den Film irgendwann mal im Fernsehen ansehen und entscheiden, ob er die Zeit wert war. Oder den ganzen Drehbuchautoren neue Ideen einpflanzen, damit man nicht auf Videospiel- und Buchvorlagen zurück greifen muss...
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    08.06.2016, 13:34 Uhr