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Viennale
Das war die Viennale 2015

Das war die Viennale 2015

Ein Rückblick auf das größtes Filmfestival Österreichs, dessen 53. Ausgabe gestern zu Ende ging.
Wenn man viele Filme in kurzer Zeit schaut, dann kommt man nicht umhin, gedankliche Verbindungen zwischen den einzelnen zu machen. Bei einem Festival kann erst dadurch hinter die kuratorische Intention geblickt werden. Doch meistens sieht man nur einen relativ kleinen Ausschnitt des Programms und die Berührungspunkte könnten genauso rein zufällig anstatt programmatisch gewollt sein. Nichtsdestoweniger möchte ich zum diesjährigen Viennale-Abschluss einige gesehene Filme anhand ihrer Gemeinsamkeiten Revue passieren lassen.

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Joshua Oppenheimers „The Look of Silence“ führt uns nach „The Act of Killing“ abermals vor Augen, wie unaufgearbeitet der Massenmordes an angeblichen und tatsächlichen Kommunisten in Indonesien der Jahre 1965-1966 ist. Eine bedrückender wie beeindruckender Dokumentarfilm, der zeigt, dass die Täter weder Reue zeigen, aber auch die Verantwortung der Morde auf andere abschieben. Mit seinem nach ihm benannten Experiment erkannte Stanley Milgram, dass die Mehrheit der Menschen obrigkeitshörig ist – und dabei oft nicht gewillt ist, die Verantwortung ihrer Handlungen selbst übernehmen. Ursprünglich intendiert, um die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu erklären, ist daraus eines der wichtigsten sozialpsychologischen Experimente entstanden. Mit „Experimenter“ wurde ein Biopic zu Milgram gezeigt, bei dem ein etwas experimentellerer (pun intended) Zugang gewählt wurde – und schon alleine deswegen zu empfehlen ist.

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Nichts weniger als die Dekonstruktion des amerikanischen Traums unternehmen die zwei bemerkenswerten Dramen „A Most Violent Year“ und „99 Homes“. Warum beide Filme, obwohl bereits 2014 in den USA gestartet, noch keinen österreichischen Starttermin haben, ist unverständlich. Vor allem ist ersterer ist, nach „Margin Call“ und „All is Lost“, das dritte Meisterstücks des noch jungen Regisseurs J.C. Chandor.

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Bei der diesjährigen Viennale konnte man auch einen frischen Wind im Coming-of-Age-Genre verspüren. „The Diary of a Teenage Girl“, „Ich und Earl und das Mädchen“ und „Cemetery of Splendour“ handeln allesamt von College-Outsidern, die aber jeweils unterschiedlicher nicht sein könnten. Schwungvoll erzählen die Filme über ernste Themen während des Erwachsenwerdens.

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Quasi das erwachsene Gegenstück zum Coming-of-Age-Genre entwerfen die beiden folgenden Filme. Mein Highlight der diesjährigen Viennale „The Lobster“ wirft einen dystopischen Blick auf gesellschaftliche Zwänge. Genauso wie hier Colin Farrell scheinbar ohne Verbindung zu seinen Gefühlen durch die Welt wandelt, tut es auch die Hauptfigur Michael in dem von seiner Atmosphäre getragenen „Anomalisa“. Das neue Werk von Charlie Kaufman ist ein Puppen-Stop-Motion-Film, in der der vom Alltagsleben angeödete Michael auf Dienstreise versucht, Frauen näher zu kommen.

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Seit „Inception“ sind Traumdarstellungen wieder in Mode. „Cemetery of Splendour“ von Apitchatpong Weerasthakul und „Reality“ von Quentin Dupieux spielen mit den Realitätsebenen auf unterschiedliche Arten und Weisen. Beide Regisseure sind aber nicht gerade für ihre Mainstream-Fähigkeit bekannt und dies ist auch wieder hierbei wieder der Fall. Weerasthakuls ruhige Bilder können sich erst dann entfalten, wenn man als Zuschauer geduldig gibt. Bei Dupieux muss man sich erst auf den zuweilen dummer Humor einlassen, um die stets intelligenten Konstruktionen seiner Filme wertzuschätzen.
Der Autor
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Josko

Forum

  • Viennale

    Vielen Dank für diesen sehr guten Überblick über die Viennale 2015! Dein Newseintrag bietet einen guten Einblick und macht Lust, sich einige deiner vorgestellten Filme anzusehen, da sind bestimmt ein paar sehr gute Schätze dabei. Auf welchen Film ich mich auch freue ist "Ich seh Ich seh"... denn wenn schon mal in aller Munde ist, dass das ein österreichischer Film und Oscarkanditat ist, muss er ja fast gut sein.
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    12.11.2015, 11:35 Uhr