Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Die Helden-Schwemme

Kobergs Klarsicht: Die Helden-Schwemme

Die Comic-Verfilmungen halten die Kinoprogramme fest im Griff. Aber wie viele Superhelden verträgt die Unterhaltungskultur?
Die Wikinger, die Maya und all die skurrilen Weltuntergangs-Sekten werden sich gedulden müssen. Denn für’s erste schaut es gut aus, für den Fortbestand unseres Planeten. Zu gut vielleicht. Auch wenn verschiedene Quellen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen scheint es durchaus realistisch, dass uns bis 2020 dreißig Superhelden-Filme bevorstehen. Wer also – wie ich – vermutet hat, dass hier die Übersättigung bald erreicht sein wird, sieht die Welt anders als Marvel, DC und Co.
Natürlich ist das Keks mit all den Filmen noch lange nicht gegessen. Sowohl die Videospiel- als auch die Spielzeug-Industrie reißen sich um entsprechende Lizenzen und überfluten den Markt mit maskierten Weltenrettern in allen Formen und Farben. Seit „Avengers: Age of Ultron“ ist Marvel Cinematic Universe – vor Harry Potter – die finanziell erfolgreichste Film-Franchise aller Zeiten. Und das, obwohl „Ant-Man“ bereits die Kinos erobert und allein innerhalb dieses Helden-Universums zehn Filme für die kommenden drei Jahre angekündigt sind.

Die Frage nach dem „Warum“ lässt sich hier wohl nicht so einfach beantworten. Klar, Nerds sind jetzt schon einigen Jahren cool und cool heißt in diesem Fall Mainstream. Wer wirklich etwas auf sein Nerdtum hält, muss sich also schon seit längerem wieder in guten alten Comic-Heften vergraben, um die Machenschaften der Drehbuchschreiber aus dieser Deckung heraus argwöhnisch zu beäugen. Denn mit dem Wissen über die Filme allein kann als Fan niemand punkten.
Was der Nerd-Kultur aber immer schon zugrunde gelegen ist, ist eine der vielen Versionen von Realitätsflucht. Und diese Version bedarf ausufernder fiktiver Universen, zu denen die Quellen niemals ausgehen, die aber komplex genug sein müssen, um fähige Geister über Jahre zu beschäftigen. „Star Wars“ kann das. „Der Herr der Ringe“ hat Potenzial und Marvel und DC kennen – dank unzähliger Paralleluniversen – kaum mehr Grenzen in ihrer Fiktion.

Als einzelne Filme scheinen mir die unterschiedlichen Superhelden-Geschichten langsam eintönig zu werden. Nur wenige Helden haben interessante Ecken und Kanten und auch ohne Vorwissen ist die Handlung für gewöhnlich vorhersehbar. Gibt es also ausreichend Publikum, das den größeren Rahmen – etwa den eines Marvel Cinematic Universe – noch überblicken kann, sprich: möglichst alle Filme gesehen hat? Kommen genügend Junge nach, für die das alles noch neu und spannend ist? Oder bestätigt sich mein Bauchgefühl, dass der Aufwind noch vor 2020 abebben könnte und die Welt dann eben irgendwann oft genug gerettet wurde? Ich bin gespannt.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Brot und Spiele

    Ich bezweifle, dass der Trend abreißen wird - es hat sich eine große Fanbase gebildet, die durch digitale Verknüpfung immer größer wird und auch darauf bestehen wird, dass immer weitere Filme kommen.
    Auch die "Qualität" der Filme wird meiner Ansicht nach nicht schlechter werden, die Technik ist da und genug Schauspieler und Regisseure, die solche Projekte gerne machen wollen. Aber schon jetzt erkennt man, dass es irgendwie doch ein Einheitsbrei ist.

    Ein besonderes Negativbeispiel sind die Avengers für mich: Die Story an sich ist recht unterhaltsam, aber reicht nicht aus um 2-3h zu füllen, denn je länger der Film, umso besser, oder? Alles was nun nicht Geschichte ist wird mit Action gefüllt, und dabei so richtig. Zwischendurch vergisst man dann auch, dass man im Kino sitzt und nicht dem Freund beim Tekken spielen zuschaut.

    Ich freue mich schon sehr auf alle Filme die kommen, vor allem aber auf DC Entertainment - hier ist Platz für Überraschungen. Marvel wird die Linie halten und Filme bringen, die im Endeffekt alle gleich sind, aber für die breite Masse ist dies absolut ausreichend! Ein Konzept, das der Mutterkonzern Disney schon seit Jahrzehnten betreibt und erfolgreich damit ist. Solange sie mit der Zeit gehen, werden Comics im Kino meiner Meinung nach funktionieren.
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    01.08.2015, 22:45 Uhr
  • DC vs Marvel

    Nachdem die Termini Geek und Nerd in den letzten Jahren ihrem Schattendasein entfliehen konnten und salonfähig wurden, versuchen die großen Filmstudios natürlich damit Geld zu verdienen. Im Falle von Marvel ist aber mittlerweile eine gewisse Übersättigung. Mit Ant-Man und Guardians of the Galaxy konnten zwar unbekanntere Helden auf die Leinwand gebracht werden. Thor, Iron-Man und co dominieren dennoch.

    DC hingegen versucht sich, meines Erachtens nach ein wenig zu spät, vorerst mit seinen alt bekannten Helden im Kinosaal zu etablieren.
    Interessant finde ich, dass es bei den Fernsehproduktionen genau umgekehrt ist. Hier ist DC bereits sehr stark und Marvel erst in den Kinderschuhen.

    Alles in alem fürchte ich, dass der Zenit bald erreicht ist und so manches Filmprojekt wohl nicht mehr fertig werden wird.,
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    01.08.2015, 21:45 Uhr
  • Zu viel des Guten

    Ich finde es zwar immer wieder interessant, wenn verschiedene Filme miteinander irgendwie verknüpft sind, aber der aktuelle Marvel-Hype ist doch etwas zu viel. Es erscheinen ja in sehr kurzen Abständen immer neue Ableger aus diesem Comic-Universum, dass man schön langsam den Überblick verliert. Ich persönlich bin da schon etwas hinten nach. Die “Iron Man” Filme hab ich noch gesehen und fand die Figur des Tony Stark sehr gelungen, aber die “Captain America” Filme hab ich beispielsweise ausgelassen. Und wenn nun noch mehr Filme erscheinen, die aber ein gewisses Vorwissen aus anderen Filmen voraussetzen, werden die dann zwangsweise an mir vorübergehend. Naja, ich werde es verschmerzen.
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    01.08.2015, 21:03 Uhr
  • Erschaffe eine bessere Welt als unsere, Kal.

    Während das Marvel Universum schon seit langem an seinem Aufbau arbeitet, und derzeit am Zenit steht, steckt für mich das DC Universum noch in seinen Kinderschuhen, so ist doch Batman vs Superman der erste einer lang folgenden Reihe. Man kann sich mittlerweile seine Lieblings-Helden aussuchen, zumindest wenn es um die einzelnen Vertreter einer Reihe geht. Mir sind Iron-Man und Captain America am sympathischsten, für Hulk und Thor würde ich vermutlich nie extra ins Kino gehen. Doch grundsätzlich lassen sie es allein bei den „Avengers“ so richtig krachen. Der Zauber könnte jedoch bald verflogen sein, denn sobald die erste Hintergrundgeschichte einmal abgehandelt ist, gibt es leider nur mehr viel „Gekloppe“. Natürlich ist es gut, aber es wird im Nachhinein betrachtet bald langweilig und abgedroschen. Marvel hat für mich bald die Grenze des tragbaren erreicht.
    Da zwar zum Beispiel „Guardians of the Galaxy“ eine Willkommene Abwechslung, und brachte frischen Wind. Auch Ant-Man fand ich gut, aber nur, weil Paul Rudd es geschafft hat, mich in seinen Bann zu ziehen. Wie es mit einer Fortsetzung oder einer Trilogie aussehen würde, weiß ich auch nicht.
    Dahingegen bin ich wirklich sehr gespannt auf die DC Filme. Ich liebe Superman und ich liebe auch den Batman mit Christian Bale. Grundsätzlich wirkt für mich dieser Weg viel düsterer und tiefer greifend. Weniger strahlende Helden, sondern Drama und Emotion. Könnte man es mit Nintendos Super Mario und einem dunklen Playstation 4 Spiel vergleichen?
    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf alles, was DC hervor zu bringen vermag… denn was ich bis jetzt davon gesehen habe, bringt frischen Wind und macht Lust auf mehr. Ob diese Meinung in 5-8 Jahren wieder anders aussieht, kann ich jetzt noch nicht beurteilen.
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    30.07.2015, 11:24 Uhr
    • Marvel vs DC

      Da geb ich dir auf jeden Fall Recht. Vor allem die Batman-Trilogie war hervorragend und hat gezeigt, wie vielschichtig und faszinierend Comic-Helden sein können. Man of Steel fand ich zwar besser als viele Kritiker, aber dann doch um vieles schwächer als die Dark Knight Saga und die Trailer zu Batman vs Superman haben mich bislang eher abgeschreckt. Die orientieren sich optisch zwar am düsteren Stil von Nolan, aber bislang wurde vor allem gezeigt wie viel Leistung die Bässe der Kino-Soundsysteme haben. Ich hoffe zwar auf mehrschichtigere Comic-Verfilmungen, aber ich bin mir nicht sicher, ob hier viel Optimismus angebracht ist...
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      31.07.2015, 16:32 Uhr