Heidi@Home
Heidi@Home: The Unbreakable Kimmy Schmidt

Heidi@Home: The Unbreakable Kimmy Schmidt

Ist die neue Netflix-Serienheldin ein Opfer, eine Feministin oder einfach die Feelgood-Protagonistin des Jahres?
In einem Land, in dem sich im August 2006 eine 18-jährige junge Frau namens Natascha Kampusch, nach achtjähriger Gefangenschaft in einem Keller östlich von Wien, selbst befreien konnte, erscheint die Ausgangssituation der neuesten Netflix-Originalserie „The Unbreakable Kimmy Schmidt“ vielleicht besonders skurril. Denn in dieser neuen Serie wurden vier Frauen gleich fünfzehn Jahre in einem unterirdischen Bunker festgehalten, allerdings befand sich dieser in Indiana. Gefangen wurden sie von einem Sektenführer, der behauptete, die Erde wäre nach einer Atomkatastrophe unbewohnbar geworden. Die Hauptperson der Serie, Kimmy, war damals gerade vierzehn Jahre alt und erlebt als nun 29-jährige ihre Befreiung durch ein SWAT-Team als unermessliches Glück. Anders als ihre drei Schicksalsgenossinnen, die in ihr altes Leben zurückkehren wollen („Ich muss mir endlich meine Zahnspange entfernen lassen“), beschließt Kimmy, die keine Familie hat, ihr Glück in New York zu versuchen.

Nun wäre es ein leichtes, diese Ausgangssituation psychologisch zu überfrachten. Man könnte Kimmy (Ellie Kemper) ihre Zeit im Bunker detailliert aufarbeiten lassen und die Show damit zu einer Sache für die Couch machen. Kimmy hat Traumatisches erlebt, was die Serie durchaus nach und nach thematisiert, aber das tut sie nicht so, wie man das vielleicht erwarten würde; es handelt sich dabei auch keineswegs um den Hauptansatzpunkt des Plots. Man könnte mit der Serie auch Gesellschaftskritik üben, daran, wie mit Opfern verschiedener Art medial und sozial umgegangen wird, wenn sie endlich wieder am normalen Leben teilnehmen können. Ein bisschen davon sieht man in der Pilotfolge, als sich die Befreiten dagegen wehren als „Maulwurffrauen“ bezeichnet zu werden. Tatsächlich hat die Autorin und Produzentin der Serie, Tina Fey, aber wohl doch etwas anderes im Sinn.

Ihr geht es um die Darstellung der Emanzipation ihrer liebenswerten Hauptfigur Kimmy Schmidt: Kimmy will kein Opfer der Umstände sein, sie ist auch nicht ganz so, wie man sich vielleicht eine Feministin vorstellt, dennoch ist sie eine solche. Kimmy hat für junge Frauen durchaus klare Botschaften, die da heißen: Du kannst alles schaffen. Lass dich von niemandem runterziehen. Unterwirf dich keinen modischen oder sonstigen Diktaten. Lass dich nicht verbiegen und schon gar nicht (siehe Serientitel) brechen. Das Schlimmste, was ihr passieren kann, so sagt Kimmy selbst, ist überstanden. Was sie jetzt erwartet, ist die Freiheit, so zu sein, wie sie ist. Im Gepäck hat sie ihre Erfahrungen, den Willen, auch unter den widrigsten Umständen zu (über)leben und jede Menge Strategien dafür.

Ihre Geschichte wird natürlich (siehe Autorin) mit sehr viel Humor erzählt: ein Thema der Serie ist beispielsweise zeitlich determinierter Culture Clash (Nein, diese eine Smartphone-Marke heißt nicht Macintosh), ein anderes das Coming of Age einer knapp Dreißigjährigen, die noch immer am liebsten Süßigkeiten als Abendessen zu sich nimmt und blinkende Sneakers trägt, außerdem die Schule beenden und endlich Dates haben will. Kimmy hat einen schwulen Mitbewohner (Tituss Burgess), der zum Theater gehen möchte, und eine wohlstandsverwahrloste Chefin (herrlich: Jane Krakowski), die eigentlich eine beste Freundin sucht. Gute Zutaten für zwölf schrille Folgen.

Die komplette erste Staffel von „The Unbreakable Kimmy Schmidt“ ist bereits auf Netflix zu sehen und kann ab sofort gebinge-watched werden.