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Oscar-Special Teil 1: Ein alljährliches Vorhaben

Oscar-Special Teil 1: Ein alljährliches Vorhaben

Josko Boschitz wirft für Uncut einen Blick auf die oscarnominierten Filme.
Seit 2011 versuche ich fast alle Filme, die für den Academy Award irgendeiner Kategorie nominiert sind, zu sehen. Bis auf einige Ausnahmen gelang mir das in den letzten fünf Jahren auch immer. Die Lücken beschränken sich zumeist auf die Kurz- und Dokumentarfilme, sowie die fremdsprachigen Filme, da diese in Österreich oft weder im Kino, noch auf irgendeine andere Weise gesehen werden können.

Warum ich das mache, ist eine durchaus berechtigte Frage. Die Oscars schmücken sich zwar als wichtigster Filmpreis der Welt, doch oft werden unter den Nominierungen die besten Filme des Jahres sträflich vernachlässigt und andere heillos überschätzt. Trotz allem bilden die von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ausgewählten Werke jährlich die Spannweite des (amerikanischen) Kinos gut ab. Von sündteuren Blockbustern (heuer z.B. „Guardians of the Galaxy“ mit einem Budget von $170 Mio. und einem US-Einspielergebnis von $333 Mio.) bis hin zu kleinen Indie-Produktionen (z.B. „Whiplash“ $3,3 Mio./6,7Mio.) ist eben Vieles und zumeist Empfehlenswertes vertreten. So hat mich Anfang 2011 „Winter's Bone“, mit der mir damals unbekannten Schauspielerin Jennifer Lawrence, beeindruckt oder 2014 der herzzerreißende Animationsfilm „Ernest und Celestine“ gerührt.

Der Zeitraum von der Bekanntgabe der Nominierungen bis hin zur Oscar-Verleihung stellt für mich immer die heiße Phase dar. Zuerst gehört abgeklärt, welche Filme bereits gesehen wurden: heuer waren es 13 von 36 aus den für mich relevanten Kategorien, wobei ich mich jetzt schon auf die restlichen 23 freue.

Die besten Filme des Jahres

Für die „Best Picture“-Kategorie sind heuer zwei Filme nominiert, die meiner Meinung nach die Zeiten überdauern und zu absoluten Kultfilmen avancieren werden, wenn sie es nicht jetzt schon sind. Die Rede ist von Richard Linklaters Zwölf-Jahres-Projekt „Boyhood“ und Alejandro González Iñárritus schwarzer Komödie „Birdman“. Linklater, der mit den „Before“-Filmen bewiesen hat, dass er Charaktere auch über Jahre hinweg immer authentisch inszenieren kann, hat mit seiner Studie über das Heranwachsen noch einmal eines drauf gesetzt. Iñárritu, der auch davor künstlerisch keineswegs schlechte Filme gedreht, allerdings mit „21 Gramm“ oder „Babel“ Humanitätskitsch erster Güte geliefert hat, überrascht mit seiner Satire über einen abgehalfterten Filmstar (herrlich selbstreflexiv: Michael Keaton), der am Broadway ein Theaterstück inszenieren will. Gedreht beinahe ohne erkennbare Schnitte und gespickt mit Traumsequenzen à la „Big Lebowski“ kann der Film auf voller Länge überzeugen.



Weiters für den besten Film nominiert sind „Whiplash“ – ein exzellenter Musikfilm – und „Grand Budapest Hotel“ – ein typischer Wes Anderson, aber bestimmt nicht sein bestes Werk –, der etwas unverständlich mit gleich neun Nominierungen (wie auch „Birdman“) bedacht wurde. Viel ärgerlicher ist aber die Tatsache, dass „Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis“, mit einer sehr guten Performance von Jake Gyllenhaal einer der besten Filme des Jahres, gar nicht für diese Kategorie und insgesamt nur für sein Drehbuch berücksichtigt wurde. Dafür ist neben „The Imitation Game“, dem Biopic über den homosexuellen Mathematiker Alan Turing (Benedict Cumberbatch), „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, dem Biopic über den behinderten Physiker Stephen Hawking (Eddie Redmayne) und „Selma“, dem Biopic über Martin Luther King, Clint Easwoods neuer Kriegsfilm „American Sniper“, den man laut Trailer und neuesten Medienstimmen durchaus als US-Propagandafilm titulieren könnte, nominiert. Nach wie vor von der Academy ignoriert wird Christopher Nolan – sein streitbares, aber durchaus imposantes Weltraumepos „Interstellar“ wurde ausschließlich in technischen Kategorien eine Chance für den Gewinn eines Awards gegeben.

Abseits der Hauptkategorie sorgt eine weitere Nicht-Beachtung zumindest bei mir für Unverständnis. Dass „The Lego Movie“, der nicht nur lustigste, sondern auch intelligenteste Animationsfilm des Jahres, nicht für „Best Animated Feature Film“ nominiert ist, ist beinahe unverzeihlich.

Die wichtigsten Kino-Starttermine
vor der Oscar-Verleihung am 22.2.
22.01. Baymax - Riesiges Robowabohu (1 Nominierung: „Best Animated Featue Film“)
23.01. The Imitation Game (8 Nominierungen, darunter: „Best Picture“)
05.02. (5 Nominierungen, darunter: „Best Director“)
13.02. Inherent Vice - Natürliche Mängel (2 Nominierungen, darunter: „Best Adapted Screenplay“)
19.02. Into the Woods (2 Nominierungen, darunter: „Best Supporting Actress“)
20.02. Selma (2 Nominierungen, darunter: „Best Picture“)

Lest auch im zweiten Teil der Kolumne in vier Wochen rein, bei welchem ich vorstelle, welcher Film mich in den jeweiligen Kategorien am meisten überzeugt hat.