Die Oscarnominierungen 2019 stehen fest.
Heidi@Home
Heidi@Home: Masters of Sex

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Ist die Serie, die auf wahren Begebenheiten beruht, eine feministische Antwort auf „Mad Men“?
Das Thema der Sexualforschung ist im Kinofilm schon öfters aufgegriffen worden. „Kinsey“ etwa erzählt vom gleichnamigen Wissenschafter und seinen Studien über das Intimleben der Amerikaner in den 1940er Jahren. Der Film „In guten Händen“ beschäftigt sich mit dem Erforschen scheinbarer weiblicher Neurosen und dem Erfinden des Vibrators. „Der Fall Wilhelm Reich“ mit Klaus Maria Brandauer porträtiert Leben und Forschen des Sexualkundlers.

Mit der Showtime Produktion „Masters of Sex“ versucht man erstmals, diesen Themenbereich im Rahmen einer ganzen Serie zu beleuchten. Im Mittelpunkt steht der Gynäkologe William Masters (Michael Sheen), der in den 1950er Jahren beschloss, mehr über das herauszufinden, was im Körper vor sich geht, wenn Menschen Sex haben. Mit dem erworbenen Wissen will er seinen Mitbürgern helfen, mehr aus ihrer Sexualität zu machen, nicht zuletzt aber auch sich selbst… Sehr hilfreich an seiner Seite – ursprünglich als Sekretärin angestellt – Virginia Johnson (Lizzy Caplan). Sie wird bald, obwohl nicht medizinisch vorgebildet, seine ebenbürtige Assistentin.

Sehr vieles erinnert bei „Masters of Sex“ im ersten Moment an „Mad Men“: Der cleane Retro-Look, die Mode, die Requisiten, gewisse gesellschaftliche Umstände. Aber „Masters of Sex“ ist anders: obwohl Dr. Masters scheinbar im Mittelpunkt steht, geht die Serie weg von dem sehr männlich-chauvinistischen Blick der „Mad Men“-Welt, in der Frauen zwar Karriere machen, dies aber immer so wirkt, als wären sie nur geduldet und von Männern „gemacht“. Zwar gibt „Mad Men“ vor, die damalige Zeit widerzuspiegeln und das mag auch der Fall sein, dennoch ist es als Seherin ernüchternd zu sehen, wie Männerbündnisse und sexistische Verhaltensweisen von den Serienmachern oft unwidersprochen idealisiert, ja fast glorifiziert werden.

Zwar ist auch Virginia Johnson die Assistentin eines Mannes und verdankt ihm die Möglichkeit einer Karriere, doch sie wirkt um so vieles freier und gelöster als die Damen im „Mad Men“ Kosmos das je sein durften. Sie ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder, hat also eine Menge Verantwortung, gleichzeitig ist sie lebenslustig und geradeheraus. Sie mag ihre Arbeit und ist ehrgeizig. Außerdem hat sie Spaß am Sex – und es ist ein Verdienst dieser Serie, das auch glaubwürdig zu zeigen, ohne dabei schlüpfrig zu wirken. Johnson gibt relativ freche Antworten, wenn ihr erstaunlicherweise relativ prüder Chef Masters sie etwa fragt, warum Frauen Orgasmen vortäuschen, dann entgegnet sie: „Damit die Frau wieder das tun kann, was sie eigentlich tun wollte.“ Ihr unverblümter Zugang zur Sexualität hilft Masters dann auch, genügend Probanden für die Studien zu finden.

„Masters of Sex“ als feministische Serie zu bezeichnen, wäre vielleicht übertrieben. Aber als Zuseherin fühle ich mich wesentlich wohler, eine Frau zu sehen, die auf Augenhöhe mit Männern agiert, als in die kaum erträgliche Enge und Verstaubtheit des „Mad Men“-Kosmos gezwungen zu werden. Außerdem erscheint mit Dr. Lillian De Paul (Julianne Nicholson), Gynäkologin und Forscherin, die stetig gegen Vorurteile gegenüber ihrer Person zu kämpfen hat, später eine zweite starke Frau auf der Bildfläche, die für Johnson eine interessante Gesprächspartnerin wird. Dank de Paul und Johnson dürfte „Masters of Sex“ den berühmten Bechdel-Test bestehen.

„Masters of Sex“ läuft derzeit immer dienstags um 22.45 Uhr auf ZDF Neo.
Die Autorin
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Forum

  • Peggy Oslen & Co

    Deinen Beobachtungen zum Frauenbild in einer von Männern dominierten Gesellschaft in Mad Men stimme ich auf jeden Fall zu. Aber stört dich das eigentlich persönlich oder hast du das eher wertfrei festgestellt? :)
    stadtneurotikerin_948f8a00d1.jpg
    27.08.2014, 20:48 Uhr