Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Mannsbilder

Kobergs Klarsicht: Mannsbilder

Das Oscar-Jahr 2013 war ein Jahr der starken Männerrollen, denn es war ein Jahr ohne starke Männer.
Erzogen haben uns Frauen, die Schönheits-Industrie hat uns enthaart und unsere Unterhosen designt David Beckham, für den das Wort „metrosexuell“ erst erfunden werden musste. Da wenden wir jungen, weißen, männlichen Europäer, die wir früher die Welt eroberten, den haltsuchenden Blick nach Hollywood. Wer, wenn nicht die schillernde Traumfabrik, soll uns sagen, wie man denn nun bitte ein Mann sein soll, in dieser konfusen, Grenzen aufbrechenden Welt – und dort lässt man uns bitter im Stich.

Denn der Blick auf die Nominierungsliste zum besten männlichen Hauptdarsteller bei den Oscars zeigt, das gehadert wird, mit dem Männerbild. Da gibt’s den aus den Form fallenden Gauner mit dem reduzierten Haupthaar, dessen beide Frauen sein eigenes Spiel weit raffinierter spielen, als er selbst. Oder aber den verwirrten Rentner, dem der eigene Sohn die Zurechnungsfähigkeit nicht so recht zusprechen will. Dann wären da der selbstverliebte, Frauen kaufende Finanzjongleur, dessen weinerlicher Untergang von Anfang an besiegelt scheint und der schnauzbärtige, saufende Rodeo-Liebhaber, der erst angesichts des Todes nachzudenken beginnt. Die heroischste Rolle unter den fünf nominierten bekleidet zweifelsfrei Chiwetel Ejiofor in „12 Years a Slave“ und auch der von ihm gespielte Solomon Northup ist in erster Linie ein Spielball eines grausamen Systems und dessen weißer, männlicher Vertreter.

Dieses Line-Up von Antihelden ist mit ein Grund dafür, dass dieses Jahr ein hübscher Haufen hervorragender Filme um die Oscars rittert und vor allem, dass den als Hauptdarsteller nominierten Herren allesamt ein Goldjunge zu vergönnen ist. Den die vorrübergehende Abwendung von den klassischen Männerbildern hat fünf faszinierende Figuren hervorgebracht, die ihren Darstellern Möglichkeiten bieten, eine ordentliche Talentproben abzugeben – da lohnt sich übrigens auch der Blick in die zweite Reihe, zu den Nebendarstellern.
Auf klare Rollenbilder á la „Gladiator“ müssen wir verunsicherten Männer demnach weiter warten. Dafür gibt’s kluge Denkanstöße und amüsante Persiflagen. Und bei dieser Konkurrenz wird Leonardo DiCaprio wohl ein weiteres Mal leer ausgehen.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • helden

    ob real-life (wie gandhi, silkwood), superhelden (superman, the dark knight), animierte (shrek, the incredibles), actionhelden (die 7 samurai, gladiator) oder literarische aus "to kill a mockingbird" oder "grapes of wrath": HELDEN sind heuer auch das leitmotiv der oscargala - die ausstellung "the oscars celebrate movie heroes" der academy in beverly hills zeigt parallel dazu fotos, stills, posters und videomontagen von 70 titeln aus 9 jahrzehnten.

    BTW: 9 von 10 der männlichen actor-/supporting-actor-rollen basieren auf real-life-charakteren; bruce dern/"nebraska" ist die einzige ausnahme.
    dazu kommt noch walt disney in "saving mr. banks". vielleicht mit ein grund für den "hübschen haufen" interessanter filme?
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    26.02.2014, 15:11 Uhr