Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Pazifische Untiefen

Kobergs Klarsicht: Pazifische Untiefen

Wie der Spritzwein verliert auch der Sommerblockbuster bei allzu wenig geistreichem Gehalt seinen Reiz.
Es emmericht wieder einmal in den Lichtspielhäusern; etwas beiläufig und auf lange Sicht wohl auch belanglos, wie es sich für einen Kinosommer gehört. Und damit meine ich nicht nur den in wenigen Wochen bevorstehenden Kinostart von Roland Emmerichs „White House Down“. Vielmehr möchte ich vorschlagen, die zum Verb umgestaltete Version des Namens Emmerich zur Umschreibung jener effektvollen Fadesse zu gebrauchen, die seine Filme zunehmend verbreiten, der aber auch einige andere Regisseure immer wieder gerne verfallen.
Wie kaum ein anderer hat Emmerich in den letzten Jahren vorgeführt, wie sich mit enormem Aufwand und einem Weltuntergangssetting eindrucks- und emotionslose Geschichten erzählen lassen. Da gab es mit „Independence Day“ einen für seine Zeit innovativen und bahnbrechenden Alien-Blockbuster und seither folgt der deutsche Regisseur allen Abwegen und Sackgassen und kann an seinen großen Erfolg weder filmisch noch wirtschaftlich anknüpfen.

Aber es emmericht eben auch abseits dieser individuellen Karriere. Momentan etwa in Guillermo del Toros mit Spannung erwartetem „Pacific Rim“. Auch wenn hier das japanische Konzept der Kaiju-Filme aufgegriffen wird, wurde der Film schon vorab und wie sich herausstellte zurecht mit „Independence Day“ verglichen. Vor allem die Erzählstrukturen und der – angesichts der apokalyptischen zustände recht fidele – Grundton erinnern an Will Smiths Rachefeldzug gegen das Mutterschiff.

Was man „Pacific Rim“ leider nicht anmerkt ist der Umstand, dass seit „Independence Day“ siebzehn Jahre vergangen sind. Selbstverständlich hat sich technisch einiges getan und wir sitzen heute mit Brillen im Kino, aber wirkliche Innovationen fehlen genauso wie die Möglichkeit, sich emotional mitreißen zu lassen. Dazu ist alles zu altbacken und vorhersehbar.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Es geht hier nicht um fehlendes geistiges Niveau und einen spießbürgerlichen Angriff auf das dumme Actionkino. Ich bin ein großer Fan der Sommerblockbuster. Aber Unterhaltung und Monotonie scheinen sich nicht miteinander zu vertragen. Und während sich „Man of Steel “ und durchaus auch „Wolverine - Weg des Kriegers“ mit ein paar Ungewöhnlichkeiten meine Aufmerksamkeit sicherten, beschränkt sich meine Teilnahme an emmerichesken Streifen á la „2012“ oder eben auch „Pacific Rim“ auf ein selbstzufriedenes Abnicken all jener Szenen, die ich richtig vorhergesehen habe. Langweilig war es deshalb trotzdem nicht, aber auch seichte Unterhaltung kann gerne ein wenig inspirierender sein. Dass ich mit dieser Ansicht nicht allein bin, zeigen erfreulicher Weise auch die Einspielergebnisse.
Der Autor
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DerKoberg


Forum

  • Nicht alles Tschinn-Bumm ist auch ein Kracher

    Ich habe es an anderer Stelle sicherlich schon einmal kundgetan, möchte aber zu Deinen Zeilen (die ich im Gegensatz zu den angesprochenen Filmen) sehr interessant und unterhaltsam fand, hinzufügend unterstreichen: ein wirklich guter Film beginnt mit einem sensationell guten Drehbuch. Dann erst kommen Regie, Darsteller und Budget.
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    13.08.2013, 12:58 Uhr