Caines Corner
Caines Corner: Die Zukunft des Kinos

Caines Corner: Die Zukunft des Kinos

Wie wird das Kino im Jahr 2028 aussehen? Ein albtraumhafter Blick in die Zukunft.
Vor einigen Tagen habe ich ein Interview mit Jaden Smith gelesen, wo er eine Prognose über die Zukunft des Kinos wagt. Seine Meinung ist, dass es in 15 Jahren das Kino, so wie wir es kennen, nicht mehr geben wird. Nach reifer Überlegung bin ich draufgekommen, dass die Gedanken des Teenagers gar nicht so unrealistisch sein könnten. Man bedenke die heutigen technischen Möglichkeiten Filme zu konsumieren: VHS, DVD, Blu-Ray, Internetdienste, Notebooks, Spielkonsolen, Handys, Kinos, klassisches TV, Pay-TV und soziale Netzwerke. Was wird da noch dazukommen? Die Entwicklung wird weiterhin mit Riesenschritten voranschreiten. Vielleicht gibt es im Jahr 2028 so etwas wie eine Brille, die man sich aufsetzt und den Film seiner Wahl anschaut? Das Filmprogramm kann man jederzeit von einem Mikrochip, welches in einer Uhr eingebaut ist, abrufen.

Was wird konkret mit dem Kino passieren? Einige Filmliebhaber werden sich an die schöne gute Zeit erinnern, wo man mit Freunden noch in ein gewöhnliches Kino gegangen ist um gemeinsam einen Film vor der großen Leinwand zu bewundern. Die Jugendlichen der Zukunft werden sich fragen, was den so reizvoll war mit fremden Leuten einen Film anzuschauen. Das war doch total unpraktisch. 2 Stunden lang war man von der Außenwelt abgeschnitten. Die Angst etwas in dieser Zeit zu verpassen, ist einfach zu groß! Man stelle sich vor, dass man von den 428 Meldungen des Tages eine Schlagzeile wie „Präsidentin der USA Paris Hilton stellt neue Unterwäschekollektion für Politikerinnen vor und schließt danach endgültig Guantanamo“ auf seinem Iphone 12 versäumt…

Die wenigen Kinos, die es hauptsächlich nur noch in Großstädten gibt, sind extrem heruntergekommen. Nachdem das Interesse stark abgenommen hat, sind die Investitionen in die Kinoinfrastruktur dementsprechend zurückgegangen. Aus dem Spielplan kann man nur noch zwischen HANGOVER 8, IRON MAN 11 und FAST & FURIOUS 14 wählen. Das Ticket kostet inzwischen 48 EUR. Bei allen 3 obengenannten Titeln wurde die fetzige Musik von der inzwischen 68-jährigen Madonna geschrieben und performed. Neben ihren anstrengenden Livekonzerten, wo sie weiterhin ihre Turnübungen und religiösen Überzeugungen zum Besten gibt, empfindet sie das Komponieren von Filmmusik als entspannenden kreativen Ausgleich für die physischen Anstrengungen. Programmkinos mit anspruchsvollen Filmen gibt es schon lange nicht mehr.

Filme werden nur noch im Format „Super-3D“ angeboten. Statt der störenden 3D-Brillen gibt es fortschrittliche 3D-Linsen. Man beachte aber den Warnhinweis vor jedem Saal: „Das Kinounternehmen übernimmt bei einer möglichen Überreizung der Gehirnströme keine Haftung, insbesondere wenn diese zu einem Herzinfarkt führen!“. Willkommen in der (albtraumhaften) schönen neuen (Kino-)Welt!
Der Autor
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Forum

  • Unterhaltsam und anregend

    Deine Kolumne war diesmal für mich besonders unterhaltsam und regt zugleich zum Nachdenken an, sprichst Du dabei doch Trends an, die bei endloser Fortsetzung durchaus fragwürdig sind. Wie viele Aufpreise soll es noch geben, fast meinte man, es müsse eine eigene Gebühr eingehoben werden, damit man den lästigen Kinobesucher überhaupt noch in den Saal lässt. Ähnlich der "Servicepauschale" beim Internet und beim Handy, durch die die Preiserhöhungen kaschiert werden. An ein Aussterben des Kinos glaube ich auch nicht, schließlich gab es schon seit mehr als 13 Jahren die Möglichkeit, sich selbst ein Heimkino einzurichten und die Kinos sind deswegen nicht ausgestorben. Sicherlich ist durch die Vielzahl von Kanälen, über die Filme verfügbar sind, eine große Zahl von Leuten unempfindlich gegenüber kleinen Bildschirmen oder schlechter Auflösung geworden - wer hätte sich in den 80er Jahren einen Film auf Video aufgenommen, wenn man ihn anschließend auf einem Handtellergroßen Bildschirm anschauen muss?
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    12.06.2013, 12:08 Uhr
  • Video killed the radio star

    Auch ich glaube, aus den von Josko gut aufgeführten Gründen, nicht an das Aussterben des Kinos. Was allerdings aussterben wird ist eine hier erwähnte heutigen Technik (die wahrscheinlich viele junge Leute schon gar nicht mehr kennen): VHS
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    11.06.2013, 22:00 Uhr
  • Aussterben des Kinos

    Auch wenn ich durchaus die Ironie in deinem Beitrag nicht übersehen kann, glaub ich (im Gegensatz zu vielen anderen) an ein Aussterben des Kinos nicht. Naheliegend zu denken ist, dass wenn man sich zuhause eine kinoähnliche Situation schaffen kann (eben ein Heimkino), die Menschen keinen Grund mehr sehen könnten, tatsächlich in ein "echtes" Lichtspielhaus zu gehen. Doch trotzdem zieht es (abgesehen vom Kino) auch heute immer wieder Massen an, mit fremden Menschen Bewegtbildern zu folgen. Man denke bei uns nur an Fußball-Welt- und/oder Europameisterschaften. Da schnellen die Verkaufszahlen für Großbildfernseher jedes Mal in die Höhe und trotzdem platzen die "Public Viewing"-Plätze aus allen Nähten. Natürlich gab es bereits die letzten Jahre ein Sterben von (vor allem) Programmkinos, doch glaube ich nicht, dass ein Überangebot an Möglichkeiten Filme zu konsumieren, ein tatsächliches Aussterben des Kinos wie wir es heute kennen hervorbringt...
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    11.06.2013, 21:50 Uhr