Kobergs Klarsicht
Kobergs Klarsicht: Verklärt

Kobergs Klarsicht: Verklärt

Ich muss damals nicht dabei gewesen sein um es schön gefunden zu haben.
Um festzustellen, wie verklärt nostalgische Erinnerungen sein können, bedarf es gerade einmal eines Gesprächs über das Wetter. Damals – wann auch immer das gewesen sein mag – waren die Sommer konsequent heiß und sonnig und im Winter gab es Schubkarren voll Schnee. Tendenziell mag da ja Wahres dran sein, aber unser Hirn bastelt sich eben auch gerne Bilder, die sich über die Jahre hinweg von der Realität entfernen.

In letzter Zeit haben uns verschiedene Filmemacher mit ihren ganz persönlichen Lichtspielhausnostalgien beglückt. Auf ganz unterschiedliche Weisen, die der Verklärung auf ihre jeweils eigene Art gerecht zu werden versuchen. Da gab es Filme wie „The Artist“ von Michel Hazanavicius oder Scorseses „Hugo Cabret“. Tarantino tut im Grunde nichts anderes, als die Geister seiner Lieblingsfilme wieder heraufzubeschwören und auch Baz Luhrmann scheint mir mit seinem aktuellen Werk „Der große Gatsby“ nach einem Kinogefühl „wie damals“ fischen zu wollen. Höchst unterschiedliche Herren also, die, wie ich meine, gerne einmal in ihren nostalgischen Erinnerungen schwelgen - an das Kino wie es einmal war.

Entscheidend ist dabei, dass es gar nicht so einfach ist, ein Gefühl wiederzubeleben, das ein Film vor Jahren einmal geweckt hat. Da ist der Zauber des Neuen verflogen und plötzlich wirkt vieles schlichtweg überholt, was dazumal den Zeitgeist am Kopf traf. Nur gut also, dass Tarantino uns in „Django Unchained“ mit Musik von 2Pac und RZA beschallt und Luhrmann und Scorsese uns die 3D-Brillen auf’s Aug drücken. Klar ist das oft an der Grenze zur Effekthascherei, aber das Kino bewegt sich immer schon diesseits und jenseits ebendieser Grenze und hat viele von uns gerade deswegen so oft mit offenen Mündern zurückgelassen.

Auffallend und naheliegend zugleich ist der Umstand, dass es die einfachen, die direkt unterhaltsamen Filme sind, die den immer wieder verloren geglaubten Zauber des Kinos ausmachen, an den sich nicht nur die oben gelisteten Regisseure nostalgisch zurückerinnern. Ein tanzender Mann mit einem tanzenden Hund war wahrscheinlich auch in den 1920ern nicht mehr als gute Unterhaltung. Und unter den Machern der Italo-Western waren wohl wenige, die zu hoffen wagten, dass ihre Werke dereinst von einem preisgekrönten Kritikerliebling zitiert und wiederbelebt werden würden.

Schön ist, dass es dem Publikum möglich ist, Scorsese und Hazanavicius voller Sehnsucht zu folgen, wenn sie vom magischen Kino von damals erzählen. Und das obwohl nicht einmal die Regisseure diese Zeit aktiv erlebt haben können.

Der Tarantino in mir würde wohl Bud Spencer und Kevin Costner zitieren – die Helden meiner cineastischen Jugend. Denn selbst für Django bin ich, wie wohl ein großer Teil von Quentins Publikum, zu jung. Der Nostalgie tut das, dankbarer Weise, keinen Abbruch.