Die Oscarnominierungen 2019 stehen fest.
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Heidi@Home: Nur ein Lied für Chérie

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Was ist dran am Song Contest? Fakten und Skurrilitäten aus Anlass des europäischen Wettsingens mit Kultstatus
Stermann und Grissemann haben es vor einigen Jahren so ausgerückt: „Viele kritisieren den Songcontest als unzeitgemäß und niveaulos, andere wiederum sagen, er ist einfach nur Quatsch – so gehen die Meinungen auseinander.“ Und tatsächlich: Der Song Contest wird nicht wirklich ernst genommen, oft belächelt und als belanglos abgetan, auf der anderen Seite aber aufgeregt erwartet, kommentiert und diskutiert. Auch und gerade auf angesagten Social Media Plattformen wie Twitter herrscht an diesem Abend Hochbetrieb. Die lange Tradition, die Ritualisierung seines Ablaufs und nicht zuletzt das Zelebrieren der Wertung, übt anscheinend doch immer wieder eine ganz eigene Faszination aus.

Gewisse Grundregeln gibt es, denen sich die teilnehmenden Interpreten zu unterwerfen haben: die Künstler müssen mindestens 16 Jahre alt sein, es dürfen höchstens sechs Personen (und keine Tiere) auf der Bühne stehen, der Song darf keine politische Botschaft enthalten und soll sich auch nicht kritisch mit dem Song Contest selbst auseinandersetzen, sowie drei Minuten Länge nicht überschreiten. Seit 1999 darf die Sprache, in der performt wird, selbst bestimmt werden. Seit 2009 setzen sich die Punkte zu je 50 Prozent aus Telefonabstimmung und Fachjury zusammen. Erst einmal gab es beim Song Contest eine recht umstrittene Siegerentscheidung und das war 1991: in diesem Jahr erreichten die Schwedin Carola und die Französin Amina die gleiche Anzahl an Punkten. Außerdem hatten beide gleich viele Höchstwertungen. Also entschieden die Anzahl der 10-Punkte Wertungen für Carola und ihren Mainstream-Song „Fangad av en stormwind“. Später wurde diese Regel geändert und nun würde jener Song gewinnen, der von den meisten Ländern Punkte bekommt. Hätte diese Regelung schon damals gegolten, so wäre die unkonventionelle Amina Siegerin gewesen.

Das erfolgreichste Land beim Songcontest ist übrigens Irland mit 7 Siegen (davon ein Hattrick 1992 bis 1994). Johnny Logan war zweimal selbst erfolgreich („What’s another year“ und „Hold me now“), sowie Komponist des Siegertitels 1992. Sehr erfolgreiche SC-Nationen sind außerdem Frankreich, Luxemburg, Schweden, Großbritannien und die Niederlande. Der Sieger mit der höchsten jemals erreichten Punktezahl war 2009 Alexander Rybak („Fairytale“), übrigens vor der Vorjahressiegerin Loreen. Allerdings stieg mit den Jahren auch die Anzahl an teilnehmenden Ländern, weshalb es mittlerweile zwei Halbfinali gibt.

Ein generelles Erfolgsrezept für den Song Contest scheint es nicht zu geben: mal gewinnen getragene Balladen, mal flotte Pop-Nummern, ab und zu Experimentelles. Auch die Berühmtheit des Interpreten spielt eine wechselvolle Rolle: teilweise siegen Stars wie Katrina and the Waves oder Toto Cutugno, teilweise schneiden populäre Performer wie die No Angels oder Engelbert auch sehr schlecht ab. Vereinzelt starten sogar Weltkarrieren beim Songcontest, ABBA und Celine Dion (ja, sie trat 1988 für die Schweiz an) beweisen das. Manche Siegertitel verschwinden sofort wieder in der Versenkung, andere Lieder werden richtige Evergreens wie „Volare“, „Save all your kisses for me“, „Puppet on a string“, „Ein bisschen Frieden“ oder „Insieme“. Auch das Siegerlied von 2012 – „Euphoria“ – von der Schwedin Loreen, erwies sich als sehr radiotauglich und wurde zu einem Hit abseits des Dunstkreis des Bewerbs.

Mittlerweile gibt es auch fast jährlich Bewerber, die durch besondere Skurrilität reüssieren wollen, was manchmal durchaus gut funktioniert: die russischen Omas, die letztes Jahr sangen und Brot gebacken haben („Party for everybody“) wurden Zweite, trotzdem „die Älteste von ihnen seit 86 Jahren nicht singen kann“ (Grissemann). Auch der Trash-Dance Interpret Verka Serduchka wurde 2007 Zweiter, seine sinnfreien ukrainisch-russischen Textzeilen sorgten damals sogar für einen Skandal, weil manche Zuhörer statt „Lasha tumbai“ „Russia Goodbye“ verstehen wollten. Über Serduchka wurde nach dem Contest ein Auftrittsverbot in Russland verhängt. Der sehr erfolgreiche deutsche Songcontest Komponist, Produzent und Teilnehmer Stefan Raab schwankte bei seinen Antritten zwischen Komik (Guido Horn und seinem eigenen Song „Wadde hadde dudde da“) und Anspruch mit Interpreten wie Max Mutzke und Lena Meyer-Landrut (Siegertitel „Satellite“). Auf beiden Ebenen bewies Raab ein gutes Händchen. Aber auch gesellschaftspolitisch kann der oft als so belanglos verschriene Bewerb bewegen, 1998 siegte die transsexuelle Israelin Dana international, die im Vorfeld großer Kritik im eigenen Land ausgesetzt war.

Mein ganz persönlicher Bezug zum Song Contest: ich traf die jugoslawische Siegerband von 1989, Riva, („Rock me“) in einem Restaurant in Kärnten und holte mir von ihnen ein Autogramm. Wahrscheinlich erinnert sich kaum jemand mehr an die Band, sie löste sich wenig später auf, die Leadsängerin startete eine erfolgreiche Solokarriere in Kroatien. Und mein persönlicher all time Favorit des Bewerbs? Paul Oscar („der hassenswerter Weise vom Musical kommt, wie so viele Bewerber, leider“ – Grissemann) und sein Song „Minn hinsti dans“. Er wurde 1997 auch nur 20. Trotzdem .

Wer sind Eure Songcontest Lieblinge? Und wie schätzt ihr Natalia Kellys Chancen am 18. Mai ein?