Road to Sundance... In 3 Tagen startet das Sundance Film Festival 2021
Caines Corner
Caines Corner: Cannon-Films

Caines Corner: Cannon-Films

Ein „B“-Studio trumpft auf! CANNON-Films – Aufstieg und Fall einer Filmproduktionsfirma
Am Wochenende habe ich mir auf DVD einen „Cannon-Klassiker“ mit dem Titel „52 Pick-Up“ mit Roy Scheider in der Hauptrolle angeschaut. Billig gemacht, aber durchaus unterhaltsam! Es ist bald ein Vierteljahrhundert her, seit CANNON Films seine Türen schließen musste. Doch davor schaffte das unabhängige kleine Studio einen unglaublichen Aufstieg in der Filmindustrie. 1979 wurde CANNON Films von den beiden israelischen Cousins Menahem Golan und Yoram Globus für eine halbe Million Dollar übernommen. Deren Absicht war es in Hollywood als Filmplayer ernst genommen zu werden.

In genau 10 Jahren gab es zwischen 1979 und 1989 einen Output in der Höhe von 125 Filmen! Der Aktienkurs hatte sich verhundertfacht. Es wurde nicht nur in Kinofilme, sondern auch vor allem in Videofilme investiert, so dass das Filmarchiv stetig wuchs. Überteure Flops wie „Superman IV - Die Welt am Abgrund“ und „Masters of the Universe“, der Versuch anspruchsvolle Filme wie „Runaway Train - Express in die Hölle“, „Barfly“ und „Shy People - Bedrohliches Schweigen“ zu schaffen sowie die Abkühlung des Videomarkts führten Ende der 80er-Jahre zum Konkurs! Die Erweiterung der Produktpalette und das Verlassen der Kernkompetenzen waren ein Sargnagel des amerikanischen Traums!

In der Zwischenzeit hatte man mit Stars wie Sylvester Stallone „Over the Top“ und „Die City Cobra“ gedreht! Aber richtig erfolgreich waren die sogenannten Video-Stars zu dieser Zeit wie Michael Dudikoff („American Fighter“), Chuck Norris („Missing in Action“), Sho Kosugi („Ninja, die Killermaschine“, „Die Rückkehr der Ninja“, „Die Herrschaft der Ninja“) und Jean Claude Van Damme („Bloodsport“, „Cyborg“), die hauptsächlich auf dem Videomarkt reüssierten! Aber auch für ehemalige Hollywoodgrößen wie Charles Bronson gab es die Möglichkeit die Karriere „zu verlängern“. Mit den „Death Wish“-Filmen („Ein Mann sieht rot“) drehte er Actionfilme bis zu seinem 80. Lebensjahr – es gab stolze 5 Teile vom Selbstjustizdrama! Rache, ein (Ronald-Reagan-)US-Patriotismus sowie teilweise unfassbare dumme/naive als auch brutale (geschnittene) Szenen waren meist die Zutaten der billigst produzierten Streifen in der Höhe von 5 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Heute sind es schon knapp 100 Millionen Dollar! Und trotzdem sind einige Filme des CANNON-Films-Archivs unterhaltsamer als so manche aktuelle Big-Budget-Produktionen. Gerade beim Anschauen von 52 PICK-UP habe ich mir gedacht, dass ich eine Zeitreise in die 80er Jahre gemacht habe! In der Filmgeschichte hat CANNON-Films für mich einen wichtigen Platz eingenommen. Noch ein letztes Schmankerl: Ich liebte die Videokassettenhüllen mit den VHS-Videokassetten mit grüner Klappe und Filmmotiv drauf! Kannst Du Dich auch noch daran erinnern?

Der Autor
leandercaine_0fc45209c9.jpg


Forum

  • Alte Zeiten

    Die VHS-Zeiten habe ich ja leider völlig verpasst, zumindest die Videothek-Zeiten. Für mich begann die VHS Ära damit, im TV Filme aufzunehmen, die ich mochte. Das Studio "Cannon" ist mir daher leider weniger aufgefallen, wenngleich mir dank Deiner gründlich recherchierten Rückblende seine Bedeutung nun stärker bewusst geworden ist.
    markus_lhnert2020_d56a9fa338.jpg
    26.03.2013, 18:25 Uhr
    • Cannon

      Die grünen kappen sind mir natürlich noch bestens in Erinnerung. Aber auch wer nicht viel in der Videothek unterwegs war kann Cannon durchaus kennen. Ich weiß nicht, ob das der ORF noch macht aber früher wurden vor den Filmen auch meist die Studiologos gespielt. Und da stach oft mal das animierte Cannon-Logo ins Auge.
      uncut_4fd94f1238.jpg
      26.03.2013, 21:49 Uhr